Geschichte des Düsseldorfer Stadtteils Kappes-Hamm

Stadtgeschichte : Halb Dorf, halb Stadtteil

Die Einwohner nennen sich eher Hammer als Düsseldorfer. Seit 625 Jahren gehört Kappes-Hamm zur Stadt.

Vor 200 Jahren war Hamm kaum mehr als ein von Feldern umgebenes Dorf am Rhein, das mit der wachsenden Stadt im Norden wenig mehr zu tun hatte, als dass die Bauern ihr Gemüse auf den dortigen Märkten verkauften. Damals führte noch keine Brücke über den Rhein, lediglich eine mit Ketten betriebene Fähre. Irgendwann gab es an dieser Ketten ein Problem, und so fuhr der Dorfschmied gemeinsam mit seinen Gesellen in einem Boot hinaus. Lediglich einen Wandergesellen, der bei ihm für Kost und Logis arbeitete, ließ der Meister in der Werkstatt zurück. Doch dann geschah ein Unglück: Bei den Arbeiten riss die Kette, zerschlug das Boot und der Schmied und alle seine Gesellen ertranken im Rhein. Nur der Wandergeselle blieb zurück; er ließ sich in dem kleinen Ort nieder und nahm sich der Werkstatt an – und auch der Witwe des Schmieds. Das ist die Geschichte, wie die Familie von Franz-Josef Etz nach Kappes-Hamm kam.

Heute kennt sich wohl niemand im Stadtteil so gut aus wie Franz-Josef Etz, der Nachfahre des Wandergesellen. Wenn er mit seinen Nachbarn spricht, verwenden sie einen Dialekt, den man nicht „Düsseldorfer Platt“ nennen darf. Obwohl Hamm seit 625 Jahren Teil der Stadt ist, sehen sich viele Einwohner erst als Hammer, dann als Düsseldorfer.

„Das ist unser Hammer Platt“, erzählt Etz, der pensionierter Latein-Lehrer ist und sich nicht erst seit dem Ruhestand mit der Geschichte seiner Heimat beschäftigt. Nicht nur auf ihren Dialekt sind die Menschen stolz, „die Hammer sind anders als die Düsseldorfer. Sie sind nicht schicki-micki. Es gibt schrullige Typen, auch unter Erwachsenen sind Spitznamen die Regel. Der Hammer ist traditionsbewusst, feierfreudig und vor allem bodenständig. Sein Boden ist ihm das Wichtigste.“

Der Hammer Boden war über Jahrhunderte die Grundlage der Existenz. Ursprünglich bestand das heutige Hamm – Kappes-Hamm genannt mit Blick auf die Bauern – aus zwei Orten: im Osten das eigentliche Hamm, im Westen die Siedlung Auf den Steinen um die heutige Fährstraße herum. Beide Dörfer lebten vom Rhein und vom Boden. Bis ins 19. Jahrhundert, als die Eisenbahntrasse Hamm im Norden abschnitt und das linke Rheinufer Neuss zugesprochen wurde, gehörte Hamm zu den größten Stadtteilen Düsseldorfs.

„Trotz der Beschneidung hat Hamm sich seinen dörflichen Charakter bewahrt“, sagt Etz stolz. Das liege vor allem daran, dass die Industrialisierung weitgehend am Stadtteil vorbei gezogen ist. Während in anderen Vierteln Fabriken und Wohnkasernen errichtet wurden, kam Hamm die Aufgabe zu, die wachsende Stadt zu ernähren. Die Bauern zogen Kohl (Kappes), Spargel und anderes Gemüse und brachten es auf die Märkte.

Auch heute noch bezeichnet sich der Ort als „Wirsing City“. Doch auch der vielleicht ländlichste Düsseldorfer Stadtteil bekommt die Folgen der Wohnungsnot zu spüren. „Die alten Ackerflächen werden bebaut“, erzählt Etz, der sein Hamm als ein „Gallisches Dorf“ bezeichnet. „Die Menschen kommen hierher, weil es in Hamm so ländlich ist. Aber je mehr Menschen kommen, desto mehr geht dieser Charakter verloren.“

Echte Bauern gibt es kaum noch in „Wirsing City“. „Inzwischen gehen die meisten Hammer ganz normalen Berufen nach, und die Äcker verschwinden unter Beton“, sagt Etz etwas schwermütig. Er selbst hat hinter seinem Elternhaus noch einen Garten mit Beeten und Gewächshäusern. Inzwischen gibt es nur noch wenig Ackerbau in Hamm. Auch die Errichtung der Südbrücke 1929, die die Rheinfähre verdrängte, habe dem Ort wichtigen Durchgangsverkehr genommen, der seit dem Mittelalter vor allem Auf den Steinen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war.

„Die Stadt frisst das Land“, sagt Franz-Josef Etz traurig. Doch auch wenn der Kappes in Hamm immer mehr an Bedeutung verliert, vermittelt der Stadtteil immer noch das Gefühl, als wäre hier die Zeit vor 200 Jahren stehen geblieben, als der Vorfahre des Historikers als Wandergeselle an den Rhein kam.

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