Renaturierung Pillebach : Elf Millionen Euro für den Pillebach

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie erfordert sogar für ein Mini-Flüsschen ziemlich teure Umbaumaßnahmen.

Es ist nicht so, dass ein sieben Kilometer langes Bächlein wirklich im Fokus der Europäischen Union liegen würde. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie gilt aber eben auch für ein Fließgewässer wie den Pillebach, der sich von der Blanckertzstraße in Ludenberg bis zur Torfbruchstraße in Gerresheim durch den Stadtbezirk 7 schlängelt, wo er auf Höhe des Bauhaus-Marktes in die Nördliche Düssel fließt. Die Richtlinie besagt, dass unter anderem auch Flüsse von der Quelle bis zur Mündung in einen qualitativ guten Zustand zu setzen seien. Das hat den Stadtentwässerungsbetrieb dazu veranlasst, schon 2008 ein Gewässerbewirtschaftungskonzept aufzusetzen (2015 wurde es fortgeschrieben), das jedoch ganzheitlich zu sehen ist, wie Axel Heinen erläutert. Es geht nicht allein um Renaturierung im klassisch ökologischen Sinne, sondern vor allem auch um den Bau von Rückhaltebecken, um die Entwässerung (und hier spielt der Pillebach mit einem Einzugsgebiet von 9,6 Quadratkilometern eine durchaus relevante Rolle) zu optimieren und nicht zuletzt die Drosselwassermenge zu reduzieren.

In diesem Rahmen ist in den vergangenen Jahren bereits viel geschehen, Neubaumaßnahmen für mehr als fünf Millionen Euro wurden umgesetzt. Doch weitere sechs Millionen Euro werden benötigt, um die Arbeit abzuschießen. Das macht allein schon deswegen Sinn, so Heinen, weil eine sonst erforderliche Nachrüstung bereits vorhandener Beckenanlagen den Steuerzahler unter dem Strich noch teurer zu stehen kommen würde. Die wichtigsten Maßnahmen, die jetzt noch angepackt werden müssen:

Blanckertzstraße Hier soll ein Regenklärbecken entstehen, um den Schadstoffeintrag in den Pillebach spürbar zu minimieren. Der Baubeginn steht noch nicht fest, die Kostenschätzung schon: 1,5 Millionen Euro. Ein weiteres Regenklärbecken ist im Bereich Pelmannstraße geplant. Mitte 2020 soll es losgehen, 475.000 Euro sind hier nötig.

Golfplatz Für den naturnahen Ausbau des Pillebachs unterhalb des Golfplatzes auf einer Länge von 1,9 Kilometern liegt der Genehmigungsbescheid vor, die Planung ist seit Ende vergangenen Jahres abgeschlossen, noch in diesem Oktober sollen die Arbeiten starten. 2,7 Millionen Euro ist es der Stadt wert, die Gewässerstruktur zu verbessern. Auch die Sohlen-Halbschalen sollen wieder entfernt, der Verlauf geschwungen und das Wasser ökologisch aufgewertet werden. „Die Vegetation entwickelt sich dann selbstständig“, so Heinen.

Bergische Landstraße Der naturnahe Gewässerausbau der Bergischen Landstraße bis Dernkamp wurde bereits umgesetzt, jetzt fehlt aber noch das Regenklär- und Regenrückhaltebecken. Auch für diese Maßnahme ist nun der 1. Oktober als Datum für den Baubeginn vorgesehen.

Dernbuschweg Die Einleitung am Dernbuschweg und am Peckhausweg wird aufgehoben und das anfallende Niederschlagswasser über den neu zu errichtenden Sammler vom Am großen Dern bis zum Becken an der Gerricusstraße geleitet. Darüber hinaus soll der Pillebach vom Dernbuschweg bis zum Peckhausweg renaturiert werden: Die Sohlbefestigung wird entfernt, die Gewässersohle angehoben, statt so genannter Abstürze im Wasser soll eine Fischaufstiegsanlage eingebracht werden. Kosten: 950.000 Euro.

Heyestraße Zwischen Dreifaltigkeits- und Heyestraße floss der Pillebach größtenteils in Rohren. Inzwischen wurde er teilweise freigelegt, auch am Verlauf wurde Hand angelegt. Nicht zuletzt wurde die Einleitung des Niederschlagwassers aufgehoben. Bis zur Torfbruchstraße soll nun noch die Sohlrampe zurückgebaut werden.