Grafenberg: Groß-Grafenberg: Warum nicht?

Grafenberg: Groß-Grafenberg: Warum nicht?

Der Bürgerverein will dem Stadtteil seine ihm gebührende Größe zurückzugeben. Im Fall von Knittkuhl konnten 2014 ja auch die Grenzen verschoben werden. Hanno Bremer, Grafenberger und Initiator der Knittkuhl-Entscheidung, ist dafür.

Jan-Wellem-Brunnen, Grafenberger Wald, die Rennbahn, sogar der Sportverein TV Grafenberg: Das alles liegt gefühlt in Grafenberg, wird aber offiziell anderen Stadtteilen zugeordnet. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sich die Mitglieder des Bürgervereins Grafenberg nicht um vieles kümmern würden, was auf dem Stadtplan vor allem in Ludenberg liegt - wie eben der Jan-Wellem-Brunnen oder unlängst auch die Pferdetränke an der Ernst-Poensgen-Allee.

Hanno Bremer dürfte in den vergangenen Jahrzehnten schon so ziemlich alles erlebt haben, was sich im Stadtbezirk 7 abgespielt hat, immerhin ist er bereits seit 1979 politisch aktiv. Doch die Sache mit Grafenberg kommt ihm auch irgendwie merkwürdig vor. "1957 lag die Stadtteilgrenze noch an der Rennbahnstraße. Dann wurde sie aus selbst mir nicht näher bekannten Gründen immer weiter westlich bis zur Ernst-Poensgen-Allee verschoben", sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister. "Es ist mir ein Rätsel, warum."

Bremer ist CDU-Ortsverbandsvorsitzender, Mitglied im Bürgerverein und bei den Schützen, alles in Grafenberg natürlich. Und daher sagt er auch: "Ich kann das Ansinnen des Bürgervereins nachvollziehen." Zumal Ludenberg ja gar kein richtiger Stadtteil ist: kein Verein, keine Kirche, kein Gemeinschafts- oder wirkliches Identifikationsgefühl. Dennoch müsste es theoretisch Ludenberger Wald oder Ludenberger Rennbahn heißen. Das sagt nur niemand. Kurzum: Ludenberg ist eigentlich wie Bielefeld, von dem eine weitverbreitete Verschwörungstheorie ja bekanntlich behauptet, es habe niemals existiert. Anders gesagt: Wenn die Ludenberger für ihren Stadtteil kein wirkliches Interesse aufbringen, sie manchmal vielleicht nicht einmal so genau wissen, wo in Düsseldorf sie überhaupt wohnen, haben sie wahrscheinlich auch nichts dagegen, wenn man ihnen einen (zugegebenermaßen ziemlich attraktiven) Part ihres Stadtteils abzwackt und Grafenberg zuschlägt.

"Das hat in Knittkuhl ja damals auch funktioniert", hat der Bürgervereins-Vorsitzende Reinhard Naujoks hervorgehoben, als er beim Neujahrsempfang seine "Kampfesrede" hielt. Und das kann Hanno Bremer nur bestätigen, war er es damals doch, der den entscheidenden Antrag eingereicht hatte, dem dann auch der Stadtrat inklusive des damaligen Oberbürgermeisters Dirk Elbers folgten. Das vielleicht wichtigste Argument dabei: "Hat ja nichts gekostet, es mussten nur ein paar Schilder umgesetzt werden."

  • Grafenberg : Grafenberger wollen "Groß-Grafenberg"
  • Fotos : Grafenberger wollen "Groß-Grafenberg"

Ganz so einfach war es natürlich nicht, als Knittkuhl vor vier Jahren zum 50. Stadtteil von Düsseldorf erklärt und aus Hubbelrath ausgegliedert wurde. "Die Identifikation und der gesellschaftliche Zusammenhalt der Knittkuhler mit ihrem Ortsteil waren schon immer hoch, das merkte man bei den Kulturfreunden und Kirchengemeinden und vor allem beim Sportverein SSV, mit mehr als 600 Mitgliedern einer der größten in Düsseldorf überhaupt", erinnert sich Hanno Bremer.

Wenn dem damaligen Bezirksvorsteher im Stadtbezirk 7 (2007 bis 2014) aus Versehen beim Neujahrsempfang zum Beispiel mal "Liebe Hubbelrather" rausgerutscht ist, gab es Buh-Rufe von den Knittkuhlern. Die Knittkuhler wurden auch nie beim Schützenfest in Hubbelrath gesichtet, ohnehin war der Weg über unbesiedelte Ackerflächen ein weiter. So musste Bremer mit seinem Antrag auch gar keine großartige Überzeugungsarbeit leisten. "Sogar die Hubbelrather haben das toleriert, wahrscheinlich war es ihnen sogar egal", sagt Bremer, der damit natürlich auch Gesamt-Düsseldorfer Interessen vertrat: "50 Stadtteile, das klingt doch gleich ganz anders - wie Amerika."

Es geht also, mit dem Neuziehen von Stadtteilgrenzen. Ob Grafenberg vor diesem Hintergrund nun auch zu alter Größe zurückfindet, bleibt abzuwarten. Der Bürgerverein, so lässt der Vorsitzende Naujoks verlauten, will jedenfalls nicht locker lassen.

(arc)