Gerresheim : Wenn Denkmalschutz nur noch nervt

Die Siedlung Neustadt steht unter Denkmalschutz. Wer Veränderungen an seinem Haus beantragt, erhält von der Stadt eine Absage. Wer es aber einfach macht, ohne den offiziellen Weg zu gehen, wird nicht belangt, klagen Anwohner.

In der von Ferdinand Heye 1879 errichteten Arbeitersiedlung Neustadt wohnten früher die Glasbläser, zu den Schmelzöfen der Gerresheimer Glashütte hatten sie so nur einen kurzen Weg. Ab 1981 wurden die rund 60 Häuser an Heye- und Morper Straße, Teutoburg-, Porta- und Owenstraße unter Denkmalschutz gestellt. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, auch Dieter Lucks und Klaus Rabe wollen daran nicht rütteln. Jedoch: Bei ihnen zieht's durch alle Ritzen, was an den Fenstern und Terrassentüren aus Holz liegt, die sich im Verlauf der Jahre verzogen haben. Sie würden diese gerne durch Anlagen aus Kunststoff ersetzen. Dürfen sie aber nicht. Die denkmalrechtliche Erlaubnis wird ihnen versagt. Fenster und Türen aus Kunststoff würden Erscheinungsbild und Zeugniswert des Baudenkmals erheblich negativ beeinflussen, schreibt Jörg Heimeshoff, Leiter des Instituts für Denkmalschutz beim Bauaufsichtsamt.

So weit, so schlecht für die Gerresheimer, die sich mit einer solchen Absage ja vielleicht noch abfinden könnten. Nur: "Hier tauschen ständig und dauernd Nachbarn Fenster oder Dachpfannen aus, ohne es offiziell beantragt zu haben. Da wird niemand tätig von der Stadt. Sie sagen, sie fahren vorbei und kontrollieren, man merkt den Unterschied aber gar nicht", sagt Lucks. Wer jedoch den offiziellen Weg einhalte, bei dem würden ausschließlich Absagen ins Haus flattern, so Rabe.

Jetzt reicht's den beiden, sie wollen vor dem Verwaltungsgericht Klage einreichen. "Erst mal nur wegen der Terrassentür, damit der Streitwert niedrig bleibt", erklärt Lucks. Rabe hatte bereits einmal Erfolg mit einer Klage gehabt, da ging es um eine Klimaanlage, die er an die Rückfront seines Hauses anbringen wollte. "Das hat die Denkmalbehörde mir ebenfalls untersagt, weil das eine bauliche Veränderung sei. Das Gericht hat aber entschieden, dass das einfache Anbringen von Halterungen nicht ausreiche, um dieses Kriterium zu erfüllen."

Die Antwort der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt fällt auf Anfrage denkbar knapp aus: "Für vorhandene Kunststofffenster ist keine denkmalrechtliche Erlaubnisse erteilt worden. Zudem laufen zur Zeit einige ordnungsbehördliche Verfahren. Die Aussage, dass mit zweierlei Maß gemessen werde, kann daher seitens der Stadtverwaltung nicht nachvollzogen werden."

Letzteres ist aber genau das, was Lucks und Rabe auf die Palme treibt. "Jeder macht hier, was er will, nur wer brav alles beantragt, der ist der Dumme", so Lucks. Ginge es nach ihm, könne der Denkmalschutz ganz aufgehoben werden. "Hier sieht es doch längst aus wie Kraut und Rüben. Der eine hat rote Dachpfannen, der andere schwarze, die Fabrikate sind unterschiedlich und zwischendrin sind noch ein paar hübsche Satellitenschüsseln." Den Leuten würde hier teilweise das Wasser in die Wohnungen laufen, "aber auf eine Entschädigung muss hier niemand hoffen", sagt Rabe. Mit Kunststofffenstern, die optisch nicht anders als Holzfenster aussehen, würde das nicht passieren.

Dieter Lucks hat zu Hause längst einen dicken Ordner zum Schriftverkehr mit der Behörde erstellt. Auch beim übergeordneten Rheinischen Amt für Denkmalpflege hat er sich schon beschwert, ohne Erfolg. Aufgeben will er nicht: "Ein Denkmal ist erst dann ein Denkmal, wenn es als solches erkannt und anerkannt wird. Ansonsten ist es ein Ort von vielen Orten. Diesen Zustand haben wir längst erreicht."

(RP)
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