Gerresheim : Topfit trotz Rollator

Das Gerricusstift und der Gerresheimer TV setzen das NRW-Modellprojekt "Bewegende Alteneinrichtungen" vorbildlich um.

Sport für Senioren muss keineswegs langweilig sein. Ist es auch zumindest im Gerricusstift in Gerresheim nicht. Dafür ist vor allem der Gerresheimer Turnverein verantwortlich, der in das Alten- und Pflegeheim kommt, um dort die alten Menschen in Bewegung zu bringen. Die beiden Kooperationspartner setzen damit das Modellprojekt "Bewegende Alteneinrichtungen und Pflegedienste" aus dem Programm "Bewegt älter werden in NRW" des Landessportbundes um.

"35 Einrichtungen machen aktuell mit, 100 sollen es bis 2019 werden", erklärt Marcel Ernst vom Landessportbund. Für die Vereine gibt es dafür 1000 Euro Anschubfinanzierung für Materialien oder die Übungsleiterstunden. "Das ist aber nicht der ausschlaggebende Grund für uns, teilzunehmen", sagt Gabriela Jaik, Geschäftsführerin des Gerresheimer TV. "Wir wollten ohnehin ganz bewusst Sportangebote für Senioren an Orten platzieren, wo auch tatsächlich ältere Menschen leben." Denn die seien eben in der Regel nicht so mobil und in der Lage, für ein Training Sportstätten außer Haus anzusteuern.

Im Gerricusstift nehmen jetzt Bewohner in einem vom Heim kostenlos zur Verfügung gestellten Raum an den Übungsstunden teil, der Verein darf aber auch eigene Mitglieder begrüßen und dort mit ihnen Sport treiben. "Von dieser Vereinbarung profitieren beide Seiten gleichermaßen, denn für die Vereine ist die Raumknappheit immer ein großes Problem. Unsere Bewohner wiederum müssen nichts für die Stunden zahlen. Außerdem können wir so Vorbehalte abbauen und Gästen zeigen, dass ein Altenheim von innen gar nicht mal so schlimm sein muss", sagt Remy Reuter, Leiter des Gerricusstifts. Für ihn bedeutet "in Bewegung bringen" aber nicht nur, sich sportlich zu betätigen. Der noch nicht ganz fertiggestellte Sinnesgarten in der Einrichtung bietet Wind-, Wasser- oder Klangspiele ebenso wie Riechsäulen. "So ein Umfeld genügt manchmal schon, um Anreize zu bieten, sich in Bewegung zu setzen - was dann wiederum die Pflegebedürftigkeit verlangsamt", erklärt Reuter.

Bei Gabriele Schröder kommt man hingegen durchaus ins Schwitzen. Die erfahrene Trainerin vom Gerresheimer TV weiß, wie sie ihre bisweilen betagten Schüler motivieren muss. Das sie im Alltag womöglich auf einen Rollator angewiesen sind, stehe einer Teilnahme nicht im Wege. Aber: "Nur allein mit Stuhlgymnastik kann man auf Dauer einen Senior nicht aus dem Sofa locken", sagt auch Axel Scherschel vom Stadtsportbund, der bei dem Modellprojekt mit im Boot sitzt. Schröder verwendet Bälle, Reifen, Tücher oder auch Brasils (kleine benoppte und mit Sand gefüllte Handtrainer aus Gummi) und vor allem viel Musik bei ihren Einheiten, um die Stimmung und eben die Bereitschaft, sich zu bewegen, zu fördern. "Wenn mir dann zum Beispiel ein Teilnehmer nachher bestätigt, er könne plötzlich wieder die Treppe hochgehen und habe bewusst den Aufzug ignoriert, ist das schon so etwas wie eine Bestätigung meiner Arbeit", sagt Schröder. Viele würden bereits direkt im Anschluss an eine Einheit Besserungen spüren, sich beweglicher fühlen - und entsprechend gerne wiederkommen. Unbestritten auch: Sportliche Betätigung habe direkten Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten.

Der demografische Wandel habe dafür gesorgt, das Modellprojekt ins Leben zu rufen, sagt Marcel Ernst vom Landessportbund. "Und wir würden uns natürlich wünschen, dass es auch über 2019 hinaus weitergeführt wird und es nicht bei einem Strohfeuer bleibt."

(RP)