Gerresheim Schüler werden zu Sternenguckern

Astronomie AG: Die Sternengucker von Gerresheim

Das Gymnasium Am Poth kooperiert jetzt mit der Sternwarte Neanderhöhe. 130 Schüler hatten sich mit ihrer unterschrift eine Astronomie AG gewünscht.

Man fühlt sich etwas an Udo Jürgens’ Erfolgsschlager „Mit 66 Jahren“ erinnert. Jürgens beschreibt darin, dass man selbst im fortgeschrittenen Alter noch nicht zu alt ist, Neues anzugehen. Das Gymnasium Gerresheim existiert bereits seit 71 Jahren, ist aber eine prosperierende Schule, modern und zukunftsorientiert und beileibe nicht zu alt für Neues.

Im Gegenteil, wie etwa die neue Astronomie AG beweist. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Wunsch von den Schülern kommt, etwas mehr in Sachen Astronomie zu machen und eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft einzurichten“, erläutert Schulleiter Raphael Flaskamp. „130 Schüler haben sich mit ihrer Unterschrift die AG gewünscht. Damit haben sie bei mir offene Türen eingerannt.“ Kein Wunder, ist das Gymnasium Gerresheim eine MINT-Schule, fördert also so ziemlich alles, was mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu tun hat. So gibt es also im Schuljahr 2018/19 erstmals Gerresheim-Gymnasiasten, die aus eigenem Bildungsinteresse in den Himmel schauen. Alle 130, die unterschrieben haben, sind nicht dabei. „Es muss ja auch zeitlich in den Wochenplan der Schüler passen. So ist leider auch derjenige nicht dabei, der sich am meisten für die Astronomie AG eingesetzt hat, weil er montags nicht kann“, so Flaskamp.

Einfach nur in den Himmel zu schauen, damit ist es nicht getan. Das Gymnasium unterzeichnete jetzt mit der Sternwarte Neanderhöhe Hochdahl in Erkrath einen Kooperationsvertrag. So stehen den 13- bis 15-jährigen Sternenguckern fünf hochwertige Teleskope und jede Menge astronomischer Sachverstand zur Verfügung. Peter Richter, Leiter der Sternenwarte, stellt genauso wie der von der Neanderhöhe als AG-Leiter abgestellte Joachim Wallasch sein geballtes Fachwissen bereit. Von schulischer Seite aus leitet Physiklehrerin Birgit Decker die Arbeitsgemeinschaft.

Die Kooperation ist für beide Partner kostenfrei. Und doch investierten die Gerresheimer in die Himmelsbeobachtung. Für 2000 Euro aus Landesmitteln schaffte die Bildungsanstalt ein Sonnenteleskop an. „Das darf und soll auch im normalen Schulunterricht benutzt werden“, verrät Flaskamp. „Nur, wenn ihr es das erste Mal benutzt, sagt mir doch bitte Bescheid. Ich möchte auch mal durchsehen.“ Etwas Glück hatte das Gymnasium auch, denn einer seiner Pädagogen fand auf dem Speicher seiner Eltern ein Refraktor-Teleskop und stellte es den Nachwuchsastronomen zur Verfügung. Die können jetzt also vom Schulhof Am Poth und auf dem Gelände der Ruderriege des Gymnasiums die Planeten und allerlei Spannendes, das sich am Himmel bewegt, beobachten.

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Mit etwas Glück helfen die Jugend-Astronomen dabei, die Frage aller Fragen zu beantworten: Sind wir die einzigen intelligenten Lebewesen im Universum? „Es gibt jedenfalls einige Optimisten auf der Welt, die uns zu den intelligenten Lebewesen zählen“, meint Wallasch augenzwinkernd. Außer Physik hat er auch Astronomie studiert und wird die AG-Teilnehmer in Sachen Planetenbahnen, Himmelsobjekte, interstellare Materie, Strahlung und Raumfahrt auf den neuesten Stand bringen und halten. Und wohl auch die wissenschaftliche Neugier sowie den Ehrgeiz fördern. Denn seit 1998 nehmen Jugendliche aus den Kursen der Sternwarte Neanderhöhe Hochdahl am Wettbewerb Jugend forscht teil. 

Das Gerresheimer Gymnasium ist ein „gebundenes Ganztagsgymnasium“. In der Erprobungsstufe knüpft die Schule an die pädagogische Arbeit der Grundschule an: Wichtig ist uns die Förderung des selbstständigen Lernens durch Förder- und Forderangebote“, sagt der Schulleiter.

Neben der Regelklasse bietet das Gymnasium Gerresheim im Rahmen des Ganztages Profilklassen mit MINT- oder sprachlichem Schwerpunkt an. Zudem gibt es Arbeitsgemeinschaften, Ruderunterricht und Begabtenförderung.