Rundgang : Letzter Blick in den Bunker

Bevor der Bunker in Hamm zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut wird, können Interessierte noch einmal in das Gebäude.

Es ist eine gespenstische Ruhe, die die weiten Flure des Hammer Bunkers durchzieht – und damit das genaue Gegenteil zu den Zeiten seines Hochbetriebs. Erschütterung durch Bombeneinschläge, schreiende Kinder und bangende Erwachsene prägten das Bild im Jahr 1945, als 3000 Menschen über Wochen in dem Bunker ausharren mussten. Mehr als 70 Jahre nach seinem Bau wird das Gebäude zum Teil einem Wohnhaus weichen. Vorher öffnet der Förderverein Düsseldorf-Hamm am Samstag noch ein letztes Mal die Pforten, um einen Einblick in die geschichtsträchtigen Mauern zu geben.

Viel ist von der damaligen Nutzung nicht mehr übrig. Über dem ehemaligen Haupteingang ist die Aufschrift „Männer im Alter von 16 bis 70 Jahren gehören in den Einsatz und nicht in den Bunker“ zu erkennen. Die Räume im Bunker erinnern dagegen nur noch schemenhaft an die damalige Funktion. Wobei die Ausstattung auch damals schon äußerst spärlich war. Denn für eine langfristige Nutzung war der zwischen 1941 und 1942 erbaute Bunker ursprünglich nie gedacht. Eigentlich solten die Menschen nur kurzfristig Schutz finden während der Luftangriffe der Alliierten. Als kurz vor Kriegsende die amerikanischen Truppen auf der anderen Seite des Rheins standen, wurde aus dem Zufluchtsort für 3000 Menschen aus Hamm und umliegenden Stadtteilen ein Ort dauerhafter Beherbergung. 1,40 Meter waren die Wände dick und schützten sie sicher vor jedem Einschlag. Spuren haben die Angriffe an den Außenfassaden hinterlassen.

Die Zustände in dem Gebäude waren während dieser Zeit grauenhaft. „Das Gebäude war nicht auf die Menschenmenge ausgelegt“, erzählt der Historiker Franz-Josef Etz, der seit vielen Jahren an der Geschichte des Bunkers forscht. Einige wenige, zumeist Familien, hatten das „Glück“, in einem abgeschirmten Raum bleiben zu dürfen, der Rest kam in den Hallen unter. Essen und medizinische Versorgung waren mangelhaft.

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Wer den Bunker verließ, brachte sich in Lebensgefahr, da Hamm unter dauerhafter Befeuerung der amerikanischen Soldaten stand. So war der Alltag während der siebenwöchigen Belagerung neben Angst und Verzweiflung auch durch Langeweile geprägt und die Sorge um die eigene Existenz. Denn die Bewohner durften nicht mehr als einen handgepäcksgroßen Koffer in die Unterkunft bringen. „Da musste abgewogen werden, ob man lieber mehr Kleidung oder doch ein persönliches Erinnerungsstück wie ein Fotoalbum mitnimmt“, berichtet Etz.

Einige Fundstücke und Bilder wird Etz am Samstag ausstellen, um einen Eindruck von der Situation im Krieg zu vermitteln. Denn wer das Gebäude ohne jegliche Kenntnisse seiner Vorgeschichte betritt, könnte glauben, er stünde in einem alten Parkhaus. Dass der Bunker überhaupt noch steht, ist einer wechselnden Nutzerschaft nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu verdanken. Unternehmen nutzten ihn als Lager, zwischenzeitlich war er in Besitz des Kunstberaters Helge Achenbach. Das erste Schützenfest der Hammer wurde dort gefeiert. All diese Begebenheiten hinterließen Spuren, die noch sichtbar sind.

Ein Abriss stand vor Jahren schon einmal zur Debatte, jetzt ist es konkret, die Bebauungspläne für die Eigentumswohnungen stehen schon. 21 Einheiten sollen entstehen. Die Pläne wurden in Zusammenarbeit mit dem Förderverein erarbeitet und sehen eine Teilerhaltung des Bunkers vor – Turm und Untergeschoss sollen als Tiefgarage erhalten bleiben.

Hamm verliert einen geschichtsträchtigen und nicht zuletzt auch markanten Punkt im Stadtbilde. Für Franz-Josef Etz jedoch kein Grund für Wehmut: „Der Bunker war kein schöner Ort, sondern ein Ort, der von viel Leid geprägt war“, sagt er.

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