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Düsseldorf: Theaterprojekt hilft bei der Jobsuche

Düsseldorf : Theaterprojekt hilft bei der Jobsuche

Kommende Woche präsentieren 21 arbeitssuchende Migranten das Stück "Alice im Wunderland 2014". Ein halbes Jahr lang haben sie Sprachkurse besucht, geprobt - und gemeinsam mit dem Jobcenter eine berufliche Perspektive gesucht.

Was haben Theater und Bewerbungsgespräche gemeinsam? Ziemlich viel, wie das Projekt "mund:Art Düsseldorf" schon im vergangenen halben Jahr gezeigt hat. 21 Frauen und Männer mit Migrationshintergrund nehmen daran teil, finanziert wird es vom Jobcenter. Es soll nicht nur die Integration fördern, sondern auch den Einstieg in das Berufsleben ermöglichen. Gemeinsam mit einem Theaterpädagogen, einem Jobcoach und einer Sprachdozentin lernen die Teilnehmer, worauf es bei der Jobsuche ankommt und stärken gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse. Dabei arbeiten sie gleichzeitig an ihrem Selbstbewusstsein, das sie auf dem Arbeitsmarkt dringend brauchen.

"Das ganze Leben ist eine Bühne", zitiert Hajo Tippmann den berühmten Ausspruch Shakespeares. Tippmann ist Geschäftsführer vom Bildungsdienstleister defakto, der eine kombiniertes Programm aus Theater und Berufscoaching anbietet. Der Schritt, der erforderlich sei, in einem fremden Land auf eine Theaterbühne zu treten, erfordere viel Mut. Die dazu nötigen sprachlichen Fähigkeiten erlernten die Teilnehmer in einem Kurs. Die deutsche Sprache sei laut Tippmann "das Ticket aus der Migrationsnische. Integration ist die Vorbereitung für den Beruf, das eine geht nicht ohne das andere." Das "mund:Art"-Projekt startete im Sommer und soll die Teilnehmer bis September nächsten Jahres beim Berufseinstieg durch Kurz- und Langzeitpraktika fördern. Die ersten Arbeitgeber haben schon ihr Interesse gezeigt.

"Von den 21 Teilnehmern haben 16 schon einen Praktikumsplatz", erklärt Projektleiterin Elke Müller. Einer Frau wurde bereits eine Ausbildungsstelle als Altenpflegerin zugesichert, ein weiterer Teilnehmer hat nach mehreren Absagen ebenfalls einen festen Arbeitsplatz bekommen. Nach dem Ende der bis zu dreimonatigen Praktika bietet das Jobcenter noch eine intensive halbjährige Betreuung an. "Der neue Job ist immer ein Paradigmenwechsel. Die Nachbetreuung dient dazu, den Vermittlungserfolg auch zu stabilisieren", sagt Christian Wiglow vom Jobcenter Düsseldorf. "40 Prozent unserer Kunden haben einen Migrationshintergrund, die Armutsrate unter ihnen ist im Vergleich zur restlichen Bevölkerung überproportional hoch." Wiglow ist vom nachhaltigen Erfolg des Theaterprojektes für die berufliche Zukunft der Teilnehmer überzeugt: "Wer das schafft, schafft es auch im Vorstellungsgespräch."

Eine Teilnehmerin betont, wie wichtig das Projekt für die Gruppe ist: "Wir können jetzt viel freier untereinander reden. Es hilft uns dabei, sich in die Gesellschaft zu integrieren." Ohne diese Hilfe sei es sehr schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Dem pflichtet Tippmann bei: "Hier sind viele qualifizierte Menschen. Das sieht man neben der Bühne aber nicht, die Sprachbarriere verhindert das." Das Projekt sei daher eine große Chance für die Teilnehmer wahrgenommen zu werden und stärker an der Gesellschaft teilzuhaben.

Das Theaterstück, das sich die Gruppe gemeinsam mit Theaterpädagogen Martin Meißner erarbeitet haben, heißt "Alice im Wunderland 2014". "Wir haben Mitte Juni bei Null angefangen", sagt Meißner. "Jetzt ist ein komplettes Theaterstück entstanden." Die Texte, das Bühnenbild und die Musik schrieben, gestalteten und arrangierten die Teilnehmer aus 18 Nationen selbst. Unter ihnen fand sich eine professionelle Pianistin, die unter anderem ein Lied der Gruppe "Coldplay" in einer Klavierversion in das Stück integrierte. Die Handlung des Stückes spiegelt die Probleme wider, mit denen sich Migranten bei ihrer Jobsuche in Deutschland konfrontiert sehen. Grob angelehnt an das Buch "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll erzählen die Darsteller von einer bösen Königin, die den Bewohnern eines wundersamen Landes versagt, ihre Talente zu verfolgen - und sich später als eine Verkörperung der eigenen Versagensangst herausstellt. "Theater ist Ausdruck der Gefühle. Das ist in einer fremden Sprache noch sehr viel schwieriger", sagt Meißner.

(bur)