Gerresheim: Immer schön den Ball flachhalten

Gerresheim: Immer schön den Ball flachhalten

Joshua Mbasha ist auf Verbandsebene der beste Tennisspieler seines Jahrgangs. Der Zehnjährige vom Post SV bleibt trotzdem ganz entspannt. Dennoch träumt Joshua natürlich insgeheim von der ganz großen Tennis-Karriere.

Tennisspieler Joshua Mbasha ist Ende vergangenen Jahres Verbandsmeister seines Jahrgangs geworden. Souverän ist der Zehnjährige durch das Turnier der U11 marschiert, hat keinen Satz abgegeben. Sonderlich aufgeregt hat ihn das nicht, was seine Mutter aber auch nicht anders erwartet hätte. "Er ist geerdet, geht gechillt durchs Leben, und das ist gut so", sagt Susanne Mbasha.

Die ehemalige Voltigiertrainerin auf internationalem Niveau weiß, was es bedeutet, viel zu reisen, und das muss die Vollzeitbeschäftigte trotz zweier weiterer Kinder inzwischen auch mit Joshua. Nicht ganz so weit natürlich, bis nach Bayern und dann auch gleich drei, vier Tage lang für ein Turnier sind es dann aber schon durchaus mal. "Aber das ist kein Problem, er macht das gerne und hat es sich mit seinem Talent mehr als verdient. Hauptsache, andere Sachen kommen nicht zu kurz, und Joshua verliert nie die Bodenhaftung ", sagt die Mutter.

Die Gefahr ist bei dem Schüler des Gerresheimer Marie-Curie-Gymnasiums mit dem Lieblingsfach Mathe gering, er ist ein Zweier-Schüler, "das fliegt ihm einfach zu", so Susanne Mbasha. Nur das Fußballspielen bei den Sportfreunden Gerresheim will er nun bald aufgeben, "dann gehört der Freitag künftig meinen Freunden", sagt der Zehnjährige. Als Siebenjähriger hat er Tennis ernsthaft für sich entdeckt, seit dem ersten Tag ist Oliver Gaudlitz sein Coach. Spätestens, als Joshua als noch relativ ungeübter Spieler bei einem Kleinfeldturnier auf Bezirksebene bis ins Finale einzog, stand auch für den Trainer fest: "Aus dem kann was werden. Er war sofort sehr beweglich, ballsicher, zudem für sein Alter groß, und er hat bis heute enorme Fortschritte gemacht. Jetzt stellt sich halt nur die Frage, ob er am Ball bleibt oder nicht."

Daran besteht zurzeit jedenfalls kein Zweifel, zumal Joshua beim Post Sportverein das ideale Umfeld gefunden zu haben scheint. "Hier ist alles noch sehr bodenständig, auch um Joshua wird trotz seiner Erfolge kein Hype veranstaltet. Dennoch ist die Unterstützung vom Verein groß", bestätigt Susanne Mbasha.

Im Tennisverband Niederrhein zählt der bald Elfjährige zum Verbandskader, der erste Junge aus dem Verein, der das geschafft hat. Seit dem vergangenen Jahr wird der Trainingsaufwand intensiviert, zu den zwei Einzelstunden mit Gaudlitz bei Cosmo Sports kommen weitere Einheiten auf Bezirks- oder Verbandsebene, Athletik- und Konditionstraining sowie die Turniere. 60 Matches hat Joshua Mbasha 2017 gespielt. "Das ist nicht wenig, hält sich aber noch in Grenzen, und ich kann ihm ja schlecht sagen, er soll in einem Turnier früh ausscheiden", findet die Mutter.

Inzwischen ist er schon öfters gegen ältere Spieler angetreten, hat zudem die Nummer 12 in Deutschland seines Jahrgangs mit 6:2 und 6:1 vom Platz gefegt. "Unser Ziel ist es zunächst einmal, sich in der Verbandsspitze zu etablieren, mittelfristig hat er aber auch durchaus das Zeug dazu, die deutsche Elite anzugreifen", formuliert es Oliver Gaudlitz.

Bei all dem bleibt Joshua Mbasha, dessen Vater aus Tansania stammt, bescheiden. "Ich muss den Respekt behalten, auch wenn der Gegner unterlegen ist", sagt der Zehnjährige, der für sein Alter kaum Schwächen hat, äußerst variabel spielt, über starke Aufschläge und Volleys verfügt. Ein Manko vielleicht: "Oliver sagt, ich müsste emotionaler auf dem Platz sein, auch mal die Faust ballen, den Gegner mit meiner Körpersprache beeindrucken", erzählt der 1,60 Meter große Jugendspieler. Seine Vorbilder: Natürlich Roger Federer, aber auch Dustin Brown oder der Franzose Gael Monfils, "der ist cool, hat viel Spielwitz und schlägt schon mal den Ball mit dem Rücken zum Netz durch die Beine".

Im Verein nimmt er auch am Ligabetrieb teil. "Es ist immer gut, wenn man weiß, wo man herkommt", begrüßt Oliver Gaudlitz das. "Und dass man nicht so auf den Putz haut", ergänzt Susanne Mbasha. "Aber auch, dass man gewinnt", betont Joshua, der sein nächstes Ziel, die (inoffiziellen) Deutschen Meisterschaften der U12 im August in Detmold, schon fest vor Augen hat. Fast 150 Spieler seines Alters werden dann antreten, um die Nummer eins in Deutschland zu sein. Eine Chance für Joshua, sich für noch höhere Aufgaben zu empfehlen. Was nicht bedeutet, dass er sich deswegen unter Stress setzt.

(arc)