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Düsseldorf-Grafenberg: Schausteller spielen ein Konzert für Senioren-Residenz

Musik in Düsseldorf : Schausteller spielen ein Konzert für Senioren

Auf dem Staufenplatz hätte bald die Kirmes aufgebaut werden sollen, die wegen Corona abgesagt wurde. Dort machten einige Schausteller jetzt Musik.

Kaum erklangen die ersten Takte der Musik, tippten einige Füße im Rhythmus auf den Boden, Hüften wiegten sich hin und her, und kleine Tanzschritte wurden angedeutet. Offensichtlich war die Musikauswahl – gespielt wurden „Loveletters in the sand“, „Jealousy Tango“ und der „Muskrat Ramble“ – genau das Richtige. „Wir feiern richtig gerne“, sagt Ursula Gerling. Sie ist Leiterin der Seniorenresidenz „Grafenberger Wald“ und freute sich genauso wie die 146 Bewohner über die vom Schaustellerverband Düsseldorf geschenkte Abwechslung. „In der aktuellen Zeit ist Ablenkung besonders nötig“, gesteht Gerling. „Es dürfen ja nicht einmal mehr Verwandte zu Besuch in die Seniorenresidenz kommen.“

Also baute Hermann Fellerhoff seine große Kirmesorgel auf dem kleinen Platz vor dem Haupteingang zur Residenz auf und ließ die Pfeifen, die automatisch angesteuerte Pauke und die Becken erklingen. „Wir Düsseldorfer haben uns dem vom deutschen Schaustellerverband initiierten Projekt ‚Hand in Hand – Schausteller helfen im ganzen Land‘ angeschlossen“, erzählt der Vorsitzende des Düsseldorfer Schaustellerverbands, Oliver Wilmering. Das kleine Orgelkonzert vor der Seniorenresidenz ist die erste Aktion. Viele Schausteller hätten demnächst auf dem Staufenplatz die Osterkirmes gefeiert, „aber die ist ja abgesagt. Daher lag es nahe, ein bisschen Kirmesatmosphäre in der Nähe vom Staufenplatz zu verbreiten“, so Wilmering. „Es gehört auch nicht zur Natur von Schaustellern, nur zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. Und wir helfen auch gerne.“ Als die typischen Töne der 80 Jahre alten Kirmesorgel verklangen, war auch Wilmering gerührt. „Ich habe wirklich feuchte Augen bekommen. Diese Musik ist Teil unseres Lebens. Sie nicht mehr in der entsprechenden Umgebung hören zu können, fehlt.“

Obwohl die Schausteller derzeit um ihre Existenzen bangen, weil alle Veranstaltungen abgesagt wurden und sie keine Einnahmen mehr haben, waren Wilmering und sein Stellvertreter Ralf Malfertheiner mit der kostenfreien Orgel-Premiere sehr zufrieden. „Alle sind begeistert, das ist richtig schön“, sagte Wilmering. Hinter vielen Fenstern und auf Balkonen standen Senioren und hörten zu. Neben der Orgel versammelten sich 30 Residenz-Bewohner, die trotz der Kälte bis zum Schluss blieben. Manchmal musste Gerling sogar darum bitten, den empfohlenen Mindestabstand einzuhalten. „Wir haben keine Corona-Infektionen, und das soll auch so bleiben“, so die Leiterin. Auch sie war von der Aktion begeistert. „Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, es war alles wie sonst, so entspannt, und die Bewohner fanden es so schön“, meinte Gerling.