Gerresheim : Nach dem Fest ist vor dem Fest

Den Höhepunkt der Schützensaison zu organisieren, bedeutet einen riesigen Aufwand. Auch in Gerresheim sind die Verantwortlichen Monate vorher schon damit beschäftigt, Genehmigungen einzuholen oder Kapellen zu verpflichten.

So einen Festumzug zu organisieren und eine kleine Kirmes aufzubauen, das kann doch so viel Arbeit nicht sein, meinen bestimmt viele. Weit gefehlt: "Die Organisation eines Schützenfestes bedeutet jedes Jahr aufs Neue einen enormen Aufwand, der natürlich in der Freizeit zu verrichten ist", sagt Rolf Binnebößel, 1. Chef der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Gerresheim. Zusammen mit dem 2. Chef Stephan Friedel und Schriftführerin Ute Schwarz setzt er zum Beispiel den vierseitigen Regimentsbefehl auf, in dem der Ablauf des Festes bis ins letze Detail festgelegt wird. "Wir kümmern uns auch um die Öffentlichkeitsarbeit oder die Ehrengäste", erklärt Binnebößel. Besonders aufwendig ist die Arbeit am 80-seitgen Festheft. "Das bedeutet vor allem klassisches Klinkenputzen bei den Anzeigenkunden."

Aber natürlich kann die Vereinsspitze allein die Vorbereitungen nicht stemmen. Da gibt es etwa noch den Platzmeister Theo Hanußek, der sich zum einen um die Genehmigung für die Nutzung des Kirmesplatzes, die Wasserzu- und Abwasserabfuhr kümmern muss und darüber hinaus bei der Verhandlung mit den Schaustellern die Fäden in der Hand hält. "Es wird zunehmend schwerer, eine kleine Stadtteilkirmes zu bestücken. Und wenn dann noch parallel ein ähnlich großes Schützenfest wie in Eller stattfindet, erleichtert das die Aufgabe auch nicht unbedingt. Dennoch versuchen wir nach Möglichkeit, die Schausteller mit Fünf-Jahres-Verträgen an uns zu binden", erläutert der 1. Chef, der für das bevorstehende Schützenfest in Gerresheim mit einer Raupe mal wieder ein größeres Fahrgeschäft für Gerresheim in Aussicht stellt.

Um die Musik kümmert sich Oberst Wolfgang Koch, der zudem die behördlichen Genehmigungen für den Festumzug einholt und den Kontakt zur Polizei hält. "Unser Glück ist, dass wir keine sicherheitsrelevanten Auflagen beachten müssen", sagt Binnebößel. Wer wo wann an welcher Position im Zug zu stehen hat, entscheidet ebenfalls Koch. Immerhin gilt es, 275 Gerresheimer Schützen plus zahlreiche Gäste, 60 Pferde, sechs Kapellen und Tambourcorps sowie drei weitere Spielmannszüge so innerhalb des Zuges zu verteilen, dass sich niemand ins Gehege kommt.

Die Programmgestaltung im Festzelt obliegt Festwart Detlev Nowak. "Er muss dabei auch den Blumenschmuck oder den Empfang der Ehrengäste koordinieren", erzählt Binnebößel, der außerdem noch einige weitere Stützen aus der Führungsetage der Gerresheimer Schützen erwähnt haben will, ohne die eine nicht zu schließende Lücke entstehen würde: Jugendwartin Monika Voßen kümmert sich um den Nachwuchs, organisiert Übungsschießen und lädt zu Ausflügen ein. Die Schießleiter Dieter Koch und Helmut Laskowski halten den Schießplatz in Schuss, sichern die Waffen, bereiten das Regimentsschießen vor. "Das alles kostet viel Zeit und kann nur im Team gelingen", sagt Rolf Binnebößel, der sich dann aber auch immer wieder bestätigt sieht. "Wenn es wie bei uns sechs Anwärter für die Königswürde gibt, ist das schon außergewöhnlich. Auch, dass in den Kompanien vielfach bis zu zehn Jugendliche mitmachen, ist eine Seltenheit." Eines jedoch ändert sich für ihn nie: "Wenn das Schützenfest vorbei ist, muss ich erst einmal in den Urlaub fahren."

(arc)