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Garath: Gesucht: Der ganz große Wurf

Garath : Gesucht: Der ganz große Wurf

Auf Initiative von Bezirksvorsteher Klaus Mauersberger kam es im Einkaufszentrum Garath-Südost gestern zu einem ersten Gespräch zwischen Eigentümern. Die Baupläne der St.-Matthäus-Gemeinde sind ins Stocken geraten.

Mitte vergangenen Jahres hat sich Hans Behler zur Ruhe gesetzt. Im Einkaufszentrum GarathSüdost buk er in der Backstube hinter seinem Geschäft seit 1966 Brot und Backwaren. Manche Kunden kamen sogar aus Benrath, um seine handgefertigten Brötchen zu kaufen, erzählt er. Als für ihn feststand, dass er aufhören wolle, habe er natürlich versucht, einen Nachfolger zu finden. Das habe nicht geklappt, auch weil es gegenüber in der Edeka-Filiale ebenfalls eine Brottheke gibt.

46 Jahre buk Hans Behler in der hinter seinem Ladenlokal gelegenen Backstube Brot und Backwaren. Vergangenes Jahr ging er in Rente. Seine seitdem leerstehende Immobilie würde er sofort verkaufen. Foto: Günter von Ameln

"Ich verkaufe sofort", gab der pensionierte Bäckermeister dann auch umgehend zu Protokoll, als sich gestern Vormittag auf Einladung von Bezirksvorsteher Klaus Mauersberger Eigentümer mehrerer Immobilien auf dem Gelände zu einem erstmal informellen Gespräch trafen. Dabei soll es aber nicht bleiben. In den Ferien will sich Düsseldorfs Baudezernent Gregor Bonin vor Ort einen Eindruck verschaffen über die – nicht eben einfache – Gemengelage.

Die Hoffnungskirche ist entweiht. Mehrere Geschäfte in dem kleinen Einkaufszentrum stehen leer. Gleich nebenan im Hildegardisheim droht Leerstand spätestens ab 2018, wenn die Caritas den Pflegebetrieb dort aufgrund der Änderungen im Pflegegesetz nicht mehr aufrechterhalten darf. Darum plant der Wohlfahrtsverband einen Neubau rund um die ehemalige Hoffnungskirche.

Aktuell ist den Geschäftsleuten aber die seit einem Brand leerstehende Gaststätte "Goldener Ring" ein Dorn im Auge. Die Immobilie ist seit Monaten eingezäunt. Die katholische Kirchengemeinde St. Matthäus wollte dort ihr neues Gemeindezentrum bauen. "Doch die Fläche ist zu klein", beschrieb Pfarrer Martin Ruster die "etwas blauäugigen Planungen" der Gemeinde. "Wir haben jetzt erst realisiert, dass das so nicht klappen wird, wie wir uns das gedacht haben. Wir waren damals so froh, dass wir mit den Planungen für den Goldenen Ring nicht auf das Gelände neben dem Hildegardisheim mit unserem schönen Garten zurückgreifen mussten", erläutert Ruster, der davon ausgeht, dass nun noch mehrere Jahre ins Land ziehen werden, bevor die katholische Kirchengemeinde wie und wo auch immer ein neues Pfarrentrum samt Pfarrbüro baut: "Es gibt jetzt erste Überlegungen bei uns, das Pfarrbüro auf dem Gaststätten-Gelände zu bauen und das Gemeindezentrum dann auf einem Stück des Gartens."

Doch vielleicht haben sich solche Planungen bald eh überholt, wenn nämlich der ganz große Wurf gelingt. Den Vorschlag von Bäcker Behler, dass die Stadt doch alle Immobilien kaufen und dann komplett neu überplanen könne, erteilte Mauersberger eine klare Absage: "Die Stadt kauft nicht." Stattdessen kann sie aber über ein sogenanntes Werkstattverfahren Eigentümer, Planer und Architekten ins Boot holen. Diesen Ansatz findet Roland Vogel, Geschäftsführer der Caritas, hochinteressant: "So bald wir notariell Eigentümer der Hoffnungskirche sind, wollten wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben." Dabei sollen auch künftige Nutzungen des Hildegardisheims entwickelt werden: "Wir haben bereits unsere Mitarbeiter aufgerufen, uns Nutzungsideen mitzuteilen." Es sei auf jeden Fall besser, sich Ideen für das gesamte Areal zu machen, statt solitär zu agieren.

Fred Puck führt das Lotto-Geschäft im Garather Nebenzentrum. Ihm standen sprichwörtlich die Haare zu Berge, als er realisiert hatte, was die Hiobsbotschaft von Pfarrer Ruster für die Geschäftsleute bedeutet: "Ich will in drei Jahren in Rente gehen. Wenn ich höre, dass es noch Jahre dauern wird, bevor die katholische Kirche auf dem Grundstück mit dieser Ruine zu bauen beginnt, dann kann ich nur noch hoffen, dass ich die drei Jahre hier noch finanziell überlebe." Für Klaus Mauserberger steht indes fest, dass sich an diesem Ende des Einkaufszentrums schneller etwas tun muss: "Der Goldene Ring muss abgerissen werden. Vielleicht kann man den Abriss zeitlich vorziehen."

Sorge bereitet den Händlern dann aber auch das Anrollen der Abrissbirnen. Sie befürchten, dass das Einkaufszentrum bald von Baustellen umzingelt ist: auf der Seite der Hoffnungskirche durch den Neubau des Hildegardisheims durch die Caritas; auf der anderen Seite der Abriss des Goldenen Rings und ein möglicher Umbau des alten Seniorenheimes für eine Neunutzung. Was Baustellen vor den Geschäftstüren bedeuten, kann jeder bei den vom Bau der Werhahn-Linie betroffenen Händler erfragen: Viele Kunden wandern ab.

(RP)