RP kommt nach Gerresheim : Gerresheim wächst und wächst

Mehrere Neubauviertel sind schon entstanden, bald kommt das Glasmacherviertel auch noch hinzu. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Stadtteil? Am Samstag kommt die Rheinische Post nach Gerresheim.

Gesten war Experimentiernachmittag am Gymnasium Gerresheim. Grundschüler konnten in die Fächer Chemie, Physik und Biologie hineinschnuppern, Leguane bestaunen und Seifenblasen produzieren – und sich womöglich dazu entscheiden, hier ihr Abi zu machen. Fast 1000 Schüler besuchen das fünfzügige Gymnasium (ebenso viele sind es am benachbarten Marie-Curie-Gymnasium). Die räumlichen Kapazitäten reichen längst nicht mehr aus, aktuell entsteht ein Erweiterungsgebäude für Musik- und Ganztagsräume sowie zehn Klassenzimmer. „Und auch das wird mittelfristig nicht reichen, wenn G9 und damit ein weiterer Jahrgang hinzukommt“, sagt Schulleiter Raphael Flaskamp. Platz ist auf dem Schulareal nicht mehr, „wir werden aufstocken, in die Höhe bauen müssen“, sagt Flaskamp.

Gerresheim wächst kontinuierlich. Das Neubaugebiet Quellenbusch, die Häuser an der Gräulinger oder der Hardtstraße haben dem Stadtteil mehr Einwohner beschert. Wo früher die Tennishalle gegenüber dem S-Bahnhof stand, entstehen Neubauten, in dem ehemaligen Bunker soll in absehbarer Zeit ebenfalls gewohnt werden. Und dann ist da ja noch das Glasmacherviertel. Ulrich Tappe vom Projektentwickler Brack Capital erklärt, man wolle eine Quartiersentwicklung aus einem Guss. Wie in Grafental, „aber das Glasmacherviertel wird seine eigene Identität erhalten – und auch seinen Namen behalten“. Nächstes Jahr soll es richtig losgehen.

Ein derartiger Zuwachs an Neubürgern gehe nicht ohne Investitionen in die Infrastruktur, mahnt Bezirksbürgermeister Karsten Kunert an. Und damit meint er gar nicht so sehr das Auto, sondern vor allem ÖPNV und Radwege. „Vom Gerresheimer S-Bahnhof in die Innenstadt mit dem Rad zu kommen, ist ein Abenteuer“, nennt er ein Beispiel. Auch die Rheinbahn müsse umdenken: „Wenn die Bahnen zu Schlüsselzeiten überlastet sind, die S-Bahnen schon gar nicht mehr an allen Bahnsteigen halten, weil sie zu voll sind, wie in Gerresheim teilweise geschehen, wird der Umstieg nicht gelingen.“ Entspannter sieht er die Lage bei Schulen und Kitas. „Endlich wird nicht mehr nur in Masterpläne investiert, sondern auch Geld in die Hand genommen.“ Nur bei den OGS-Plätzen sieht er Nachholbedarf: „Es kann nicht sein, dass ein Elternteil hier nur noch halbtags arbeiten kann oder ganz aufhören muss zu arbeiten, weil das Kind am Nachmittag nicht versorgt ist.“

Gerresheim, das ist auch der Stadtteil der Vereine. Ob Sport-, Kultur-, Karnevals-, Schützen- oder Bürgerverein, hier ist viel los, finden Neubürger problemlos Anschluss. Auch die Kirchengemeinden sind äußerst aktiv und bringen sich ein, zwei Stiftungen kümmern sich zudem um Benachteiligte.

Und sogar zum Einkaufen müssen die Gerresheimer nicht zwingend in die Innenstadt fahren. „Die Benderstraße hat alles zu bieten, was man braucht, hier gibt es auch noch individuelle Geschäfte, die sich sonst nirgends mehr finden. Die fast zwei Jahre Baustelle für den Umbau waren für die Geschäftsleute sicher hart. Aber das Ergebnis kann sich doch wirklich sehen lassen“, findet Ralph Sorg.

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