Vorschau : Der Fokus liegt auf dem Gerresheimer Süden

Wohnen soll im Glasmacherviertel ebenso wie im Bunker möglich sein. Auch die Entwicklung der Bergischen Kaserne ist 2019 Thema.  

Ein ewiges Trauerspiel: Am Zustand des S-Bahnhofs und der Unterführung tut sich einfach nichts. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)/Bauer, Hans-Jürgen (hjba)
Da standen sie noch: Die Poller am Alter Markt wurden abmontiert, jetzt hat anscheinend wieder der Schleichverkehr zugenommen. Foto: Marc Ingel

Die Entwicklung des Gerresheimer Südens dürfte im neuen Jahr eines der Schwerpunktthemen im Stadtbezirk 7 sein. Aber auch die Zukunft der Bergischen Kaserne oder die heißen Eisen Gerricusplatz und S-Bahnhof Gerresheim beschäftigen die Bezirkspolitiker.

Gerresheimer Süden „Der Gerresheimer Süden bietet derzeit kein attraktives Entree Düsseldorfs.“ Mit dieser Meinung steht Bezirksbürgermeister  Karsten Kunert (SPD) nicht alleine da. Das Glashüttengelände liegt brach, ein Bahnhof, der den Namen nicht verdient, eine Bunkerruine und eine abgerissene  Tennishalle prägen den Eindruck. „2019 sollen vor allem für die Bebauung Bunker, Tennishalle und Glashüttengelände die entsprechenden Weichen gestellt werden“, habe Kunert mit den drei Investoren im Dezember Gespräche geführt, die ihn zuversichtlich stimmen, dass diese Projekte 2019 richtig in Gang kommen. Beim Glasmacherviertel verliert Sönke Willms-Heyng (FDP) allerdings langsam die Geduld: „Der Eigentümerwechsel ist ein Jahr her, und es hat sich nichts getan. Der Gesetzgeber gibt uns die Möglichkeit des Baugebots, wenn ein gültiger Bebauungsplan fertig ist.“ Sofern der Investor nicht kooperiere, könnte man ihm eine Frist setzen und den B-Plan als Satzung beschließen, um dann ein Baugebot zu erlassen. „Kommt er dem nicht nach, kann ein Enteignungsverfahren eingeleitet werden“, so Willms-Heyng. „Zornig“ macht Eva Mörger (Grüne) der Gedanke an den Zustand des S-Bahnhofs. Die fehlende Beschriftung sei ein konstantes, wenngleich leicht zu behebendes Ärgernis, „schlimmer aber noch ist die Tatsache,  dass mobilitätseingeschränkte Menschen den Bahnhof nicht nutzen können. Es ist ein Skandal, wie hier eine bedürftige Bevölkerungsgruppe von der Deutschen Bahn missachtet wird.“

Bergische Kaserne Rainer Klöpper (CDU) wünscht sich, dass der Bund als  Eigentümer „sein Katz- und Mausspiel mit den Bürgern Knittkuhls und Hubbelraths stoppt. Die Unfähigkeit zur Entscheidung ist unerträglich.“ Seit 2008 würden die Bürger darauf warten, „sie verbinden damit auch eine  Verbesserung der Verkehrsanbindung an die City, der Nahversorgung, der schulischen und sportlichen Einrichtungen und natürlich auch der Lage am Wohnungsmarkt“. Wie wichtig es sei, dass die Stadt als Grundeigentümerin agieren kann, würden positive Beispiele in anderen Städten zeigen, „aber auch das Desaster beim Glasmacherviertel als negatives Gegenbeispiel“, erklärt der Linke Wolfram Müller-Gehl, der eine „spekulationsgetriebene Kostenexplosion“ erwartet.

Gerricusplatz Seitdem die Poller am Alten Markt in Gerresheim nach einem Mehrheitsbeschluss in der Bezirksvertretung entfernt wurden, habe sich der eigentlich verbotene Durchgangsverkehr um den Gerricusplatz nahezu wieder verdoppelt, kritisiert Kunert. „Ich werde erneut Versuche starten, um dieses Düsseldorfer Kleinod zu schützen“, sagt der Bezirksbürgermeister. Auch bei Eva Mörger stehe die Umwandlung von Gerricusplatz und Alter Markt in eine verkehrsberuhigte Zone „hoch oben auf meiner Wunschliste. Plätze sind für Menschen da, nicht für Autos“.
Wohnen Das Thema Wohnen wird den Stadtbezirk 7 auch in anderer Hinsicht beschäftigen. Wolfram Müller-Gehl erinnert an das lange leerstehende Haus mit der ehemaligen Pizzeria im Erdgeschoss an der Ecke Torfbruch- und Dreherstraße: „Die Verwaltung hat angekündigt, das Gebäude abbrechen zu lassen. Endlich.“ Auch sei die undurchsichtige Situation beim Forsthaus Trotzhof  nach wie vor ungeklärt. In diesem Zusammenhang betont Rainer Klöpper: Anstrengungen zum Erhalt der Natur und zum Schutz von Wald und freien landwirtschaftlichen Flächen würden ebenso Thema sein wie die Bebauung von Baulücken. Als Beispiele nennt er die Unfallkasse NRW oder die ehemalige Flüchtlingsunterkunft an der Heyestraße.

Und sonst? Dass die Sana-Klinik die Geburtsstation schließt und ihren Geschäftsführer auswechselt, ohne die Stadt als 49-Prozent-Eigner zu informieren, empfindet Sönke Willms-Heyng „als völlig unakzeptables Verhalten“. Michael Möller von der Deutschen Sportpartei fordert ein Sportzentrum für das Glasmacherviertel und befürchtet, dass der Dreherpark in Gerresheim „Schritt für Schritt seinen Erholungscharakter verlieren und offenbar anderen Verwendungszwecken zugeführt werden soll“. Das gastronomische Angebot in Gerresheim hält Möller für völlig unzureichend, eine finanzielle Unterstützung für kirchliche Träger, etwa für Orgelkonzerte, will er zudem streichen lassen.

Der letzte Satz „Falls es die politische Konstellation erlaubt, werde ich bei der nächsten Kommunalwahl wieder für das Amt des Bezirksbürgermeisters zur Verfügung stehen“, sagt Karsten Kunert zu seinen Absichten für 2020.

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