Bürgerverein will, dass was gefühlt Grafenberg ist, auch zu Grafenberg gehört

Stadtteilerweiterung : Grafenberg soll größer werden

Der Bürgerverein macht ernst mit der beabsichtigten Stadtteilerweiterung und will jetzt die Politik von der Idee überzeugen. 

Es war einmal an der Zeit, da führte der Grafenberger Schützenzug bis zum Lichtplatz. Da hing am alten Güterbahnhof, wo sich inzwischen die Metro ausgebreitet hat, das Stations-Schild mit der Aufschrift Grafenberg. Und da wurde auch das benachbarte Industriegebiet (heute Grafental) zu Grafenberg gezählt. Längst gehört das alles zu Flingern. Wann und warum den Grafenbergern einst Terrain weggenommen wurde, weiß Reinhard Naujoks auch nicht so genau. Allerdings würde es der Vorsitzende des Bürgervereins Grafenberg sehr gerne sehen, dass diese und andere Gebiete wie zum Beispiel der Grafenberger Wald (Ludenberg) oder auch der Sportplatz des TV Grafenberg (Gerresheim) wieder zurück in den heimatlichen Grafenberger Schoß finden.

Anfang vergangenen Jahres machte der Bürgerverein den Wunsch nach einer Stadtteilerweiterung publik, und wer dachte, das sei doch allenfalls ein Scherz, sieht sich inzwischen extrem getäuscht. Naujoks hat eine Umfrage durchgeführt, Fragebogen in der Nachbarschaft verschickt, „jeder fünfte kam zurück. Und alle waren positiv“, sagt er. Eine Anwohnerin der Fahneburgstraße schrieb, sie habe sich schon immer als Grafenbergerin gefühlt und gar nicht gewusst, dass sie eigentlich in Ludenberg wohnen würde. Horst Klosterkemper, lange Jahre der Organisator des World Team Cup am Rolander Weg (ebenfalls Ludenberg), meinte: „WTC, das war regional, national und international immer Grafenberg!“

„Das hat uns natürlich zusätzlichen Rückenwind beschert“, sagt Naujoks. Das Beispiel Knittkuhl (wurde auf Initiative von Vereinen vor fünf Jahren ein eigenständiger Stadtteil) habe zudem gezeigt, dass derlei Bemühungen durchaus von Erfolg gekrönt sein können, „und da ging die Initiative ja viel weiter, ein ganz neuer Stadtteil wurde gegründet, bei uns müssen nur die Grenzen ein wenig verschoben werden. Jetzt müssen wir jedenfalls versuchen, die Politik in der Bezirksvertretung 7 auf unsere Seite zu ziehen. Die hat die Knittkuhler Entscheidung auch einstimmig beschlossen, der Rat hat die Entscheidung dann nur noch durchgewunken.“ Vor einer entsprechenden Beschlussfassung liege aber noch ein langer Weg, „wir dürfen nichts überstürzen, bei einem Scheitern wäre das Thema für viele Jahre vom Tisch“, weiß der Vorsitzende.

Dass am Ende wirklich die Maximalforderung umgesetzt wird, glaubt Naujoks nicht. Gerresheim und Flingern dürften sich sträuben, Grenzen zu Gunsten von Grafenberg zu verschieben, aus Ludenberg erwartet Naujoks dagegen keinen Widerstand: „Ludenberg hat keine eigene Stimme.“ Im Frühjahr will Naujoks gemeinsam mit sympathisierenden Anwohnern das Projekt in der interfraktionellen Runde der Bezirksvertretung noch einmal in aller Ausführlichkeit vorstellen. Selbstbewusst sagt er aber schon jetzt: „Wenn eine Mehrheit hinter der Idee steht, hat die Politik eigentlich kein Recht, uns das zu verweigern.“ Dahinter stehe ja auch die Intention, das Heimatgefühl und den Nachbarschaftsgedanken in einem prosperierenden Stadtteil zu stärken. „Und viel Geld würde es ohnehin nicht kosten, ein paar Schilder umzustellen.“

Dass ein derartiger, sicherlich dennoch großer Schritt nicht von heute auf morgen gelingt, weiß Reinhard Naujoks. „2023 feiert der Bürgerverein Grafenberg 120-jähriges Bestehen, von mir aus auch 2028 zum 125-Jährigen, das wären doch schöne Daten.“ Nur erleben, das möchte der Vorsitzende, der nicht zuletzt auf die Kommunalwahl 2020 setzt („Da sind Politiker im Vorfeld immer sehr viel offener Bürgerwünschen gegenüber“) das auf jeden Fall schon noch.

Am 7. Juli lädt der Bürgerverein unter dem Motto „Bella Italia“ zu einem Picknick auf dem Tunneldeckel entlang der Gutenbergstraße ein. Dieser parkähnliche Damm zählt definitiv zu Grafenberg, nur einen Namen hat er nicht. Der Bürgerverein regt nun an, ihn „Ludwig-Woker-Promenade“ zu nennen. „Er war nicht nur der Vater der Wokerschen Siedlung, sondern auch Gründungsmitglied des Bürgerverein und Initiator der Tieferlegung der Güterzugstrecke, auch wenn die dann erst 80 Jahre später 1983 erfolgte“, sagt Naujoks. Noch so ein Wunsch des Bürgervereins. Aber einer, der vielleicht sehr viel schneller umgesetzt werden könnte.

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