Historie : Gerresheimer Seidenfabrik war nicht das Werk von Heye

Dass die Dependance errichtet wurde, um den Frauen und Töchtern der Glasbläser ein eigenes Einkommen zu ermöglichen, ist eine Legende.

Dass die Hildener Seidenweberei Gressard zeitweise eine Dependance in Gerresheim besaß, ist bekannt. Dass dieses Zweigwerk aber auf Initiative der Leitung der Gerresheimer Glashütte um Ferdinand Heye errichtet worden wäre, um den Frauen und Töchtern der Glasbläser ein eigenes Einkommen zu ermöglichen, ist nichts anderes als eine Legende.

Das glauben die Macher des „Gerrikuss“, dem Magazin für Stadtteilgeschichte, in ihrer neuen Ausgabe belegen zu können. „Das Hildener Hauptwerk von Gressard gehörte zu den führenden Werken in Deutschland und war international vernetzt. Jedoch betrieben ausländische Konkurrenten eine Schutzzollpolitik und veränderten Modegewohnheiten, sodass es zu teilweise erheblichen Schwankungen in der Produktion kam“, erklärt Peter Stegt, der das Magazin im Vorjahr zusammen mit Hanno Parmentier gegründet hat. Dennoch: Ende des 19. Jahrhunderts war das Werk gerade auf einem Höhepunkt: Die Zahl der benötigten Arbeiter konnte auf dem Hildener Arbeitsmarkt nicht mehr rekrutiert werden. Deshalb kaufte die Leitung des Hildener Werks 1896 ein Grundstück an der heutigen Dreifaltigkeitsstraße vom bisherigen Eigentümer – der Glashütte. „Damit ist der Zusammenhang zur Glasfabrik, die ja über einige Grundstücke an der Heyestraße verfügte, aber auch schon erschöpft“, betont Stegt. Die 1897 eröffnete Gressard-Fabrik schloss ihre Pforten wegen einer abflauenden Konjunktur schon 1908 wieder. Dass die zahlreich vorhandenen weiblichen Arbeitskräfte in Gerresheim den Hildenern sehr genehm waren, ist leicht verständlich: Sie arbeiteten zu deutlich niedrigeren Löhnen als die männliche Konkurrenz. Weitere Infos unter projekt-gerresheim.de/projekte/gerrikuss.html.

(arc)
Mehr von RP ONLINE