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Düsseldorf: Stubenmädchen übernehmen Rathaus

Düsseldorf : Stubenmädchen übernehmen Rathaus

Rund 150 Möhne stürmten gestern das Gerresheimer Rathaus. Die Bürgerwehr leistete nur sehr geringen Widerstand.

Auflauf vor dem Gerresheimer Rathaus: Stubenmädchen hatten sich vor der verschlossenen Tür versammelt, wollten offensichtlich den Amtssitz übernehmen. Das Kommando über die aufrührerischen, jecken Weiber hatte Ingrid Eßer, Obermöhne der Gerresheimer Jecken Mädels. "Wir haben uns als Stubenmädchen verkleidet, weil wir heute das Rathaus sauber fegen wollen", sagte sie. Im Spaß fügte sie hinzu, dass sie mit ihren Mädels das Rathaus von dem ganzen "Muff" befreien würde. Während sich immer mehr Frauen vor dem Rathaus versammelten, formierten sich im Inneren des Gebäudes die Gardisten der Gerresheimer Bürgerwehr zur Verteidigung des Rathauses.

Pünktlich um 11.11 Uhr trat Stephan Friedel, der Präsident der Gerresheimer Bürgerwehr, vor die lärmende Meute. Friedel gab den Möhnen zu verstehen, dass die Bürgerwehr das Rathaus nicht kampflos aufgeben würde. Doch gegen die weibliche Übermacht konnten seine Leute nichts ausrichten. Lautstark forderten die jecken Frauen den Zutritt zum Rathaus und drängten zur Tür. "Ich will endlich mein Bier haben", rief eine Möhne aus der Menge.

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Bezirksvorsteher Hanno Bremer, der mit dem goldenen Rathausschlüssel kam, ließ sich auf eine kurze Diskussion mit Obermöhne Ingrid Eßer ein. "Wir sind unbestechlich, bei uns kommt keiner so einfach rein", meinte Bremer. Der Protest der jecken Weiber war groß und nur Sekunden später reckte Eßer den Schlüssel der Masse entgegen. Unter Jubelrufen zogen die Möhne ins Rathaus ein.

Drinnen wurden sie von der Leiterin der Bezirksverwaltungsstelle, Claudia von Rappard, empfangen. "Der Rathaussturm läuft allein deshalb schon ohne großen Widerstand ab, da ich als Frau ja schon drin bin", sagte die als Biene verkleidete von Rappard. Bezirksvorsteher Bremer fand trotzdem lobende Worte für die Bürgerwehr. "Sie machen ihren Job wirklich gut. Nur was sollen sie auch schon tun, wenn der Chef hier eine Frau ist", sagte Bremer.

Beim Gerresheimer Rathaussturm stand auch dieses Jahr wieder das gemeinsame Feiern im Vordergrund. Für die rund 150 Jecken gab es erst einmal 40 Liter Freibier, Frikadellen und Berliner zur Stärkung. Das Essen und Trinken wurde von der Saubande verkauft, die den Veedelszoch in Gerresheim mitorganisiert. "Den Erlös aus dem Verkauf stecken wir in den Zug am Sonntag", sagte Wilfried Deutmarg, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Saubande.

Auch wenn an Altweiber traditionell die Frauen das Sagen haben, feierten viele Männer im Rathaus mit. Hans Rainer Godehardt war einer von ihnen. Er war extra aus dem Sauerland angereist, um mit seiner Lebensgefährtin mitzufeiern. Für Godehardt war der Rathaussturm ein ganz besonderes Erlebnis. "Ich kenne Karneval nicht in so einer Größenordnung", sagte der Rentner beeindruckt.

(RP)