Grafenberg: Oma ist Au-pair

Grafenberg: Als Leih-Großmutter nach London

Au-pair-Aufenthalte gibt es nicht nur für Schulabsolventen. Hellen Picker ist eine „Granny Au-pair“.

Die Düsseldorfer Rentnerin Hellen Picker kann sich eigentlich nicht über Langeweile beklagen. In ihrer Freizeit geht die Grafenbergerin wandern, sie hat drei Enkelkinder, mit denen sie viel unternimmt. „Es ist nicht so, als hätte ich nichts zu tun“, sagt sie. Trotzdem wagte sie vor zwei Jahren ein großes Abenteuer und ging als Granny Au-pair für drei Monate nach London. Eine Zeit, die sie trotz der einen oder anderen Herausforderung vor Ort nicht bereut.

Die Idee für dieses Abenteuer entstand zufällig. Nachdem sie den Begriff „Granny Au-pair“ aufgeschnappt hatte, begann sie ein wenig im Internet zu recherchieren. Sie stieß auf eine gleichnamige Agentur, die potenzielle Großmütter mit Familien in aller Welt verbindet. Nachdem Picker einige Profile von Familien gelesen hatte, fiel die Wahl auf ein Paar in London samt Baby, zu dem sie im Mai 2016 reiste. Ihre Aufgaben hatte sie mit der Familie vorher im Detail abgesprochen, um böse Überraschungen zu vermeiden. „Ich wollte keine putzende Haushaltshilfe sein“, erzählt sie. Ihre Hauptaufgabe in London war, sich unter der Woche um den damals eineinhalb Jahre alten David zu kümmern. Die Wochenenden hatte sie frei. Die Kosten für Unterkunft und Essen sowie An- und Abreise wurden von den Familien übernommen.

Die wohl größte Herausforderung für sie das Zusammenleben. Auch wenn sie sich mit den beiden Eltern gut verstand, kam es mitunter auch mal zu Reibereien. Als erfahrene Mutter und Großmutter ist Picker gelassen bei der Erziehung von Kindern, Davids Mutter würde die Granny Au-pair als übervorsichtige Helikoptermutter beschreiben. „Sie hatte immer Angst, dass ihrem Jungen etwas passieren könnte.“ Abseits dieser Erziehungsfragen verstand sie sich sehr gut mit der Mutter – und vor allem mit dem Sprössling. „Der kleine David war einfach zauberhaft.“

  • Thomas Geisel und Albrecht Woeste mit
    98. Großer Preis der Landeshauptstadt : Die Stadt bittet an die Rennbahn
  • Georg Berrang und Enkel Luis haben
    Düsseldorf-Grafenberg : Luis und sein Opa sammeln Kastanien für die Tiere im Wildpark

Das Leben im Ausland war für die Rentnerin dagegen weniger herausfordernd. Schon vor vielen Jahren hatte sie für einige Zeit in Schottland gelebt. Das Leben mitten in der Londoner Gesellschaft war für sie sogar der Hauptgrund für das Experiment. „Ich war oft in London, aber habe nie dort gelebt“, sagt sie. Die britische Hauptstadt hat sie in den drei Monaten noch einmal völlig neu kennengelernt. „Ich habe es genossen, durch die Stadt zu laufen, und mich wie eine Einwohnerin zu fühlen“, erzählt sie. Das lag nicht nur an ihrem guten Englisch, sondern vor allem an ihrer offenen Art, durch die sie vorbehaltlos auf die Briten zuging und auch genauso auch von ihnen willkommen geheißen wurde. In den drei Monaten ihres Aufenthaltes entstanden viele Freundschaften, die noch immer Bestand haben.

Trotzdem wollte Hellen Picker nicht länger als drei Monate weg bleiben. „Am Ende hatte ich Sehnsucht nach meinen eigenen Enkeln“, erzählt sie. Bereut hat sie das Abenteuer nie. „Es wahr eine sehr spannende Zeit“, fasst sie ihre Erlebnisse zusammen. Denn trotz ihrer Lebenserfahrung hat Hellen Picker viel aus ihrer Zeit in London mitgenommen. „Man lernt viel über seine persönlichen Grenzen und vor allem Toleranz“, sagt sie.

Aktuell schaut sie sich wieder nach einem neuen Ziel um. Dieses mal darf es gerne auch ein wenig weiter in der Ferne liegen. „Ich würde gerne nach New York“, sagt sie.