Jubiläum : Hamm feiert mit ganz viel Heimatliebe

Das ganze Dorf war auf den Beinen, um den 625. Geburtstag mit einem großen Fest und vielen Gästen zu begehen.

  Von allen Seiten strömen die Menschen Richtung „De Blääk“. Auf dem Dorfplatz kann man in der Menge kaum die bunte Blumendekoration sehen. Düsseldorfs kleinster und ländlichster Stadtteil Kappes-Hamm feiert sein 625. Bestehen. Und zum Höhepunkt der Feierlichkeiten  haben die „Hämmer“ – so heißen die Menschen aus Hamm auf Platt, erklärt Ortshistoriker Franz-Josef Etz – am Pfingstsonntag ganz groß aufgefahren. Nicht nur auf dem Dorfplatz wird gefeiert. Das Straßenfest erstreckt sich über die Hammer Dorfstraße bis zum Nikolaus-Faber-Platz. Ein großes Bühnenprogramm, darunter ein  Konzert im Rahmen der Jazz-Rally, Food Trucks und Getränke mit Regionalbezug – „Kappes on the Deich“, „Hammerinha“ oder „Blääk Virgin“ – sorgen für viel Abwechslung.

„Gestern Morgen konnte man auf ,De Blääk’ noch gar nichts erkennen. Heute ist er ein Fest für das Auge“, findet Etz. Mit vereinten Kräften haben die Hammer Gartenbaubetriebe den Dorfplatz in ein Blumenmeer verwandelt und zeigen, wofür ihr Stadtteil steht. „Früher war das Gemüse unsere Hauptversorgungsquelle. Heute sind es die Blumen“, so der Dorfhistoriker. Trotzdem haben die Besucher am Pfingstsonntag die Möglichkeit, nicht nur Blumen, sondern auch knackfrisches Gemüse zu erwerben.

Etliche Hammer haben den Förderverein bei der Organisation unterstützt. Die Schützen haben den Schützenplatz zur Verfügung gestellt. Die „Liederkranz-Kompanie“ zeigt in ihrer Werkstatt, wie ihre Fackeln für den beliebten Schützenzug hergestellt werden. Im Hof haben sie ein riesiges Fackel-Herz aufgestellt, auf dem die Kinder ihren Handabdruck und ihren Namen hinterlassen können. „Es wird natürlich beim nächsten Fackelzug mitfahren und wahrscheinlich beim Oktoberfest zu sehen sein“, erzählt Wolfgang Wehrend von der Liederkranz-Kompanie, die mit der Aktion auch neue Mitstreiter gewinnen will.

Die Chance für sich zu werben, nutzen auch die Hammer Handwerksbetriebe. Bei den Landschaftsgärtnern dürfen die Kinder  ein Sandfeld mit Steinen pflastern und Baumscheiben bemalen,  einige Stuckateure zeigen, wie sie Figuren gießen und lassen die kleinen Besucher Steinblöcke mit Hammer und Meißel bearbeiten. Besonders viel Spaß haben die Kids auch bei der Landmaschinen-Ausstellung. Endlich mal auf einen Trecker steigen, sich alles genau anschauen und kräftig auf die Hupe hauen, was gibt es Schöneres?

Auf dem Schützenplatz geht es geschichtsträchtig zu. Die Bergischen Lehensritter e.V. entführen ihre Zuschauer ins Mittelalter und lassen sie mit Ritterspielen an der Stadtgeschichte teilhaben. Marco Wahl zeigt  die alte Kunst der Falknerei. Marion Schmitz aus Wersten hat das Glück, sich in der Pause ein wenig um Uhu „Hugo“ kümmern zu dürfen. „Normalerweise trinke ich Hugo, jetzt habe ich ihn auf dem Arm“, sagt sie. „So nah kommt man so einem Tier ja normalerweise nicht. Ich finde die Augen sind echt faszinierend“, sagt sie begeistert von ihrer Rolle als Falknerin auf Probe.

Wer bei der Jubiläumsfeier natürlich auf keinen Fall fehlen darf, ist Regina Schäfer, die jeder, der sich echter „Hämmer“ nennen kann, kennen muss. Die 88-Jährige singt schon 70 Jahre im Kirchenchor Cäcilia in Hamm. Seit 50 Jahren fotografiert sie alle Schützenaktivitäten. Und auch heute ist sie in ihrer Bäuerinnentracht wieder mit ihrer Kamera unterwegs. „Ich brauche es einfach, dabei zu sein. Auch wenn ich nicht mehr in Hamm lebe, liebe ich meine Heimat“, sagt sie voller Stolz auf ihren Stadtteil.

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