Gerresheim: Wenn der Schlüssel die passende Tür findet

Gerresheim: Wenn der Schlüssel die passende Tür findet

Im Gerricusstift nutzen Bewohner und Mitarbeiter seit Anfang des Jahres ein intelligentes Schließsystem, das einmalig ist in der Region.

Ein kleiner Apparat hängt an Günter Berghahns Schlüsselbund, schwarz, rund, mit einem Knopf drauf. Wie eine Fernebedienung sieht das Gerät aus, wenn er es bedient, ist ein leises Piepen zu hören. Das Radio schaltet er damit nicht ein, den Fernseher auch nicht. Mit dem Drücker öffnet Günter Berghahn die Tür zu seinem Zimmer im Gerriscusstift, leidiges Schlüssellochsuchen gehört in der Einrichtung der Vergangenheit an - zumindest für alle, die der modernen Technik vertrauen, damit umgehen wollen. Seit Anfang des Jahres hat das Gerricusstift eine neue Schließanlage, "die modernste in der Region", wie Remy Reuter, Leiter des Pflege- und Altenheims an der Gerricusstraße betont. 80.000 Euro hat das System gekostet und soll Bewohnern wie Mitarbeitern das Leben erleichtern.

2017 ist der Umbau der Einrichtung abgeschlossen worden, in dieser Zeit dachten Reuter und die Kollegen auch über eine modernere Schließanlage nach. "Denn viele Bewohner haben körperliche oder dementielle Einschränkungen", sagt der Leiter, können also einen normalen Schlüssel nicht mehr greifen oder wissen gar nicht mehr, wozu er gut ist. Die Folge: "Oft standen die Zimmertüren hier offen", erzählt Reuter, Bewohner waren plötzlich im falschen Raum, weil sie sich nicht mehr erinnerten, welches denn ihr Zimmer war. "Das wollten wir ändern", sagt Remy Reuter, der auf einer Altenpflegemesse die Funk-Schlüssel und Armbänder entdeckte, mit denen Türen geöffnet werden können. In Oberhausen schaute er sich das Konzept in der Praxis an und war begeistert. "Auch wenn wir es ein bisschen abgeändert haben", sagt er.

Lange musste er die Mitarbeiter in seinem Haus nicht überzeugen, und selbst von den meisten Bewohner gab es Zuspruch: "Das ist eine tolle Sache", sagt Berghahn, "ruckzuck ist die Tür auf." Mit dem Drücker muss er einfach nah an das Schloss ran, und schon ist die Tür auf. Das Armband hat eine größere Reichweite, verbraucht aber auch mehr Akku. Deshalb hat sich Berghahn für die erste Variante entschieden. Angst vor der Technik soll kaum jemand gehabt haben, und jene, die doch auf den altbewährten Schlüssel vertrauen, können einen solchen auch bekommen. Der hängt auch am Bund des 87-Jährigen, benutzt hat er den klassischen Schlüssel aber schon lange nicht mehr.

Drei verschiedene Möglichkeiten gibt es nun im Gerricusstift, die Türen aufzuschließen: über den Schlüssel nämlich, den Drücker oder über ein Armband, das vor allem demente Bewohner tragen. Speziell programmiert sind Drücker und Armbänder, die Pfleger zum Beispiel können damit jedes Zimmer öffnen. Auch Angehörige können sich einen solchen Schlüssel machen lassen, 230 bis 240 seien im Einsatz, meint Reuter. Der Vorteil, wenn ein "Generalschlüssel" verloren geht, ist, dass nicht die ganze Anlage wie früher ausgetauscht werden muss, was schnell mal 4000 Euro gekostet hat. Das System wird einfach gelöscht und neu programmiert.

Und noch ein Vorteil haben die neuen Schlüssel - "auch wenn das zum Glück noch nicht zum Einsatz gekommen ist", sagt Remy Reuter. Sie alle verfügen über einen Transponder, der über GPS verfolgt werden kann. "Wenn sich also ein Bewohner draußen verläuft, finden wir ihn schnell wieder", sagt Reuter. Dafür muss er beim Amtsgericht eine Genehmigung einholen, um die Persönlichkeitsrechte nicht zu verletzen.

(RP)