Golzheim : Ein Seniorenheim wird abgerissen

Das Tersteegenhaus der Diakonie in Golzheim entspricht nicht mehr den baulichen Vorschriften und macht deswegen Platz für einen Neubau. Alle 90 Bewohner müssen ausziehen und werden umgesiedelt, die meisten nach Gerresheim.

Viele Seniorenheime müssen jetzt umrüsten: Ein neues Gesetz verpflichtet sie auf strengere Standards als bisher. Bis August 2018 müssen demnach 80 Prozent des Bestandes Einzelzimmer und die Zimmer mindestens 14 Quadratmeter groß sein. Zudem muss jedes Appartement über ein eigenes Bad verfügen. Die verschärften Bestimmungen führen dazu, dass nun zahlreiche Seniorenheime der Stadt um- oder sogar völlig neu gebaut werden müssen. Eines dieser Häuser ist das Tersteegen-Haus der Diakonie an der Friedrich-Lau-Straße in Golzheim. Die im Januar 1973 eröffnete Einrichtung muss komplett abgerissen und neu gebaut werden. Die 90 Bewohner werden allesamt "umgesiedelt".

"Bei uns sind es weniger die Zimmergrößen als die Brandschutzverordnung und allgemein der bauliche Zustand des Hauses, der den Abriss nötig macht", berichtet Beate Linz, Leiterin des Geschäftsbereiches "Leben im Alter" der Diakonie. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass ein Umbau des alten Hauses nicht mehr wirtschaftlich sei. Die 90 Bewohner leben dort bislang in zwölf Doppelzimmern und 66 Einzelzimmern. "Und auch unsere Gemeinschaftsräume sind zu klein und entsprechen nicht mehr heutigen Standards", so Linz. Kürzlich wurden erst die Mitarbeiter und dann die Bewohner über das Vorhaben unterrichtet: Geplant ist, den Großteil der Bewohner nach Gerresheim umzusiedeln. Dort wird gerade das Seniorenheim Ferdinand-Heyhe-Haus renoviert. Fertigstellung beziehungsweise Eröffnung soll Anfang September 2014 sein. Just dann, wenn das Tersteegen-Haus geschlossen wird. So kann der Großteil der Bewohner quasi nahtlos von Golzheim nach Gerresheim wechseln. "Aber wir bieten auch in sechs anderen Häusern der Diakonie Plätze an", sagt Linz. Wohin sie ziehen, können nach ihren Angaben die Bewohner und ihre Angehörigen individuell entscheiden. Für manche der alten Leute sei das schon eine schwere Entscheidung. "Einige haben gesagt, dass sie schon mal in ihrem Leben vertrieben wurden und nun müssten sie wieder fort", so Linz. Sie empfänden den Umzug deshalb wie eine Art zweiten Heimatverlust. "Viele Bewohner sind ja inzwischen echte Golzheimer geworden." Zu Abriss und Neubau gebe es aber nun mal keine Alternative für die Diakonie. "In Golzheim finden wir einfach kein anderes Grundstück. Deswegen sind wir gezwungen, auf demselben Platz neu zu bauen."

Im renovierten Ferdinand-Heye-Haus werden zum einen die 40 Altbewohner aus Gerresheim selbst unterkommen. Ferner sollen dort 50 Senioren aus Golzheim einziehen. "Ein Teil der Hochbetagtenwird dann vermutlich aufgrund des gesundheitlichen Zustandes nicht mehr dabei sein. Somit müssen für rund 20 Personen Alternativen gefunden werden", sagt Linz. Manche würden auch von ihren auswärts lebenden Angehörigen in Einrichtungen ihres Wohnortes geholt.

Trotz des schwierigen Umsiedelungsvorhabens gibt sich Linz zuversichtlich: "Wir denken, dass wir für alle eine gute Lösung finden." Von den Mitarbeitern, die ja ebenfalls "umgesiedelt" werden, werde keiner entlassen. Einrichtungsleiterin Marlene Steves sieht dem Umzug mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie war seit 1973 im Haus beschäftigt und geht nun in den Ruhestand. "Wir waren hier schon eine gute Gemeinschaft."

Wie das neue Tersteegen-Haus einmal aussehen wird, steht noch nicht fest. Derzeit laufen erste Planungen und Beratungen mit dem Architekten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE