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Hassels: Deutschland ist ihm Heimat geworden

Hassels : Deutschland ist ihm Heimat geworden

Inzwischen lebt Antony Manickathan länger in Deutschland als in seinem Geburtsland Indien. Der katholische Priester will sich mit seiner Gemeinde "St. Antonius und St. Elisabeth" für die Flüchtlinge an der Stargarder Straße engagieren.

Inzwischen hat Antony Manickathan mehr als die Hälfte seines Lebens in Deutschland verbracht. Hier, sagt er, habe er seine Heimat gefunden. Und das wünscht er sich auch für die vielen Flüchtlinge, die derzeit versuchen, in Düsseldorf ein neues Leben anzufangen. Der Wunsch des seit 2008 in der katholischen Gemeinde St. Antonius und St. Elisabeth (Hassels und Reisholz) als Priester tätigen 50-Jährigen ist es, dass sich viele seiner Gemeindemitglieder in der Betreuung der Menschen engagieren, die die Stadt in dem früheren Behinderten-Wohnheim an der Stargarder Straße untergebracht hat: "Es wäre schön, wenn wir dadurch ein Zeichen setzten." Denn er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig eine Situation der Ungewissheit ist: "Das hatte ich zwischendurch auch. Und ich habe ja meine Heimat freiwillig verlassen." Anders die Menschen, die manchmal nur mit den Sachen, die sie am Leib tragen, in Düsseldorf ankommen: "Ich kann mir vorstellen, wie schwierig das ist. Wie auch das Gefühl, dass es das Zuhause, wie man es kannte, nicht mehr gibt." Wie etwa in Kriegsgebieten.

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Manickathan selbst ist ein Beispiel für gelungene Integration. "Ich habe mich, als ich 1989 in Deutschland ankam, für die Sprache, die Mentalität und die Kultur interessiert", sagt er und erzählt von seiner ersten deutschen Gastfamilie im münsterländischen Senden. Seine Gastmutter habe ihn behandelt wie ihr eigenes Kind: "Wenn ich von der Sprachschule nach Hause kam, hat sie mir das Essen aufgewärmt." Unterhalten wurde sich mit Händen und Füßen: "Ich konnte kein Deutsch, aber Englisch, das verstand sie aber nicht." Wer sich verständigen will, dem gelingt das erstmal auch ohne eine gemeinsame Sprache. Doch die sei wichtig, um sich integrieren zu können. Integration gelinge, wenn man es selber wolle, sagt der Pfarrer.

Geboren wurde Antony Manickathan vor 50 Jahren in einem Landstrich an der Südwestküste Indiens. Dort studierte er Philosophie bereits mit dem Wunsch, Priester zu werden. Über ein Säkulärinstitut - eine Art Orden, deren Mitglieder nicht im Kloster leben - zog es ihn mit 24 Jahren als Novize nach Deutschland. Doch schnell habe er gemerkt, dass das nicht sein Weg sei, erzählt er: "Das war eine in sich geschlossene, kleine Welt, die komplett nach innen gerichtet war. Ich aber wollte nach außen gehen, neue Erfahrungen machen und Menschen kennenlernen." So entschied er sich um und begann in Bonn ein Theologiestudium. 1999 wurde er zum Priester geweiht.

Jedes Jahr versucht er, drei Wochen in Indien zu verbringen. Heimat sei das für ihn nicht mehr, sagt er, auch wenn er als dort Geborener die Staatsbürgerschaft behält und es immer noch Freunde und Verwandte gibt, die er besucht. Inzwischen hat er auch einen deutschen Pass: "Das ist doch selbstverständlich, weil ich hier lebe und arbeite."

Und genau diese Offenheit, mit der er auf die Menschen aufgeht, hat ihm schon immer Türen geöffnet. Egal, wo er hin kam, suchte er sich einen Kreis, der ihn in seine Mitte aufnahm. Wie in Bonn, als er einer Studentenverbindung beitrat: "Ich war der erste Ausländer, der aufgenommen wurde. Aber spüren lassen hat man mich das nie. Ich bin in Deutschland ganz vielen offenen und freundlichen Menschen begegnet."

Regelrecht ins Schwärmen kommt er, wenn er von seiner Zeit als Praktikant 1991 in einer Bonner Kirchengemeinde erzählt. Dort habe er sich in der Jugendarbeit engagiert und diese Zeit sehr genossen. Und auch in der Gemeinde St. Antonius und St. Elisabeth hat er ein Team um sich geschart. Mit diesem plant er ein baldiges Treffen für Gemeindemitglieder. Wie genau die Hilfe für die Flüchtlinge aussehen soll, muss sich noch zeigen: "Die Belegung des Wohnheimes kam ja für uns alle sehr überraschend." Mit der evangelischen Gemeinde der Anbetungskirche sowie der Diakonie und der Caritas müsse besprochen werden, wer was leisten könne.

Dass die Nachbarn des neuen Flüchtlingsheimes an der Stargarder Straße in der Versammlung vor zwei Wochen auch ihre Sorgen äußerten, kann Antony Manickathan nachvollziehen: "Das Fremde macht einem Angst." Das Gefühl, erstmal als Fremder eingestuft zu werden, kennt er auch, etwa wenn er außerhalb von Hassels oder Reisholz unterwegs ist. Denn seine indische Herkunft kann man nicht übersehen. Doch wie man dieses anfängliche Gefühl der Fremdheit beim Gegenüber auflösen kann, dafür ist der 50-Jährige das beste Beispiel: Einfach offen aufeinander zugehen.

(RP)