Grafenberg/Flingern: 120 Grundschüler retten den Zirkus

Grafenberg/Flingern : 120 Grundschüler retten den Zirkus

Die kleinen Sänger und Artisten der Gutenberg-Schule führten im Chapiteau das Kinder-Musical "Der Tag, an dem der Zirkus verboten werden sollte" auf. Fast 1000 Eltern und Freunde wollten sich das nicht entgehen lassen.

Einen kräftigen Applaus gab es gleich schon mal vorweg. Während die vielen Kinder und Eltern im mit rund 500 Zuschauern bis unter die Zirkuskuppel gefüllten Chapiteau-Zelt am Flinger Broich gebannt darauf warten, dass der Vorhang fällt, hört man hinter den Kulissen noch ein geflüstertes "Toi, toi, toi". Dann ist es soweit, und 30 kleine Artisten zwischen sieben und zehn Jahren, unterstützt von 90 gleichaltrigen Sängern des Chors am Rand, stürmen die Bühne, tanzen, treiben Schabernack, führen Zaubertricks vor - und singen vor allem, denn aufgeführt wird ein wahrhaftiges Musical: die Geschichte "Der Tag, als der Zirkus verboten werden sollte" von Eva Württemberger.

Die Kinder der Grafenberger Gutenberg-Grundschule haben rund ein halbes Jahr auf diesen Abend hin geprobt. Genaugenommen sind es sogar zwei Abende, denn bei einer Aufführung allein hätten die vielen Familienmitglieder und Freunde gar nicht im Chapiteau Platz gefunden. Zweimal wöchentlich haben sich die Artisten und Chöre zur Probe getroffen, um jede einzelne Szene durch eigene Interpretation und Improvisation herauszuarbeiten. Dabei haben die Kinder mit viel Humor und jeder Menge Fantasie nicht nur die bestehenden Rollen perfektioniert, sondern auch ganz neue Charaktere entwickelt.

Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen: Bunt kostümierte und geschminkte Clowns verbreiten Klamauk und Nonsens, Zauberer Chipperfeld stellt seine magischen Fähigkeiten unter Beweis, die liebreizende Prinzessin balanciert auf einem Seil und Muskelpaket Otto beweist schier unmenschliche Stärke. Die Zirkusdirektorin hält alle Fäden in der Hand, nur die Stadtverwaltungsbeamten Müller & Müller haben etwas dagegen und wollen dieser Scharlatanerie endlich einen Riegel vorschieben. Zum Glück siegt am Ende der Bürgerwille, und der Zirkus Buntelli darf bleiben. So viel Demokratie von unten wünscht man sich manches Mal auch für reale Szenerien.

Natürlich ist ein solcher Aufwand nicht ohne Lehrer, Eltern, Erwachsene möglich, die als Regisseure, Chorleiter, Trainer, Bühnenbildner oder Choreographen einspringen. Es sind aber vor allem die beteiligten Kinder, die bereitwillig zur Probe kommen und zum Teil zusätzlichen Unterricht nehmen. "Dieses Musicalprojekt stellt nicht nur einen unvergesslichen Höhepunkt für alle unsere Schüler dar, sondern fordert die 120 Sänger und Schauspieler ganz besonders heraus. In den letzten Monaten haben sie gelernt, eng miteinander für ein großes gemeinsames Erlebnis zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen", erklärt Schulleiter Peter Goerdt. "Jeder Einzelne wuchs in seiner Rolle dabei über sich selbst hinaus", fügt er stolz hinzu.

(RP)
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