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Gerresheim: Wie eine Tänzerin zur Boxerin wurde

Gerresheim : Wie eine Tänzerin zur Boxerin wurde

Anna Slotala wechselte nach einer Verletzung die Sportart. Jetzt ist sie Mentaltrainerin beim TuS Gerresheim und boxt auch selbst.

In der kleinen Turnhalle an der Heyestraße in Gerresheim ist die Luft schlecht. Es ist stickig, da durch zwei offene kleine Kippfenster nur wenig frische Luft hereinkommt. Die bräuchten die rund 30 jungen Boxer des TuS Gerresheim bei ihrem Training aber dringend. Den jungen Faustkämpfern im Alter von 13 bis 18 Jahren scheint das jedoch wenig auszumachen. Sie stehen sich in Pärchen gegenüber, haben farbige Boxhandschuhe an und üben Schläge, ohne ihren Trainingspartner zu hart zu treffen.

Steffen Müller, seit 2012 gemeinsam mit Yahya Ucar Trainer des Boxer-Nachwuchses der Gerresheimer, zeigt sich nahezu unerbittlich. Die Intervalle des schrillen Tons seiner Trillerpfeife werden kürzer. Als das Schnaufen seiner Schützlinge dagegen immer lauter wird, erlaubt er ihnen endlich eine Pause zur Erholung.

Der ehrenamtlich tätige Müller, der sich als Glücksgriff für die Schulung der Düsseldorfer Boxtalente herausgestellt hat, war als aktiver Deutscher Juniorenmeister und mehrfacher Deutscher Vizemeister bei den Senioren. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Kuba schlitterte er nur knapp an einer Medaille vorbei. Er sollte sich also bei der Dosierung des Trainings auskennen.

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Neben ihm steht Anna Slotala, beobachtet aufmerksam das Trainingsgeschehen, korrigiert Fehler in den Bewegungsabläufen. "Ich habe Anna Slotala als Boxtrainerin für die Talente des TuS Gerresheim gewinnen können", erklärt Müller die Rolle der 29-Jährigen, die sich selbst vor allem als Mental-Coach versteht. Dass Slotala den Weg in die Boxhalle von Gerresheim fand, ist eher auf einen Zufall zurückzuführen. Eine Knieverletzung zwang die ehemalige Leistungssportlerin im Turniertanz, ihre Laufbahn zu beenden. "Beim Muskelaufbau-Training in der Reha machte ich die Bekanntschaft eines Boxers aus Gerresheim. Nach dessen Erzählungen wurde ich neugierig auf diesen Sport", berichtet Slotala, die eine Ausbildung als Steuerberaterin absolvierte und Wirtschafts-Management studiert hat. Die folgenden Besuche am Boxring lösten so große Begeisterung für den Faustkampf aus ("Boxen ist ein kopfgesteuerter Sport"), dass sie zügig den Trainerschein machte.

Sie selbst bereitet sich noch auf ihren ersten Kampf vor. Wer aber sieht, wie die künftige 67-Kilogramm-Boxerin mit eiserner Disziplin im Training mit Zwölf-Unzen-Handschuhen an ihren Händen den Sandsack bearbeitet, ahnt, dass ihr auch das gelingen wird. Für Cheftrainer Müller ein zweischneidiges Schwert: "Nach ihren Erfolgen bei der mentalen Betreuung meiner jungen Boxer hätte ich sie am liebsten ausschließlich dafür," sagt er.

Über ihre Qualitäten, "die mentale Intelligenz der jungen Boxer zu fördern", wie sie es nennt, kann man sich dann in den abschließenden Sparringskämpfen des Trainings überzeugen. "Die Wutkontrolle der Jungen im Ring ist für mich eine ganz wichtige Aufgabe. Sie müssen immer kopfgesteuert bleiben", erläutert sie ihre Zurufe während der drei Runden und ihre Hinweise in den Ringpausen.

Der vielleicht begabteste Boxer der Gerresheimer Talentschmiede ist Omar Temurow, unter anderem dreimaliger NRW-Meister, er tritt im Übungskampf gegen einen älteren Kontrahenten vom Bundesstützpunkt aus Münster an. Anna Slotala erinnert ihn während der drei Durchgänge aus der Ringecke immer wieder lautstark daran, nicht zu verkrampfen: " Omar, vergiss' nicht, hab' Spaß im Ring!" Der eigentliche Boxkampf im Ring sei der Lohn für das viele harte Training. "Der Kampf muss dem Boxer auch wirklich Spaß machen, er muss ihn genießen", sagt Mental-Trainerin Slotala, die sich über Omars tolle Leistung freut. Von dem Beifall, den seine Trainingskollegen ihm spenden, gehört ihr auch ein Teil. Lob gibt es von Omar: "Sie versteht viel vom Boxen."

(RP)