Düsseldorf: Im Hammer Bunker sollen Wohnungen entstehen

Bauprojekt in Düsseldorf: Das wollen Architekten aus dem Hammer Bunker machen

1942 ist der Bunker in Hamm gebaut worden, bis zu 4500 Menschen fanden dort zum Ende des Zweiten Weltkriegs Schutz. Neusser Architekten wollen aus dem grauen Betonklotz ein Mehrfamilienhaus machen.

Meterdick sind die Mauern des Bunkers, der mitten in Hamm steht - ein Ungetüm gleich gegenüber der Volksbank, kaum 250 Meter vom Rhein entfernt. Der Klotz mit seinem achteckigen Turm ist ein Mahnmal im Stadtteil, für viele Hammer aber auch etwas Besonderes - weil er den Menschen Schutz bietet in den dunkelsten Stunden Düsseldorfs, als der ganze Ort am 3. November 1942 in Flammen steht, als am 28. Februar 1945 die Amerikaner bis zum Rhein vorrücken, Hamm wegen der Brücken unter Granatwerferfeuer gerät und 4000 Menschen über Wochen im Bunker verharren. Sirenen, Hunger, das flackernde Licht, wenn es wieder eine Detonation gegeben hat, oder gar kein Licht, weil der Strom bei schweren Angriffen abgestellt wird.

Viele Bunker, die im Zweiten Weltkrieg errichtet wurden, sind mit der Zeit umgewidmet worden. Auch für den Hammer Bau hat es schon Ideen gegeben - umgesetzt wurde keine. Bis jetzt. Das Architekturbüro Röttger Welzel Wichmann aus Neuss hat vor fünf Jahren das Grundstück gekauft, arbeitet seitdem an den Plänen, die jetzt in der Bezirksvertretung 3 vorgestellt wurden. Ein bisschen überrascht ist Peter Röttger sogar gewesen, dass die Stadtteilpolitiker für den Bauantrag fast ausschließlich positive Worte fanden. Vermutlich, weil er im Vorfeld eng mit dem Förderverein in Hamm zusammengearbeitet hat, "uns hat das Konzept gut gefallen", sagt der Vorsitzende Daniel Leuchten. Dietmar Wolf (Grüne), zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister, lobt die Pläne der Architekten, weil Teile des Bunkers erhalten bleiben, "an der Brunnenstraße hätte man das auch realisieren können", meint er und spielt auf die alte Fassade mit dem Pferdekopf an.

Das sind die Pläne

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Bleiben wird ein Teil des Turms, über den der Zugang zur Tiefgarage ermöglicht werden soll. In den oberen Geschossen im Turm werden Wohnungen entstehen, darauf soll ein Studio gesetzt werden mit einer Gesamthöhe von 15,3 Metern. Das Untergeschoss wird weiterhin Bunker sein, in dem zwölf der 29 Stellplätze nachgewiesen werden, einzelne Wandscheiben erinnern auf der anderen Seite des Komplexes an die Historie. Zudem ist eine Aufarbeitung der Geschichte des Bunkers geplant, die im unteren Bereich des Turms an der Außenfassade einen Platz finden soll. Schaukästen oder Tafeln kann sich Peter Röttger vorstellen - das werde aber noch mit dem Förderverein abgestimmt. Mit Interesse verfolgte Röttger die Ideen, die es 2010 schon einmal gegeben hat, eine Voranfrage wurde dazu sogar in der BV gestellt. "Der Ansatz war aber nicht der richtige", findet der Architekt - damals sollte der gesamte Bunker erhalten bleiben, zwei Penthäuser oben drauf gesetzt werden. "Für die da oben sicher cool, der Rest hätte aber auf die Kiste geschaut", meint Röttger. Dass die Aussicht von "da oben" aber fantastisch ist, das hat auch Peter Röttger gesehen. Auf dem Flachdach des Neubaus ist eine Dachterrasse mit Blick auf den Rhein geplant.

Flach war das Dach des Hochbunkers auf dem Gelände zwischen Sandacker, Rheinstraße, Möhkersgäßchen und Dorfstraße nicht immer, ein Spitzdach bekam er damals - überhaupt ähnelte der Grundriss dem einer Kirche. "Kirchen waren geschützt", sagt Peter Röttger, so versuchte das NS-Regime, Bombemangriffe auf Bunker aus der Luft zu verhindern. Ein Kellergeschoss, Erdgeschoss und zwei Etagen darüber - jede Etage war mehr als 600 Quadratmeter groß. Hinter den meterdicken Außenmauern des Turms wurden Waschräume und Toiletten installiert, über eine Rampe konnten die verschiedenen Stockwerke erreicht werden. Am Eingang zum Bunker soll gestanden haben: "Männer zwischen 15 und 60 Jahren gehören in den Einsatz und nicht in den Bunker." Schon kurz nach Fertigstellung 1942 bot der Komplex tausenden Menschen Schutz.

(RP)