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Holthausen: Gute Arbeit im "Auslaufmodell" Hauptschule

Holthausen : Gute Arbeit im "Auslaufmodell" Hauptschule

Sie wissen, dass sie ein Auslaufmodell sind. Nicht, weil sie keinen guten Job machten. Sondern weil nach SPD und Grünen inzwischen auch die CDU in NRW die Hauptschulen dazu gemacht hat. Denn dass an der katholischen Hauptschule Itterstraße das Kollegium von Schulleiterin Gabriele Lohscheller und Konrektorin Ulrike Beste gute Arbeit leistet, haben sie erst vergangene Woche wieder bestätigt bekommen. Die Stiftung "Pro Ausbildung" der Unternehmerschaft Düsseldorf verlieh ihr und neun weiteren Schulen das Gütesiegel für eine gute Ausbildung und Vorbereitung aufs Berufsleben. 2007 habe sie das erste Mal das Gütesiegel bekommen, das nun alle drei Jahre rezertifiziert werden soll, berichtet Ulrike Beste.

Für sie und ihre Kollegin Lohscheller ist die Auszeichnung eine "Wertschätzung" für die Schule, aber vor allem für die Schüler. Denn um diese – 250 sind es aktuell – geht es dem Kollegium mit seinen 23 Lehrern. Die gute Arbeit, die an der Schule gemacht wird, hat sich auch bei den Unternehmen herumgesprochen. Firmen suchen händeringend nach gutem Nachwuchs und bieten deshalb der Schule gemeinsame Projekte an. Und sie werden fündig in der Schule an der Itterstraße. "Dass wir so ein kleines System sind, macht es uns einfacher, jeden Schüler im Blick behalten zu können", sagt Lohscheller. Erklärtes Ziel ist es: "Wir geben hier kein Kind auf."

Dabei hat es diese Hauptschule allerdings ein wenig einfacher als andere Hauptschulen: "Hier ist die Welt noch ein Stück weit in Ordnung." Die Eltern, die ihr Kind an die katholische Hauptschule schicken, erklären sich von Anfang an einverstanden, dass ihr Kind den katholischen Religionsunterricht besucht – Ausnahmen gibt es nicht. Das macht das Miteinander der Kulturen ein wenig einfacher.

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Allerdings ist auch diese Schule wegen zurückgehender Schülerzahlen geschrumpft: von drei- auf zweizügig. Immer weniger Eltern wollten ihr Kind in der Hauptschule anmelden – um dieses nicht zu stigmatisieren. "Wir wissen, dass keine Hauptschule verlässlich bestehen bleiben wird", sind sich Beste und Lohscheller einig. Genau so sicher sind sie sich, dass sich ihr Wunsch nicht mehr erfüllen wird, dass auf dem von Unkraut überwucherten Fußballplatz doch noch die ersehnte neue Dreifach-Sporthalle gebaut wird. Ein Dorn im Auge ist Gabriele Lohscheller auch die Methadonpraxis um die Ecke. Ab und an hingen deren Klienten auf dem Sportplatz neben der Schule ab – für labile Schüler könnte das zum Problem werden, unterstreicht die Rektorin.

Doch so lange, wie es die Hauptschule gibt, wollen sie das Beste für ihre Schüler erreichen. Ausgestattet mit den Schlüsselqualifikationen, die viele Mädchen und Jungen erst in ihrer Schullaufbahn – von den Lehrern – erlernen. "Ich war vor zwölf Jahren nicht so begeistert, als ich an die Hauptschule geschickt wurde", sagt Lohscheller zurückblickend. Heute ist sie froh darüber und stolz auf ihre Schüler. Leuchtende Augen bekommt sie, wenn sie an die Tanz-Auftritte ihrer Schüler denkt. Denn Tanzen gehört an der Itterstraße fest zum Stundenplan.

(RP)