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Düsseldorf: öffentliches Kulturprojekt in Hassels und Garath

Theaterprojekt lädt in Hassels und Garath zum Mitmachen ein : Öffentliches Wohnzimmer voller Kultur

Die beiden Düsseldorfer Theaterschaffenden Faraz Baghaei und Alexandra Lukas haben das Theaterprojekt „Unser Wohnzimmer“ gestartet. Das wird jetzt mit je einer weiteren Aufführung in Garath und Hassels zu erleben sein.

Plötzlich erklingt eine Opern-Arie. Auf dem Platz vor dem Ernst-Lange-Haus an der Fürstenberger Straße in Hassels singt Sopranistin Lisa Katarina Zimmermann vom Klangkollektiv Düsseldorf. Anschließend zeigt sie den Kindern und Besuchern einfache Gesangsübungen. Und sie beantwortet viele Fragen, denn die meisten sind überrascht, wie laut und klar ihre Stimme auch ohne Mikrofon klingt.

Die Sopranistin ist Teil des Theaterprojekts „Unser Wohnzimmer“, das Faraz Baghaei und Alexandra Lukas, zwei Düsseldorfer Theaterschaffende, in Garath und Hassels initiieren. Sie haben dazu mit Bühnenbildnerin Artemis Kondyli-Roussou einen silbernen Glitzer-Pavillon entworfen, der quasi als Wohnzimmer auf den öffentlichen Plätzen genutzt werden darf. Zwischen Zimmerpflanzen, einem rosa Plüschteppich und gelbem Sofa finden Aktionen statt.

Schnell haben es sich einige Kinder gemütlich gemacht. Sie schauen Tänzerin Zena Sakata zu. Den Veranstaltern geht es ums Mitmachen und Aktion. „Jedes Mal denke ich: Haben wir überhaupt Zuschauer? Und dann füllt es sich, sobald wir einfach angefangen haben”, sagt Schauspielerin Alexandra Lukas.

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Dann schauen Bewohner aus den Fenstern und hören, was draußen auf dem Platz vor sich geht. Schnell sind die Stühle auf dem Platz belegt. Kinder laufen herum, tanzen oder singen und klatschen mit. Passanten bleiben stehen, kommen miteinander ins Gespräch oder dürfen einen Rap mitsingen. „Uns war es schon immer ein Anliegen, Theater nicht nur in den Institutionen und typischen Räumlichkeiten zu denken, sondern damit auf die Straße zu gehen und viele unterschiedliche Menschen anzusprechen“, sagt Regisseur Faraz Baghaei. Deshalb gibt es keinen Ticketverkauf. „Jeder kann sich einfach dazu gesellen und Kunst erleben“, sagt der Regisseur Baghaei.

Zum Erlebnis für die vielen Jugendlichen wird das Zusammentreffen mit Schauspieler Benjamin Nii Ami Solomon. Er spielt einen Theatermonolog in deutscher und englischer Sprache. Dass Theater auch ohne Bühnenbild und Kostüm funktionieren kann, ist schnell klar. Auch dass man sehr gut rappen kann, erleben die Mädchen und Jungen, denn sie können mitsingen und eigene Texte zum Besten geben.

Schauspielerin Alexandra Lukas und Regisseur Faraz Baghaei lernten sich im Jugendclub am Düsseldorfer Schauspielhaus kennen, studierten an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg und arbeiten seitdem an verschiedenen Theaterformaten im öffentlichen Raum. Sie wollen mit ihren Projekten ein diverses Publikum jeden Alters ansprechen und die Menschen direkt in den verschiedenen Stadtteilen vor Ort erreichen. Auch Diskussionen und Gesprächsformate finden statt. Das Projekt wird noch einmal in beide Stadtteile kommen.

Gast ist auch die über 80-jährige Rentnerin Ingrid Werres, ein „Garather Original“. Sie lebt seit über 60 Jahren dort und berichtet von ihrem Leben im Stadtteil. Der Game-Designer Dennis Palmen hat mit Jugendlichen aus Hassels eigens für die Veranstaltung ein Handy-Spiel entwickelt, das Menschen vor Ort auf ihren eigenen Smartphones spielen können. Alle Angebote sind kostenlos und ohne vorherige Anmeldung nutzbar.

Und die sind vielfältig: In Hassels präsentierte die Musikerin Donia Touglo eigene Songs und erzählte dem Publikum, worauf es beim Liederschreiben ankommt. Sie wurde 2021 mit dem Pop-NRW-Preis als „Beste Newcomerin“ ausgezeichnet. Die Düsseldorferin Zena Sakata arbeitet als Model und Tänzerin. Neben einem Tanzsolo gab sie einen Model-Workshop und zeigte, wie man auf dem Catwalk im öffentlichen Raum glänzt.

Unter Anleitung der bildenden Künstlerin Silvana Daniel brachten die Kinder ihr „Wohnzimmer der Zukunft“ mit Wassermalfarben zu Papier. „Ich finde es hier richtig toll“, sagte ein Mädchen. Fasziniert saß ein anderes Kind bei Opernsängerin Lisa Kaufmann. „Du hast so eine schöne Stimme“, sagt die Kleine. „Es ist einfach genial, denn viele haben sonst keine Berührungspunkte mit der Oper und es wichtig, dass sie die Kunstform kennenlernen“, sagt die Sopranistin erfreut.