Gerresheim: Geschichte einer vergessenen Industrie

Gerresheim : Geschichte einer vergessenen Industrie

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts stellten in Gerresheim erste Betriebe Drahtstifte, Federn und Nägel her. Im Gerresheimer Kulturbahnhof eröffnete der Förderkreis Industriepfad Düsseldorf jetzt eine Ausstellung dazu.

Düsseldorf war schon immer auf Draht, zumindest was einst die industrielle Fertigung des metallischen Materials anbetraf. Den Beweis tritt die Ausstellung "Düsseldorf auf Draht - die Geschichte einer vergessenen Industrie" eindrucksvoll an, die der Förderkreis Industriepfad Düsseldorf (FKI) zu seinem zehnjährigen Bestehen im Gerresheimer Kulturbahnhof an der Heyestraße präsentiert.

Zahlreiche Gäste konnte Franz Nawroth, Vorsitzender des rund 100 Mitglieder zählenden Vereins, der sich maßgeblich um die Industriehistorie Düsseldorfs kümmert, zur Eröffnung begrüßen. Darunter waren Ehrenvorsitzender Niklaus Fritschi, Klaudia Zepuntke, die als Bürgermeisterin die Vertretung für Oberbürgermeister Thomas Geisel übernahm, Stefan Sensen vom Deutschen Drahtmuseum in Altena sowie Friedrich-Georg Kehrer, Projektleiter der "Wire"-Messe.

Schon sehr früh, Mitte des 19. Jahrhunderts, entstanden in Gerresheim erste handwerklich aufgestellte Betriebe, die sich mit der Drahtzieherei sowie der Herstellung von Drahtstiften, Federn und Nägeln befassten. In Oberbilk und Lierenfeld entwickelten sich später konzernmäßig strukturierte Unternehmen wie die Düsseldorfer Röhren und Walzwerke oder die Düsseldorfer Draht- und Eisenindustrie.

Diese wichtige Industriephase der Stadt nachzuzeichnen, hat sich der Förderkreis Industriepfad Düsseldorf mit seiner bislang ambitioniertesten Ausstellung "Düsseldorf auf Draht - die Geschichte einer vergessenen Industrie" zur Aufgabe gemacht. Auch wenn einige einst führende Unternehmen heute vom Markt verschwunden und damit dem Vergessen ausgesetzt sind, so sind doch viele "verdrahtete" Technologien alles andere als überholt.

Innovationen wie die Glasfaser-Technologie scheinen - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung - den Kupferdraht zu verdrängen. Doch Draht ist nach wie vor allgegenwärtig. Zum Beispiel, wenn man im Supermarkt einen Einkaufswagen vor sich herschiebt. Ein Exemplar ist natürlich in der Ausstellung zu sehen. Die 26 Exponate sind vorwiegend aus dem privaten Gebrauch. Eine Kinderwiege ist dabei, ein Design-Sessel, Schneebesen und ein Sieb für die Küche, eine Fledermausfalle bis hin zur Schneiderpuppe, an der einst ein Filmkostüm für Schauspielerin Nastassja Kinski seine Form bekam. Ausstellungsstücke wie eine Rolle Stacheldraht oder ein Stück Weidezaun gehören wie das Drahtseil der Rheinbrücke Bonn sowie die verschiedenen Typen von Stromleitungen eher zu den klassischen Verarbeitungsarten.

Frühere Ausstellungen des 2008 gegründeten Förderkreises behandelten bereits das Gerresheimer Glas, 175 Jahre Eisenbahn sowie die Spur der Steine, in der es um Ziegel-Ringöfen ging. Beispielhaft ist das vom FKI initiierte Konzept, mit mehr als 20 Stelen das Bewusstsein für die industrielle Historie Düsseldorfs, des noch heute zweitgrößten Industriestandorts in NRW, wachzuhalten.

(RP)
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