Gerresheim: Hunde willkommen

Gerresheim: Hunde willkommen

Im Ferdinand-Heye-Haus dürfen Mitarbeiter ihre Vierbeiner mitbringen. Das haben sie in einem Schwarz-Weiß-Kalender festgehalten.

Hundebesitzer kennen dieses Problem: Wohin nur mit dem geliebten Vierbeiner während der Arbeit? Im Ferdinand-Heye-Haus der Diakonie an der Benderstraße stellt sich diese Frage nicht: Bis zu 15 Hunde bevölkern die Senioreneinrichtung in Gerresheim - nie alle gleichzeitig, versteht sich, auch wenn es durchaus Stammgäste gibt. Die älteren Bewohner jedenfalls freuen sich über die tierische Ablenkung.

Einrichtungsleiterin Andrea Köhler und ihr Willy sind ein Herz und eine Seele. Foto: Heinz-Dieter Wurm

"Alle sind gut erzogen, es hat noch nie ein Problem gegeben, keiner hat sich beschwert", sagt Einrichtungsleiterin Andrea Köhler, die auf die ständige Anwesenheit ihres Hundes Willy ebenfalls nicht verzichten will. Außerdem verteilen sich die ehrenamtlichen Helfer auf vier Pfoten auf die unterschiedlichen Wohnbereiche. Leni und Hulk zum Beispiel haben sich in der Oase, wo bettlägerige Bewohner untergebracht sind, als unverzichtbare Pflegekräfte erwiesen. Auch Sammy von Tagespflegeleiter Kevin Dölle ist nahezu täglich im Heye-Haus unterwegs. "Das sind in der Regel alles keine ausgebildeten Therapiehunde, das müssen sie aber auch gar nicht sein", erzählt Köhler, "sie machen uns, und damit meine ich besonders die Bewohner, auch so glücklich".

Ute Bartsch und Luka machen auf den Fluren des Bereichs Oase gerne mal ein kleines Rennen. Auch wenn der Vierbeiner dafür eine Motivation benötigt. Foto: Heinz-Dieter Wurm

Nur ein Beispiel: Kürzlich ist ein Bewohner aus seinem Rollstuhl aufgestanden und hat den kleinen Odin von Carina Schulz im Rollstuhl eine Runde durch das Haus gefahren. "Das war für beide ein Riesenspaß", so Köhler. Aber auch sonst sorgen die Hunde dafür, dass die Bewohner sich bewegen, sich bücken müssen, um das Tier zu streicheln, selbst Palliativpatienten erleben ein Glücksgefühl, wenn sie ihre Hand in das weiche Fell tauchen können. "Und für die Mitarbeiter ist es natürlich ohnehin positiv, wenn sie ihren Hund an der Seite wissen und zwischendurch auch mal für einen kleinen Spaziergang raus kommen", berichtet Köhler aus Erfahrung.

Tagespflegeleiter Kevin Dölle und sein Terrier bilden ein eingeschworenes Team. Sammy zählt zu den Stammgästen im Ferdinand-Heye-Haus. Foto: Heinz-Dieter Wurm

Vor Weihnachten ist dann die Idee entstanden, die Mitarbeiter und ihre Hunde von dem Fotografen Heinz-Dieter Wurm für einen Foto-Kalender ablichten zu lassen - als Geschenk für Mitarbeiter und Bewohner. "Alle waren sofort Feuer und Flamme, und das Ergebnis kann sich auch wirklich sehen lassen", erzählt Andrea Köhler. 100 Stück sind noch übrig, und die können nun an der Rezeption der Einrichtung am Apostelplatz 1 von jedermann für 15 Euro erworben werden. Das Geld wird gut reinvestiert, garantiert die Leiterin, die mit dem Erlös ein weiteres engagiertes Projekt des Heye-Hauses finanzieren möchte.

Brigitte Lemke hat zwischendurch immer mal Zeit für einen kleinen Spaziergang mit Hündin Livi. Foto: Heinz-Dieter Wurm

Es hat ebenfalls mit Fotos zu tun und knüpft an die Tage an, als Eckhart von Hirschhausen 2016 sich für drei Tage in das Heye-Haus eingemietet hat, um über die Pflege eine ARD-Dokumentation zu drehen. "Auch wir arbeiten an unserer Außenwirkung, denn Pflege hat nicht immer den besten Ruf. Insofern ist es wichtig, dass wir uns nach außen öffnen und die Menschen zum einen sehen, dass hier eben nicht nur Schwerstkranke leben und zum anderen die Mitarbeiter auch stolz darauf sind, was sie hier leisten", erklärt Köhler. Bei dem Projekt sollen nun Freiwillige zusammen mit Erinnerungsstücken aus ihrer Vergangenheit und einem alten Foto von sich abgelichtet werden. "Wir haben sogar drei Paare gefunden, die mitmachen", sagt Köhler.

Diese Porträtaufnahmen sollen dann auf Lochfolie gezogen und für rund drei Monate von April bis Juni die Fensterfront des Café Frau Heye in dem Haus schmücken. "So werden die Bewohner mit ihren schönen Erinnerungen nach außen sichtbar. Das baut Berührungsängste ab und zeigt, dass auch im Alter Lebensfreude und Würde erhalten bleiben können", erläutert Andrea Köhler.

(arc)