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Hassels: Bürger wollen sich stärker engagieren

Hassels : Bürger wollen sich stärker engagieren

Die Diakonie, die die Flüchtlingsunterkunft im Matthias-Claudius-Haus betreibt, hatte gestern am Nachmittag Anwohner zu einem Nachbarschaftstreffen eingeladen. Es hatte Beschwerden über Lärm und Brandmeldungen gegeben.

An der Eingangstür zum Matthias-Claudius-Haus hängt ein großes Plakat: "Flüchtlinge Willkommen" ist dort in mehreren Sprachen zu lesen. Diese Willkommenskultur unterstützen auch die Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft an der Stargarder Straße. Dennoch regt sich auch bei ihnen über manche Dinge Unmut. Über die Geräuschkulisse in und vor der Einrichtung beispielsweise.

So merken einige Anwohner bei der gestrigen Gesprächsrunde an, dass bis weit nach 22 Uhr Lärm zu hören sei, der zum Teil erst nach Mitternacht abebben würde. Auch beschwerten sich die Anwohner über die vielen Brandalarme in den vergangenen Wochen. Hier werde die Stadt aber schnell Abhilfe schaffen, versprach Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Düsseldorf. "Die Elektroherde, die meist für den Alarm verantwortlich waren, werden mit Zeitschaltuhren versehen, so dass dort nach 22 Uhr nicht mehr gekocht und auch kein Topf mehr vergessen werden kann, der für eine Rauchentwicklung sorgen könnte."

Es gebe allerdings keinen Hinweis darauf, dass die Alarme absichtlich herbeigeführt worden seien. "Das Lärm-Problem soll bei einer Hausbewohnerkonferenz angesprochen und somit zukünftig verhindert werden", sagt Thorsten Nolting von der Diakonie. Einige Vermieter drängten indes darauf, dass dies bald geschehe, da vermehrt Nachbarn der Unterkunft ihre Miete wegen des Lärms kürzen würden.

Ernsthaft Sorgen machen sich die Anwesenden über die gängige Praxis von nächtlichen Abschiebeaktionen, bei denen einzelne Flüchtlinge mitten in der Nacht aus dem Heim geführt werden. "So einen Schrei, wie den einer Mutter vor ein paar Tagen habe ich noch nie gehört und den werde ich auch nicht mehr vergessen", berichtet eine Anwohnerin, die immer noch ganz geschockt von diesem Vorfall ist. Die Frau wurde offenbar in jener Nacht von ihrer Familie getrennt und alleine abgeschoben.

Auch Miriam Koch sieht dies kritisch. "Die Stadt prüft derzeit, inwieweit wir dies zukünftig verhindern können." Sie sagt aber auch, dass nur rund 60 Prozent der Flüchtlinge damit rechnen können, bleiben zu dürfen. Derzeit leben 113 Bewohner in der Unterkunft. Darunter sind neben vielen jungen Männern auch einige Familien. Viele Teilnehmer des Gesprächskreises bieten beim Nachbarschaftstreffen spontan an, sich in der Unterkunft zu engagieren. Einige böten in den Räumlichkeiten bereits Deutschkurse an, andere betätigen sich als Paten oder sorgen für Freizeitbeschäftigungen für die Flüchtlinge. Laut Bezirksverwaltungsstelle haben sich dort bis zu 80 Bürger Interesse sich ehrenamtlich einzubringen. Als gutes Beispiel für eine gelungene Integration in den Alltag gilt der VfL Benrath, der an Flüchtlinge an der Benrodestraße Freikarten für das nächste Heimspiel verteilte. Ähnliche Aktionen wurden gestern auch in Hassels diskutiert.

(RP)