Gerresheim : Wohnen im Gerresheimer Bunker

Ein Investor hat den Hochbunker an der Heyestraße gekauft. Er will das alte Gemäuer, in dem vor fünf Jahren in den oberen Etagen eine Drogenplantage entdeckt wurde, modernisieren und dort bis zu 30 Wohnungen realisieren.

Der Hochbunker in Gerresheim ist für den Stadtteil ein unübersehbares Wahrzeichen, auch wenn das Bauwerk in der Vergangenheit eher in Verbindung mit kriminellen Machenschaften genannt wurde. Das soll nun vorbei sein, ein Investor, der in den vergangenen zehn Jahren vor allem in Berlin und Potsdam tätig war, hat den Bunker nach eigener Auskunft vor gut einem halben Jahr gekauft. Er will dort Wohnraum ermöglichen, der Bauantrag ist gestellt. Seinen Namen möchte er noch nicht in der Zeitung lesen, solange er über Detailfragen in Verhandlungen mit dem Bauamt stehe und in der Bezirksvertretung 7 noch grünes Licht für das Bauvorhaben erteilt werden müsse. Die Pläne seien aber bereits weit fortgeschritten.

"Zunächst einmal geht es lediglich um Entrümpelung und vorbereitende Maßnahmen", kommentiert er die aktuell sichtbaren Arbeiten an der Außenhaut. Dort montieren Arbeiter zurzeit die Verkleidung ab. Geplant hat der Investor aus Kamp-Lintfort eine Mischbebauung. "Ziel ist, rund 30 Wohnungen zu realisieren, familienfreundlich und bezahlbar. Außerdem soll eine Kindertagesstätte und womöglich auch eine Jugendetage entstehen." Wo früher ein Kiosk war, könnte ein Imbiss hinkommen, so gut wie sicher sei, dass in der ehemaligen Kneipe im Erdgeschoss ein Bio-Supermarkt öffnen wird. "Und natürlich müssen wir auch ein Stück weit gegen das schlechte Image von früher ankämpfen, neues Vertrauen gewinnen und glaubhaft den Menschen in Gerresheim vermitteln, dass hier eben nicht wieder etwas Zwielichtiges entsteht", sagt der Projektentwickler.

Das scheint bei der Stadt schon mal ganz gut zu klappen, "die Zusammenarbeit funktioniert super, der Austausch war bisher ausnahmslos positiv". Er hält große Stücke auf die Gegend an der unteren Heyestraße, wo gegenüber das Glasmacherviertel entwickelt wird. "Das wird größtenteils ein anderes Klientel bedienen, beide Projekte harmonieren aber miteinander und sorgen für ein ausgewogenes Stadtbild im Süden von Gerresheim."

Bezirksbürgermeister Karsten Kunert (SPD) kennt das Bauvorhaben, glaubt aber nicht, dass bis zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung 7 am 26. Juni bereits eine Baugenehmigung vorliegen und das Projekt dann auch vorgestellt wird. Da es keine Abweichungen vom Bebauungsplan gibt und der Investor offenbar auch keine Baugrenzen überschreitet, ist die Verwaltung rein formal ohnehin nicht verpflichtet, der Bezirksvertretung die Planung vorzulegen. "Da wir unser Interesse daran deutlich kundgetan haben, wird es aber wohl dennoch dazu kommen", so Kunert. Prinzipiell stehe er dem Vorhaben positiv gegenüber. Und sollte insbesondere die Außengestaltung gelingen, "könnte der revitalisierte Bunker zusammen mit dem Glasmacherviertel ein neues markantes Eingangstor für Gerresheim, ein attraktives Entree darstellen".

Der Hochbunker geriet zuletzt mehrfach in die Negativschlagzeilen. Zum einen hatte eine vietnamesische Bande in den oberen Etagen eine gigantische Cannabis-Plantage angelegt, die Erntehelfer mussten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften. Die Polizei hatte das alles 2012 eher zufällig entdeckt, weil sie die Rocker-Szene, die sich in der unteren Etage eingemietet hatte, über einen längeren Zeitraum beobachten ließ.

(arc)