Janine Ambeck sucht eine Wohnung in Gerresheim

Für wen die Wohnungssuche besonders schwer ist. : Nicht die ideale Mieterin

Eine Angststörung und zwei Hunde erschweren die Wohnungssuche von Janine Ambeck. Sie erhält aber auch Zuspruch.

Kinderlos, festes Einkommen, Nichtraucher, keine Haustiere. Wer diese Kriterien erfüllt, der gefällt potenziellen Vermietern. Einfach ist es dennoch nicht, in Düsseldorf bezahlbaren Wohnraum zu finden. Doch wer gleichzeitig noch besondere Bedürfnisse hat, für den gestaltet sich die Suche nach einer Wohnung zu einer Odyssee – ohne glückliches Ende in Sicht. So auch für Janine Ambeck aus Gerresheim. Die 33-jährige ist zurzeit arbeitslos und Hundebesitzerin. Und aufgrund einer Angststörung ist ihr Suchrradius auf ihr Heimatviertel begrenzt.

„Ich weiß natürlich, wie die momentane Wohnungssituation in Düsseldorf aussieht“, sagt Ambeck. Die Chancen für sie stehen nicht gut. Seit über vier Wochen schreibt sie Hausverwaltungen, Wohnungsbaugenossenschaften und Vermieter an. Nur von wenigen erhielt sie überhaupt eine Antwort. Die lautetet in der Regel wie folgt: Sie solle sich über die Webseite auf eine bestimmte Wohnung bewerben, man setze sie gegebenenfalls auf eine Warteliste.

Die Gerresheimerin möchte gerne in ihrem Heimatviertel bleiben, eine Alternative sei Grafenberg. „Das ist meine vertraute Umgebung, hier bin ich aufgewachsen“, sagt sie. „Je weiter ich von Zuhause weg bin, desto unwohler fühle ich mich. Ich habe Angst, dass etwas passiert.“ Denn Janine Ambeck leidet unter Agoraphobie, eine Angststörung. Bei Betroffenen wird die Angst durch weite Plätze oder Menschenmengen ausgelöst, Panikattacken sind die Folge. Im Extremfall können sie die eigene Wohnung nicht verlassen. Aus dem Elternhaus auszuziehen, ist bereits eine Belastung. „Ich brauche eine Wohngegend, wo ich mich sicher fühle“, sagt die gelernte Bürokauffrau.

Ihre beiden Hunde abzugeben, um bessere Chancen zu haben, kommt für Janine Ambeck nicht infrage. Denn Akeem, ein Rhodesian Ridgeback, und ihre Dalmatiner-Hündin Negrita sind ihre „moralische Stütze“, sagt Ambeck. „Es hat mir gut getan, mir die Hunde anzuschaffen. Mit ihnen fällt es mir leichter, vor die Tür zu gehen.“

Sie veröffentlichte auch ein Gesuch in einigen sozialen Netzwerken. Eine Nachricht von einem Mann klang vielversprechend. „Er schickte mir Fotos von den Räumen. Auch sein Facebook-Profil schien authentisch“, sagt Janine Ambeck heute. Doch eine Wohnung hatte er nicht, stellte sich schließlich heraus, er wollte sie lediglich anbaggern. „Das ist so eine miese, arglistige Vorgehensweise“, rekapituliert Ambeck. Schließlich hatte der Mann ihre Hoffnung geschürt.

Mitleid, das möchte Janine Ambeck ausdrücklich nicht. Doch sie freut sich über viele wohlwollende Facebook- und Ebay-Nachrichten. „Es gibt Menschen, die haben das Herz am rechten Fleck“, sagt sie. „Mir haben viele Leute geschrieben mit Wohnungen in Hannover, Aachen und dem Westerwald.“ Nur Gerresheim – das war leider noch nicht dabei.

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