Kunst in Düsseldorf: Elf Meter Skulptur in Golzheim angekommen

Kunst in Düsseldorf : Elf Meter Skulptur steht endlich am Kennedydamm

Schon in den 60ern sollte der „Schwebende Kristall“ des Bildhauers Fritz Kühn auf der Fläche in Golzheim aufgestellt werden. Stattdessen wurde er auf dem Hof einer Realschule installiert. Irgendwann war er sogar verschwunden.

Gebannt schaut Coco Kühn auf die dicken Schlingen, die um die v-förmigen Träger des Kunstwerks gewickelt sind. Ganz behutsam ist es zuerst vom Lader gehoben und auf einen Stapel Europaletten abgelegt, anschließend Zentimeter für Zentimeter aufgerichtet worden, ganz langsam. Über einen Flaschenzug am Lkw setzen die Männer die Konstruktion in eine Art Wanne, bewegen es nach links, bewegen es nach rechts, perfekt soll es sitzen, bevor das Fundament gegossen wird. „Das ist so aufregend“, sagt Kühn, die schon früh am Morgen zum Kennedydamm gekommen ist, um bloß keinen Arbeitsschritt zu verpassen. Schon als Kind war sie ganz fasziniert, wenn sie bei solchen Transporten zuschauen durfte.

Zwischen dem Hilton-Hotel und der Firmenzentrale von L’Oréal hat die elf Meter hohe Skulptur „Schwebender Kristall“ nach mehreren Umzügen endlich ihren finalen Platz gefunden. Es ist der Platz, der ursprünglich ausgeguckt wurde, in den 60ern, als der Bildhauer Fritz Kühn die Skulptur entworfen hatte. „Er würde sich freuen“, sagt Coco Kühn, die Enkelin des Künstlers, die extra aus Berlin angereist ist, um dabei zu sein. Keine Sekunde wollte sie sich entgehen lassen, ist am Montagabend gleich vom Flughafen Düsseldorf nach Duisburg gefahren, in die Werkstatt von Martin Kaufmann, der den „Schwebenden Kristall“ restauriert hat.

Als Wegzeichen für den 1964 eröffneten Kennedydamm fertigte Fritz Kühn die Skulptur an, ein Wunsch des damaligen Baudezernenten Friedrich Tamms, der so die neue Achse in die Innenstadt würdigen wollte, erzählt Marianne Schirge, Leiterin des Kulturamts. Sie hat das Projekt mit ihrem Team begleitet, „so viele gute Arbeiten haben wir nicht aus der Zeit“, sagt Schirge, die die Stadt, das Kulturamt in der Verantwortung sieht, solche Schätze zu bewahren. Warum der „Schwebende Kristall“ nie am Kennedydamm stand, ist nicht bekannt. Er wurde damals auf der gegenüberliegenden Seite installiert, auf dem Hof der Realschule In der Lohe, die 2013 abgerissen wurde. Bald geriet der Kristall in Vergessenheit, wurde schließlich auf einem Bauhof des Gartenamts wiedergefunden und in das Restaurierungsatelier „Die Schmiede“ nach Duisburg gebracht. 25.000 Euro haben die Arbeiten an dem Kristallkörper, der aus Stahlblech gefaltet wurde, gekostet. Zwischen drei und vier Tonnen ist die Konstruktion schwer, die in einem eher schlechten Zustand war, als Martin Kaufmann sie vom Bauhof an der Messe abgeholt hat. „Wir haben den Edelstahl-Körper geöffnet, den Korrosionsschutz am Innengerüst erneuert, verbogene Bleche gerichtet und das Kunstwerk abgedichtet“, sagt der Restaurator.

Als das Kulturamt auf der Suche nach einem Standort war, wurde unter anderem über den Nordpark diskutiert. „Der Nordpark war aber nicht geeignet“, erinnert sich Schirge. Schließlich entschied man sich für den Grünstreifen am Kennedydamm, genau dort, wo der Kristall schon immer hätte stehen sollen. „Eine schöne Fläche“, wie Enkelin Coco Kühn findet, die jeden Handgriff stolz mit dem Handy dokumentiert. „Der Standort ist grün und trotzdem prominent, jeder Autofahrer kann die Skulptur sehen, und die Menschen aus den Büros gegenüber“, sagt Kühn, die als Bildhauerin in die Fußstapfen ihres Vaters Achim und des Großvaters Fritz getreten ist. Fritz Kühn hat sie nie persönlich kennengelernt, „er war leider schon tot, als ich geboren wurde“, erzählt Coco Kühn, die trotzdem das Gefühl hat, ihren Opa zu kennen, jedesmal ein bisschen mehr durch Skulpturen wie die am Kennedydamm. „Ein Künstler lebt durch seine Arbeiten weiter“, sagt die Enkeltochter, für die die Restaurierung und Neuaufstellung eine tolle Wertschätzung ist. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts war Fritz Kühn ein gefragter Künstler, spätestens als er für die Weltausstellung in Brüssel (1956) das Tor des deutschen Pavillons entwarf. „Dort sind viele Architekten auf ihn aufmerksam geworden“, sagt Coco Kühn.

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