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Grünkohlabend im Gerricusstift in Düsseldorf Gerresheim mit Infos zum Stadtteil.

Historie in Düsseldorf : „Das schmeckt wie bei uns zu Hause“

Bewohner, Angehörige und Schüler genossen den informativen Grünkohlabend im Gerricusstift.

Das kleine Likörfläschchen zum Umhängen gab es trotzdem. Eigentlich wollten sich die Bewohner des Pflege- und Altenheims Gerricusstift mit einigen Angehörigen und drei Schülerpraktikantinnen auf Grünkohlwanderung durch Gerresheim begeben. So wie es in Norddeutschland und den Niederlanden Brauch ist. Doch der anhaltende Regen machte einen Strich durch die Pläne.

Deshalb trafen sich die 32 Teilnehmer im Speisesaal des Gerricusstifts, um die vorgesehenen sechs „Stationen“ im Herzen von Gerresheim virtuell zu erwandern. Nachdem Likörfläschchen und – als Ersatz – kleine Gummibärchentütchen am Bande verteilt waren, startete Irene Hoppe vom Sozialen Dienst des Gerricus­stifts eine kleine Powerpoint-Präsentation, die sie  mit ihrer Kollegin Katharina Beckord zusammengestellt hatte. Darin ging es vom Romanischen Heiligenhäuschen in der Gerricusstraße durch das Pfeffergässchen zum alten Pfarrhaus, in dem heute eine städtische Kita untergebracht ist.

Weitere „Fotostationen“ zeigten das 1646 errichtete, ehemalige Bürgermeisterhaus, ein liebevoll restauriertes Fachwerkhaus in der Gerresheimer Fußgängerzone sowie den Hexengedenkstein an der Schönaustraße/Ecke Dreherstraße. Er erinnert an die letzte Hexenverbrennung am Niederrhein. 1738 wurden an dieser Stelle die angeblichen Hexen Helene Curtens und Agnes Olmans grausam hingerichtet. Auch die letzte „Station“ führte zu einem Gedenkort. Zwischen Wallgraben und Märkischer Straße hält eine Steinstele die Erinnerung an eine Synagoge aufrecht. Das kleine Gotteshaus wurde von 1875 bis 1907 von der jüdischen Gemeinde Gerresheim genutzt.

Zwischen den Erklärungen zu den Gerresheimer Stationen spielte Lidia Vogel aus Erkrath auf dem Akkordeon Volkslieder zum Mitsingen. Bewohnerin Hannelore Beck, die aus Unterbach stammt und für die alle vorgestellten Orte neu waren, gefiel dies besonders gut: „Die Melodien haben die Präsentation sehr aufgelockert.“

Beim anschließenden Grünkohl­essen gibt es viel Lob für das deftige Gericht: „Es schmeckt ganz ausgezeichnet – wie bei uns zu Hause“, sagte Bewohnerin Elisabeth Föster. Auch Elisabeth Graf fand den Grünkohl „sehr lecker“. Allerdings schmeckte ihr früher das von ihrer Mutter zubereitete Kohlgemüse noch besser. „Meine Mutter kam aus einem Dorf in Pommern und konnte sehr gut kochen“, sagt die 87-Jährige. „Meine Tante hatte den hal­ben Garten voll Grünkohl“, erinnerte sich Waltraud Alisch.

An dem Abend sitzen auch drei Schülerinnen des Marie-Curie-Gymnasiums verteilt an den Tischen im Speisesaal. Die 14-Jährigen gehen in die 9. Klasse und machen in diesem Schuljahr ein Sozialpraktikum im Gerricusstift. Einmal pro Woche besuchen sie „ihre“ Bewohnerin, gehen mit ihr spazieren oder einkaufen und unterhalten sich. Wenn Raghel Meisen Elisabeth Föster trifft, erzählt sie oft von ihrem Schulalltag und ihren Hobbys Ballett und Boxen. Im Gegenzug erfährt sie viel über die Familie der 94-Jährigen. Für Luisa-Maria Rau, die mit Hannelore Beck gerne Mensch-ärgere-dich oder Uno spielt, bringt der Abend sogar noch etwas Neues mit sich: Die Schülerin hat noch nie in ihrem Leben Grünkohl gegessen.