Hafen: Abfuhr für Bürohaus-Planer im Hafen

Hafen: Abfuhr für Bürohaus-Planer im Hafen

Jürgen Schubert vom Architektenbüro Structurelab stellte das Projekt der Bezirksvertretung 3 vor. Die Stadtteilpolitiker waren wenig begeistert, weil ihnen ein Bauantrag statt einer Voranfrage vorgelegt wurde und es keine Vorgespräche gab.

Zum ersten Mal hatte Wolfgang Müller (CDU) in der Sitzung der Bezirksvertretung 3 die Animationen zum geplanten Bürohaus an der Kaistraße 8b gesehen, "ich war fast erschrocken", sagte er. Das alte Haus von 1907 mit der für viele erhaltenswerten Fassade soll einem sechsgeschossigen Gebäude weichen, das sowohl die im Bebauungsplan festgesetzte Geschossigkeit, als auch die Geschossflächenzahl überschreitet. Für das Projekt müssten 18 Stellplätze nachgewiesen werden, im Erdgeschoss würde es für acht Platz geben, die übrigen würden abgelöst. Auch wenn die Stadtteilpolitiker nicht zuständig sind für Fassadengestaltung, musste Müller trotzdem loswerden, dass das Gebäude mit der schwarzen Glasfront "ein einfacher Klotz ist, der das Nachbarhaus mit seiner Bogen-Fassade erdrückt".

Die Bedingungen des Bebauungsplans würden eindeutig aussagen, dass Altes erhalten werden soll, meint Thorsten Graeßner von den Grünen. "Das Gebäude ist das letzte Kontorgebäude seiner Art aus der Gründerzeit im Hafen und darf nicht einfach einem gesichtslosen Neubau weichen." Gerd Deihle von der SPD schloss sich Graeßner an: "Wir wollen individuelle Architektur", sagte er. Lutz Goebels (SPD) war auch nicht überzeugt, "eine Befreiung folgt aus der anderen", meinte er. Würde das Bürohaus weniger hoch gebaut, müssten auch nicht so viele Stellplätze nachgewiesen werden. "Es ist fast so, als wolle man eine riesige Schrankwand in ein kleines Appartement quetschen", sagte Goebels. "Kräftig entkernt hat man schon an der Kaistraße", erzählte Bernhard Piltz (FDP), der sich das Areal noch mal angeschaut hat, nachdem der Bauantrag vor drei Wochen bereits auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung stand und kurzfristig gestrichen worden war. "Man rechnete wohl mit einer schnellen Zustimmung", sagte Piltz, für den die Stellplätze das Kernproblem sind, weil die Ablöse nicht wie bei den Nachbargebäuden per Baulast in der nahen Umgebung realisiert wurden. "Hier sollen die Autos auf der Straße stehen", sagte Deihle, der sich wie seine Kollegen fragte, warum ihnen gleich ein Bauantrag vorgelegt wurde, nicht erst eine Bauvoranfrage.

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Jürgen Schubert von Structurelab versuchte die Bezirksvertreter nach dem Vortrag der Bauaufsicht zu beschwichtigen, hatte zusätzliches Material dabei, Bilder und Animationen. "Wir haben uns viele Gedanken zum Thema Schiff und Wasser gemacht", sagte Schubert. Die von den Stadtteilpolitikern kritisierte Überschreitung der Geschossigkeit versuchte Schubert mit der Höhe des Nachbarhauses zu erklären, "wir liegen darunter", sagte er, "und unser Haus hat den größten Bezug zum Wasser." Loggien seien geplant mit Holzdecks, eine Glasbrüstung und eine Edelstahl-Reling. Eine klare Form soll das Haus bekommen, die schwarze Glasfassade sei an ein Schiff angelehnt, "das ist keine billige Blechfassade", sagte Schubert. Anstelle einer geforderten extensiven Begrünung auf dem Dach haben sich die Architekten mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt auf eine um ein Drittel reduzierte intensive Begrünung geeinigt. Der ökologische Effekt soll bei den Planungen sogar höher sein als bei der extensiven Begrünung.

"Die schwarze Glasfassade ist fehl am Platz, sie ist ein Luxussymbol und steht für Abgeschlossenheit", sagte Frank Optensteinen (CDU) nach dem Exkurs. Optensteinen hatte den Eindruck, auf "einer Marketingveranstaltung für einen Investor" zu sein. Dass der Investor nicht pünktlich zur Sitzung gekommen ist - sein Flieger hatte Verspätung - und es keine Vorgespräche gab, ärgerte Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD), der nach mehr als einer Stunde Debatte den Tagesordnungspunkt beendete. Weil die SPD Beratungsbedarf anmeldete, gab es keine Abstimmung. Wäre es dazu gekommen, wäre das Projekt vermutlich einstimmig abgelehnt worden. Jetzt haben die Planer die Möglichkeit, ihre Ideen zu überarbeiten und diese in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung vorzustellen. Das Gespräch mit den Stadtteilpolitikern hat Jürgen Mentzel von Centrum Projektentwicklung inzwischen gesucht, "wir sind seit drei Jahren mit dem Projekt befasst", sagte Mentzel. In der nächsten Woche soll es ein Treffen geben mit den Politikern.

(RP)