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Verein in Düsseldorf hilft Inhafitierten und deren Angehörigen.

Düsseldorfer Verein hilft Strafgefangenen : Großes Engagement für Inhaftierte

Der Katholische Gefängnisverein Düsseldorf kümmert sich seit 1893 um Strafgefangene, Haftentlassene und ihre Angehörigen. Gisela Ruwwe hat die Vereinsarbeit 43 Jahre lang entscheidend geprägt und geht nun in den Ruhestand

Die Ursprünge des Katholischen Gefängnisvereins gehen bis in die 1820er Jahre zurück. Zu dieser Zeit gründete der Pfarrer Theodor Fliedner die „Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft“ mit dem Ziel, die Lebensumstände Inhaftierter zu verbessern. Aus dieser Initiative entstand im Jahr 1893 zeitgleich mit der Eröffnung der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt „Ulmer Höh“ in Derendorf – zuvor war das Stadtgefängnis an der Akademiestraße in der Altstadt beheimatet – der Gefängnisverein. Von Beginn an war es das Anliegen des Vereins, Inhaftierte nicht nur während ihrer Zeit im Gefängnis zu betreuen, sondern sie auch nach der Haftentlassung zu beraten und zu unterstützen, beispielsweise bei der Wohnungs- und Arbeitssuche oder bei Problemen im Umgang mit Behörden.

Darüber hinaus gehören die Beratung und Begleitung von Familienangehörigen – insbesondere von Frauen und Kindern, deren Leben sich durch die Inhaftierung des Familienvaters plötzlich von Grund auf ändert, – zu den Schwerpunkten der Vereinsarbeit. Sechs hauptamtliche und mehr als 60 ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Alter von 18 bis 80 Jahren sind heute unter dem Motto „Unterstützen statt verwahren – eingliedern statt ausschließen“ für den Verein tätig. „Wir wollen mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass Gefangene nach ihrer Haftentlassung keine weiteren Straftaten begehen und ein möglichst normales Leben führen können“, erklärt Gisela Ruwwe.

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Die 67-jährige Sozialpädagogin hat 43 Jahre lang für den Katholischen Gefängnisverein gearbeitet, zunächst halbtags, später als Geschäftsführerin. Jetzt geht sie in den Ruhestand. War es in ihrer Anfangszeit noch sehr ungewöhnlich, dass eine Frau sich um männliche Strafgefangene kümmerte – Ruwwe kann sich gut an Sprüche wie „Eine Frau hat im Männerknast nichts zu suchen“ erinnern – ist das heutzutage längst Normalität. Überhaupt habe sich ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert, sagt sie, denn die Inhaftierten hätten sich verändert. 850 männliche Gefangene aus 70 Nationen sind heute in der Justizvollzuganstalt Düsseldorf, die seit 2012 nicht mehr an der Ulmenstraße sondern in Ratingen beheimatet ist, untergebracht. Viele von ihnen sind allein, haben kein soziales Umfeld, in das sie nach ihrer Entlassung zurückkehren können. Zudem seien bei vielen Suchtprobleme ein großes Thema, sagt Ruwwe, und zwar nicht – wie früher – die Abhängigkeit von Alkohol, sondern die Abhängigkeit von synthetischen Drogen und damit einhergehend sehr häufig psychische Krankheiten.

„Dann ist es natürlich ganz besonders schwierig, nach der Entlassung eine Wohnung und einen Job zu finden und im Alltag wieder Fuß zu fassen“, erklärt sie. Zudem, so die engagierte Sozialpädagogin, sei es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, für die ehemaligen Strafgefangenen Wohnungen zu finden, da es kaum noch bezahlbaren Wohnraum gebe.

Um genau hier Soforthilfe zu leisten, bietet der Verein in der Kaiserswerther Straße – seit Beginn der 80er Jahre ist die gemeinsam mit der Diakonie betriebene Beratungsstelle für Haftentlassene und Angehörige hier beheimatet – vier Zimmer als Übergangswohnraum an. „Oftmals werden Inhaftierte entlassen, ohne überhaupt zu wissen, wo sie ihre erste Nacht in Freiheit verbringen sollen“, sagt Ruwwe. In diesen Fällen versucht der Verein, schnell und unbürokratisch zu helfen – im Notfall übrigens auch mitten in der Nacht.

Nun freut sich Gisela Ruwwe auf etwas mehr Zeit. Nicht nur für Familie und Freunde, sondern insbesondere auch für ihre „Viecher“, wie sie sagt, ein Pferd und einen Hund.