Hassels : Eine Familie im Brauchtumsfieber

Karl Meyer ist bei den St. Antonius-Schützen in Hassels aktiv, seit er 18 Jahre alt ist. Inzwischen ist er 81 - und seine ganze Familie engagiert sich für das Brauchtum. Ab Freitag wird in Hassels wieder gefeiert.

Die Entscheidung, der St. Antonius Schützenbruderschaft Hassels beizutreten, fällte Karl Meyer im Ausschlussverfahren. "Hassels war Anfang der 50er Jahre noch ein richtiges Dorf. Hier gab es für die jungen Leute nur den Fußballverein, den Gesangsverein und die Schützen", erinnert er sich. Da er weder singen noch Fußball spielen wollte, schloss er sich also mit 18 Jahren den Schützen an. Inzwischen ist er mit 81 Jahren das älteste aktive Mitglied des Vereins. "Und es macht mir bis heute Spaß", sagt er. Schnell verpassten seine Kameraden ihm den Spitznamen "Kalli", unter dem er im ganzen Stadtteil bekannt ist.

Das Hobby hat nicht nur sein Leben geprägt, sondern das der ganzen Familie: Beim Benrather Schützenfest lernte er seine Frau Eva kennen, mit der er bis zu ihrem Tod mehr als 50 Jahre verheiratet war. Seine Tochter Angelika Klauth ist aktuelle Regimentskönigin an der Seite ihres Mannes Jochen. Bereits zum dritten Mal bekleidet sie das Amt. Und auch die Enkelin tritt in die Fußstapfen des Opas: Da Frauen in seiner Kompanie "Gut Schuss" nicht Mitglied werden durften, gründete sie 2007 gemeinsam mit Freunden die Antonius-Kompanie.

Alle Familienmitglieder engagieren sich für das Brauchtum, ganz so aufwendig wie früher ist das aber in vielen Punkten nicht mehr. "Ich war erst Fahnenträger und später dafür zuständig, die Mitgliedsbeiträge der passiven Mitglieder einzusammeln. Das ging damals noch nicht per Überweisung, sondern ich bin von Haus zu Haus gegangen, um den Betrag in bar abzuholen", erzählt Meyer. Wenn niemand zu Hause anzutreffen war, musste er nochmal hin. Im Laufe der Zeit bekleidete er viele Ämter, war Kompaniekönig, Klompenkönig und Regimentskönig. Die Auszeichnungen an seiner Uniform mehren sich ständig. An eine Episode erinnert er sich besonders gern: Als Oberst musste er bei der Parade Meldung machen. Jahrelang ritt er dabei das selbe Pferd, Lukas. "Irgendwann stand ich mit Lukas vor den Majestäten und er fing an zu Wiehern. Das hat für einige Lacher gesorgt."

Die Geschichte machte ihn bekannt - schließlich stand sie in allen Zeitungen. "Selbst Günther Pannenbecker, Oberst des St. Sebastianus Schützenvereins 1316 sagte bei unserem Treffen: 'Ach, Sie sind der, wo das Pferd die Meldung gemacht hat.'" Nicht nur wegen der Erlebnisse, sondern vor allem wegen der Menschen ist Karl Meyer den Schützen immer treu geblieben. Dass die Kameraden auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten, zeigte sich für die Familie besonders Ende vergangenen Jahres. Karl Meyer wurde krank, lag drei Wochen im Koma, ist bis heute auf Hilfe angewiesen. "Die Schützen kümmern sich super um ihn, auch die jüngeren", freut sich Tochter Angelika. "Sie haben sogar extra ein Genesungsvideo gedreht, das er sich im Krankenhaus anschauen konnte."

Auch beim Schützenfest am Wochenende werden seine Kameraden für ihn da sein, denn ganz so einfach wie früher ist es für ihn nicht mehr, seine Wohnung zu verlassen. Die Parade am Sonntag will er aber auf keinen Fall verpassen - schließlich ist seine Tochter Königin.

(arm)