Händler an der Heyestraße in Düsseldorf beklagen Umsatzeinbußen

Handel in Düsseldorf : Fünf nach Zwölf an der Heyestraße

Die Händler schlagen Alarm, Zwangsversteigerungen werden befürchtet, auch der Zusammenhalt bröckelt.

Cornelia Oßwald kennt sich im Gerresheimer Süden aus wie kaum eine Zweite, 35 Jahre lebt die evangelische Pfarrerin hier. Ihr Wort hat Gewicht, und wenn sie von der Gegend rund um die Heyestraße spricht, fallen ihr trotz aller Probleme zuallererst positive Dinge ein: „Die Menschen reden Klartext, sie sind trotz sozialer Probleme zudem Lebenskünstler. Das nachbarschaftliche Engagement ist riesengroß, die Integration funktioniert, die Identifikation mit dem Stadtteil ist enorm. Und: Niemand lässt den anderen im Stich.“

Das alles könnte Mut machen, eine Perspektive aufzeigen, die Stimmung ist aber eine andere – zumindest unter den Händlern. In der Sitzung der Bezirksvertretung 7 war die wirtschaftliche und soziale Situation im Gerresheimer Süden Thema. Zahlreiche Nackenschläge mussten die Geschäftsleute in der Vergangenheit erleiden: Warten auf das Glasmacherviertel, Wegfall der Unfallkasse als Arbeitgeber und der Sparkasse, Parkplatznot, Abriss und Neubau an der Hagener Straße, Konkurrenz durch die Benderstraße sowie mangelnde Aufenthaltsqualität. Dass die Stimmung entlang der Einkaufsstraße demnach nicht rosig ist (Leerstands-Quote: 25 Prozent), war klar. Dass alles noch viel schlimmer zu sein scheint, machte in der Sitzung aber der Apotheker Stefan Major klar: „Es ist nicht mehr fünf vor, es ist längst schon fünf nach Zwölf“, klagt er.

Der Kundenschwund sei enorm, sogar ein renommierter Laden wie Tabakwaren Philipp denke darüber nach, aufzugeben. Sollte im Glasmacherviertel ein neuer Vollsortimenter mit vielen Parkplätzen hinkommen, sei ein solcher Publikumsmagnet der endgültige Todesstoß für die Heyestraße. Dass in dem Neubauviertel, dessen Entwicklung natürlich viel zu lange dauere, auch noch das ursprünglich vorgesehene Gewerbeband gestrichen worden sei, „ist für uns fatal“. Da an der ursprünglichen Planung inzwischen so viel herumgedoktert worden sei, fordert Major eine neue Bürgerbeteiligung. Oder doch wenigstens einen ausreichend großen Park&Ride-Platz in der Nähe, um dem hohen Parkdruck an der Heyestraße Herr zu werden.

Die Händler haben sich inzwischen an einen Runden Tisch gesetzt, an dem auch die IHK Platz genommen hat. Sven Schulte, Referent für Handel und Stadtentwicklung, weiß um die Sorgen der Geschäftsleute: „Der Handlungsdruck ist groß, neue Kaufkraft kann eigentlich nur durch neuen Wohnraum geschaffen werden.“ Ob die Händler dafür den notwendigen langen Atem beweisen, sei offen, „es ist aber mit Sicherheit der falsche Ansatz, Konkurrenz zu verteufeln, das kann einen Standort auch insgesamt attraktiver machen“.

Die Politik weiß natürlich ebenfalls, wo der Schuh drückt. Elke Fobbe (SPD) hält es allerdings für verfrüht, die Flinte ins Korn zu schmeißen. Im Glasmacherviertel und erst recht bei dem Neubauvorhaben gegenüber entstünden Gastronomie, ein Hotel, eine Kita, Ärzte und Anwälte könnten sich dort ansiedeln, die ja auch einkaufen müssten. Michael Möller (Sportpartei) fordert dennoch eine Task Force der Stadt, um den Wegfall der Arbeitsplätze bei der Unfallkasse zu kompensieren. Was jedoch für die Händler an der Heyestraße noch schlimmer wiegen könnte, sei der „Zerfall der Einheit“, wie Oßwald beklagt. Und auch Schulte formuliert den dringenden Appell: „Arbeiten sie miteinander und nicht gegeneinander.“

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