Gerresheim: Wohnsiedlung nicht wiederzuerkennen

Gerresheim : Wohnsiedlung nicht wiederzuerkennen

Die Modernisierung von 23 Häusern an vier Straßen unweit der alten Gerresheimer Glashütte ist fast abgeschlossen.1,5 Millionen Euro wurden laut Eigentümer investiert. Der Gegensatz von Alt und Neu wirkt nun fast ein wenig skurril.

Gestern hatte Chaled Shaker einen wichtigen Termin. Ein Vertreter vom Amt für Wohnungswesen nahm 23 Häuser an Nachtigall- und Hatzfeldstraße, Pilgerweg und Büdingenstraße genau unter die Lupe - Abnahme des letzten Bauabschnitts nach der Sanierung. Das Karree in der Nähe des ehemaligen Glashüttengeländes mit seinen 160 Wohnungen wurde vom Eigentümer, der Immobilienverwaltung Gerresheim, aufwendig modernisiert. Jetzt erkennt auf den ersten Blick niemand mehr, dass diese Häuser, die für die Arbeiter in der Glashütte gebaut wurden, aus den 1920er Jahren stammen. Rund 1,5 Millionen Euro seien investiert worden, erklärt Shaker.

"Alles war in Ordnung, die Stadt hatte nichts zu beanstanden", sagt Shaker und atmet auf. Denn die Auflagen für Umbaumaßnahmen in der Straße, in der eine Erhaltungssatzung gilt, sind hoch: Fensterbögen oder auch Gesimse mussten bei der Fassadengestaltung exakt rekonstruiert werden. Schwerpunkt der Arbeiten, die in drei Bauabschnitten über einen Zeitraum von einem Jahr ausgeführt wurden, sei neben der rein optischen Aufwertung die Ausstattung der Außenwände und Kellerdecken mit Wärmedämmung gewesen. "Und zwar mit hochwertigen Mineraldämmstoffen, nicht mit EPS", spielt Shaker auf das leicht brennbare Styropor an. Die Mieter hätten sich immer beschwert, dass Wärme verlorengehe, "da haben wir uns nach reiflicher Überlegung entschlossen, die Siedlung zu sanieren", sagt er.

Wenn der Geschäftsführer der Immobilienverwaltung Gerresheim GmbH & Co. KG "wir" sagt, ist das ein bisschen undurchsichtig, denn eigentlich hat er einen Verlag für vorwiegend wissenschaftliche Publikationen in Aachen. 2003 habe er die Häuser von einem Frankfurter Immobilien-Investor samt Unternehmen erworben, Teil des Kaufvertrages sei gewesen, dass der Firmenname geändert werde. So habe Shaker die Immobilienverwaltung Gerresheim gegründet, deren Sitz ebenfalls in Aachen ist. Den Mietern wird's egal sein, solange sie jetzt nicht horrende Mieten zahlen müssen. "Das wird nicht passieren", verspricht Shaker. 60 Cent pro Quadratmeter würden draufgeschlagen, "das entspricht in etwa der Heizkostenersparnis". Die liege bei rund 45 Prozent im Jahr, habe er sich von Experten ausrechnen lassen.

Die Mieter leben zum Teil schon seit Jahrzehnten in den Häusern, "und die meisten wollen hier mit Sicherheit auch nicht mehr raus, sie sind glücklich", ist der Vermieter überzeugt. Zwischen Pilgerweg und Nachtigallstraße ist das im Süden von Gerresheim weit verbreitete italienische Flair noch überall spürbar. Shaker schätzt, dass auch in seinen Häusern 25 Prozent der Menschen italienischer Herkunft sind. Im Innenhof, der von allen Wohnungen aus einseh- und begehbar ist, spürt man dieses Ambiente besonders, im Gegensatz zum blitzsauberen weiß-grauen Anstrich der Häuser zur Straßenseite wirkt hier alles ein wenig menschlich-chaotisch. Es wird auch noch gearbeitet, der Kinderspielplatz soll neugestaltet werden.

Carolina Wielhouwer lebt schon lange an der Hatzfeldstraße, "vorher habe ich in Oberkassel gewohnt, das war schon erstmal ein Schock hier", sagt sie. Die einjährigen Umbauarbeiten seien nicht einfach gewesen, "aber es ist wirklich ganz toll geworden". Nur aus dem Keller komme so ein merkwürdiger Gestank hoch. Shaker verspricht Abhilfe. Nebenan wohnt inzwischen Wielhouwers Tochter, sie sei ebenfalls zufrieden. "Die Jungs hier haben ganze Arbeit geleistet." Das hört Chaled Shaker natürlich gerne.

(RP)
Mehr von RP ONLINE