Düsseldorf: Grafenberg braucht Platz – und eine Post

Grafenberg : Grafenberg braucht Platz – und eine Post

Bei der Mobilen Redaktion in Grafenberg gab es viel Lob für die Lebensqualität im Stadtteil. Kritik gibt es an der Verkehrssituation.

Kleiner Stadtteil, großer Andrang bei der Mobilen Redaktion der RP: Am Stand vor dem Rewe an der Grafenberger Allee wollen die Gespräche an diesem Samstag gar nicht enden. Mehr als 50 Anwohner sind gekommen. Sie mögen ihren Stadtteil, das ist immer wieder zu hören. Viele wohnen seit Jahrzehnten hier, loben Grafenberg als den „Zehn-Minuten-Stadtteil“. So lange dauert es in die Stadt und zum Flughafen – und im Wald ist man in drei Minuten. Man kennt sich, der rührige Bürgerverein ist engagiert, schafft Verbindung und Identität. „Bei uns in der Altenbergstraße ist die Nachbarschaft so gut wie im Sauerland, wo ich herkomme“, sagt Albert Schröder und ist darauf auch ein bisschen stolz. Der Ökonom ist Schriftführer im Heimatverein, der mit seiner Initiative zur Vergrößerung Grafenbergs einen Nerv getroffen hat.

„Wieso soll alles, wozu die Menschen Grafenberg sagen, Ludenberg heißen und bleiben“, meint Ingeborg Dickerhoff entschieden, „das ist doch lächerlich“. Manfred Kraetzer fände es richtig, wenn das Viertel „von der Hardt bis zum Lichtplatz so hieße, auch das alte Haniel & Lueg-Gelände mit dem heutigen Grafental gehört dazu“. Hans-Joachim Wuttke meint dagegen: „Es ist doch wichtig, was wir, die Bewohner des Stadtteils, als zu Grafenberg zugehörig empfinden. Ob das dann auch auf dem Papier so Niederschlag findet, ist zweitrangig.“ Zum Hintergrund: Ob Rennbahn oder Grafenberger Wald, Wildpark oder Jan-Wellem-Brunnen. Gefühlt zählt das alles zu Grafenberg, in Wirklichkeit ist es aber Ludenberg. Und der Sportverein TV Grafenberg — gehört zu Gerresheim. Die Änderung der Stadtteilgrenzen hält Bezirksvertreter Sönke Willms-Heyng (FDP) für nicht vordringlich „und eher Symbolpolitik“. Er würde sich ihr aber auch nicht verschließen, wenn eine Mehrheit sie wollte. Sein Parteifreund Andre Kiel etwa spricht sich deutlich für sie aus.

Ein großes Thema für die Grafenberger ist die Versorgung im Stadtteil. Dass der Drogeriemarkt Rossmann neben dem Supermarkt ausgezogen sei – angeblich wegen zu hoher Mietforderungen –, sei ein herber Verlust. Der Rewe-Markt wird gelobt, zu Fuß sei man schnell auch an der Metro, meint Antonie Balk, die in der Seniorenresidenz am Bismarckweg wohnt. Was sie aber massiv stört, ist, dass es keine Post mehr im Stadtteil gibt. Ein ihr bekannter Jurist korrespondiere bereits fleißig mit der Unternehmenszentrale, offenbar geschehe aber nicht genug. Nun würden die Bürger zu unterschiedlichen Orten geschickt, um Sendungen abzuholen, stimmt auch Edith Wange zu. Ein unhaltbarer Zustand sei das.

Die vielen Diskussionen um dieses Thema führen am RP-Stand zu einer neuen Initiative: Der Bürgerverein will alle Mitorganisatoren des Rondells am Staufenplatz – in einem der leerstehenden Ladenlokale wird nächsten Monat ein Stadtteiltreff eröffnet – dazu bewegen, gemeinsam dort eine Poststelle zu betreiben Sönke Willms-Heyng kündigt politische Unterstützung an. Dass Rondell, so hofft man allgemein, könnte das Zentrum des Stadtteils werden.

