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Gerresheim: Luftschiffe und Wirbelstürme in der Kirche

Gerresheim : Luftschiffe und Wirbelstürme in der Kirche

"Luft ist nicht nichts" ist das Thema der 17. Großen Kunstausstellung des Kulturkreises Gerresheim, die heute beginnt.Es beteiligen sich 27 Künstler - viele davon aus Düsseldorf - mit ihren Werken.

Zwölf mal vier Meter misst das Luftschiff des international bekannten Künstlers Jens J. Meyer, das derzeit über dem Mittelschiff der Basilika St. Margareta zu schweben scheint. Mit nur vier Kilo Masse ist das Objekt, geknüpft aus großen Segeltüchern, ein wahres Leichtgewicht - die Fäden, die es an Säulen und Decke befestigen, sind daher kaum zu sehen. Dieses raumfüllende Kunstwerk ist einer der auffälligsten Bestandteile der 17. Großen Kunstausstellung des Kulturkreises Gerresheim, die heute beginnt. Die steht zum ersten Mal unter einem festen Thema und das, man ahnt es, hat mit Luft zu tun.

"Luft ist nicht nichts" nennt Kuratorin Beate Johlen-Budnik das Konzept. Als studierte Philosophin fand sie Inspiration bei den alten Griechen. Denn Pneuma, was im Altgriechischen soviel wie "Luft", "Atem" oder "Hauch" bedeutet, hatte für die antiken Philosophen vielfältige Bedeutungen. "Nichts ist nur eine Sache der Definition, das wollen wir mit der Ausstellung verdeutlichen", erklärt Johlen-Budnik. "Dementsprechend haben die Künstler sehr unterschiedliche Zugänge zu diesem Thema gefunden und arbeiten mit verschiedensten Materialien. Von biographischen bis zu zeitgenössischen Arbeiten ist alles dabei."

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Den kuriosesten Versuch wagte dabei die Düsseldorfer Künstlerin Dorothee Büsse. Auf einem simplen Hinweisschild verkauft sie zum stolzen Preis von 24 000 Euro - nichts. Doch nicht einmal im Gegensatz dazu wirken die Werke der anderen Künstler auch nur in geringster Weise klassisch. Ob Wasserdampf, Luftdruck, Wind oder Himmelswesen, die durch die Lüfte gleiten: Das Thema Luft hat viele Facetten. In ihrem Kunstwerk "move", einer großformatigen und dreidimensionalen Arbeit auf Papier, projiziert die Künstlerin Heike Ludewig beispielsweise die Schwebezustände der menschlichen Existenz auf das Gefühl während eines Luftsprungs - und hält diesen dazu plastisch mitten in der Luft an. Aber auch Profanes wie die Wäsche, die in Volker Beindorf-Wagners Radierung "Silvios Basics" auf der Leine hängt, findet in der Sammlung seinen Platz.

Obwohl die Gerresheimer Kunstausstellung in ihrer 17-jährigen Geschichte stetig gewachsen ist und mittlerweile international tätige Künstler in ihren Reihen zählt, kommen weiter viele Beteiligte aus Düsseldorf und Umgebung. So wird das Thema Luft, wie bei Inken Heske, auch im Bezug auf die jüngste Düsseldorfer Geschichte interpretiert. In ihrem großformatigen Linoldruck thematisiert die Künstlerin auf abstrakte Weise Sturm Ela, der im Juni 2014 verheerende Schäden in der Stadt anrichtete. Denn dass Luft nicht nur Leichtigkeit und Freiheit bedeutet, sondern genauso Luftverschmutzung und Umweltschäden, zeigt die Ausstellung ebenso unverhohlen.

Zum ersten Mal nutzt die Kunstausstellung in diesem Jahr die Räume der Basilika St. Margareta, des Kreuzganges und des Stiftsgebäudes. Das begrüßt auch Karl-Heinz Sülzenfuß, leitender Pfarrer in Gerresheim: "Ich persönlich finde oft einen neuen Zugang zu den Aussagen meiner Religion durch die Betrachtung der Kunst innerhalb und auch außerhalb der Kirchen", erklärt der Priester. Kunst sieht er als "Gesprächspartner". In diesem Sinne will auch die Ausstellung in den kommenden Tagen den Dialog um dieses "nichts" - oder die Definition dessen - anregen.

(RP)