Düsseldorf-Hamm: Fünf Räume voll mit der Geschichte eines Stadtteils

Jubiläum in Hamm : Fünf Räume voll mit der Geschichte Hamms 

Am Sonntag startet im Stadtmuseum die Ausstellung „625 Jahre Hamm bei Düsseldorf“. Zum Jubiläum sind viele Aktionen geplant.

Beherzt greift der Kurator selbst zum Putzlappen und bringt den Glaskasten in Schuss. „Hier ist ja noch überall Staub dran“, sagt Franz-Josef Etz beim Blick auf das große Fährmodell im letzten Raum der Ausstellung, für die er noch einiges zu tun hat. Die Eröffnung der vierwöchigen Ausstellung im Stadtmuseum ist am Sonntag – ein weiteres großes Highlight im 625. Jubiläumsjahr des Düsseldorfer Stadtteils.

In insgesamt fünf Räumen wird die Geschichte Hamms erzählt: „Immer dem Kappes nach“, lautet das Motto, das sich auf den ehemals florierenden Anbau von Kappes, also Kohl, bezieht. „Deswegen spricht man ja auch von Kappes-Hamm“, erklärt Etz. Zu Beginn der Führung gelangt man zu historischen Karten und Bodenfunden des Stadtteils. Eine Darstellung von 1782 bietet eine detaillierte Übersicht von Gebäuden und Grundflächen im 18. Jahrhundert. „Auf allen Karten kann man Stück für Stück nachempfinden, wie Hamm entstanden ist“, sagt der eifrige Kurator. Direkt angrenzend führt der Gang durch die Ausstellung in die Räume zum Rhein und zum Handwerk. Beides Aspekte, die in der langen Geschichte Hamms eine elementare Rolle spielen. Im Raum zum Handwerk stehen vor allem die vielen ehemaligen Brauerein und der Ackerbau im Vordergrund.

Anfang des 20. Jahrhunderts waren in Hamm noch sieben Brauereien ansässig, heute sind die meisten davon ganz geschlossen, einige wenige werden als Brauhaus genutzt. Viele Original-Utensilien der letzten Brauerei Möhker, wie Fass-Stempel, Maischelöffel oder Altgläser, sind aus dieser Zeit aber noch erhalten und können besichtigt werden. Auch einige Ackergeräte, die ebenfalls vor über 100 Jahren hauptsächlich für Kappes und Spargel eingesetzt wurden, sind Teil der Ausstellung und noch in einem guten Zustand. Für die meisten Ausstellungsstücke ist Kurator Franz-Josef Etz selbst verantwortlich. Hamm ist mehr als sein Wohnort. Hamm ist seine Leidenschaft. „Die meisten Exponate stammen tatsächlich aus meiner eigenen Sammlung. Einige Dinge musste ich ausleihen“, erzählt der pensionierte Latein-Lehrer und verweist auf ein großes Highlight der Ausstellung: In dem Raum, der unter dem Thema „Kirche und Schützen“ steht, werden die Besucher nicht nur auf historisches Königssilber der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft treffen, sondern auch auf einen historischen Kelch von Kurfürst Jan Wellem. „Der Kelch gehört leider nicht zu meinem Privatbesitz“, sagt Etz und schmunzelt.

Im letzten Raum treffen die Besucher dann auf eine ungewöhnliche Kombination aus Bildern, die sich alle mit dem Thema Hamm und seiner Landschaft auseinandersetzen. „Wir haben hier eine sehr interessante Mischung aus Profi- und Amateur-Gemälden, da es uns hauptsächlich um die Motive ging.“ Und so hängen Gemälde von Cornelius Wagner und Jakob Weitz neben Exponaten von namenlosen Künstlern. Im selben Raum steht auch das Modell der Fähre, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten eingesetzt wurde. Wie zu allen anderen Stücken der Ausstellung kennt Etz auch hier wieder alle historischen Details und Geschichten. Da überrascht es nicht, dass der Kurator selbst die Führungen durch die Ausstellung in den kommenden vier Wochen begleiten wird. Die Ausstellung im Stadtmuseum ist aber natürlich auch für jeden anderen offen, der sich die Stücke einfach nur angucken möchte.

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