Der Verkehr aus den östlichen Stadtteilen und dem Bergischen führt vielfach über die Ludenberger Straße oder den Pöhlenweg und im Anschluss über die Grafenberger Allee. Die großen Lösungen wie die L404 (auch mit Blick auf das Glasmacherviertel) sowie eine Umfahrung Grafenbergs seien die richtigen Langzeitprojekte, heißt es mehrfach. Auch der Tunnel durch den Grafenberger Wald bleibe eine Alternative, sagt Reinhard Naujoks: „Dafür muss endlich die Machbarkeitsstudie durchgeführt werden. Es ist einfach ungerecht, dass sämtliche Verkehre aus Richtung Unterbach oder Mettmann über Grafenberger Straßen abgewickelt werden.“ Bevor das Gelände der Bergischen Kaserne bebaut werde, müsse die Verkehrsfrage jedenfalls unbedingt gelöst werden.

Renate Lohscheller, die an der Gutenbergstraße wohnt, und Piet van Ackeren sprechen sich wie viele andere für eine Seilbahn aus. „Am besten von der Kaserne bis zum Staufenplatz“, sagt Renate Lohscheller. Das sei eine schöne Alternative zum Auto, am Staufenplatz könne man in die Bahn umsteigen. Das wiederum hält Karin Luxemburger für utopisch. „Man sollte lieber mal die Grünphase an der Ecke Grafenberger Allee/Altenbergstraße verlängern, sogar ich schaffe es gerade mal bis zur Mitte, dann ist es auch schon wieder Rot“, sagt sie.

Seit sechs Jahren kämpfe Herbert Hübner für Verbesserungen auf der Geibelstraße. Doch ob eine Optimierung der Beschilderung, eine Verlängerung der Grünphase an der Kreuzung Vautier-/ Ecke Geibelstraße (wo zudem die Mittelinsel viel zu schmal sei) oder auch die Zulassung des Radverkehrs in entgegengesetzter Richtung zur Einbahnstraße: „Es passiert einfach nichts.“

Es gibt aber auch kleine Vorschläge. Wolfgang Pfeffer wünscht sich am Abzweig nach rechts zur Hardt- und Wittelsbachstraße auf dem Staufenplatz einen grünen Abbiegepfeil. „Dann bleiben nicht so viele Autos bei Rückstau auf der Kreuzung stehen“, sagt er. Zudem findet er, die Haltestelle Burgmüllerstraße sollte in Staufenplatz umbenannt werden, das sei logischer. Dass der Staufenplatz zunehmend zu einer wilden Müllkippe verkomme, hat Georg Berrang beobachtet. „Hinter der Gutenbergschule gleiche die Schubertstraße wegen der vielen Schlaglöcher einer Kraterlandschaft, auch die Mauer ist total kaputt. Man muss doch wenigstens mal das Nötigste tun“, kritisiert dagegen Wolfram Driessen die Stadt.

Hecken für den Vorgarten der Gutenbergschule wünscht sich Elfriede Unger, „damit die Abgase von der Straße nicht ungefiltert auf den Schulhof gelangen. Aber das ist anscheinend ein Kampf gegen Windmühlen, der Rektor sträubt sich“, berichtet sie. Rollstuhlfahrerin Käte Bartels bemängelt, dass die Bürgersteige vielfach nicht abgesenkt seien. „Düsseldorf ist keine behindertenfreundliche Stadt“, sagt sie. Wilma Arlt fordert dringend eine Querungshilfe zum Wald an der Ecke Sulzbachstraße/ Pöhlenweg.

Unbedingt eine bessere Beleuchtung als die mit alten Gaslaternen wünscht sich Marius Kaus. Er ist für LED: „Man sieht sonst abends im Winter nichts auf der Straße.“ Er sei im vorigen Jahr auf der Geibelstraße an der Bordsteinkante gestürzt und habe nach Brüchen noch heute zwei Metallschienen im Arm. Norbert Opfermann hat das gleiche Problem für Grimm- und Schubertstraße erkannt. „Zappenduster“ sei es dort nach Einbruch der Dunkelheit.

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