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Führung durch Düsseldorf-Gerresheim: Ein tiefer Blick in die Anfangszeit

Führung in Düsseldorf : Ein tiefer Blick in die Anfangszeit Gerresheims

Über die Geschichte des Stadtteils weiß Peter Stegt fast alles. Bei seinem Rundgang durch Gerresheim erzählt der Geschichtslehrer von den Anfängen, warum Gerresheim international bekannt ist und wie es dort zur letzten Hexenverbrennung kam.

Wahrscheinlich hat Peter Stegt mit seiner Führung „1150 Jahre Gerresheim“ keinen neuen Streckenrekord aufgestellt. Die sechs Stationen waren fußläufig in weniger als einem Kilometer Distanz zu erreichen. „Die alte Gerresheimer Stadtmauer war ja nur 300 Meter lang“, erläutert Stegt. „Sie verlief nur auf einer Seite des Ortes. Auf der Ostseite war eine Stadtmauer unnötig, denn da schützte ein Sumpf und später der Quadenhof Gerresheim.“ So konzentrierte sich alles rund um die Basilika St. Margareta und den Gerricusplatz.

Das war die Keimzelle Gerresheims. „870 stiftete der fränkische Ritter Gerrich, lateinisch Gerricus, auf seinem Land ein Kloster und setzte seine Tochter Regenberga als Äbtissin ein. Gerrich besorgte in Rom einige Reliquien des Heiligen Hyppolyt“, erläuterte Stegt. „Aus dieser Stiftung entwickelte sich ein bedeutendes hochadliges Damenstift.“ Das führte indirekt ein paar Jahrhunderte später zum Truchsessischen Krieg (1583 bis 1588) und hob Gerresheim erneut auf die Landkarte von Erzbischöfen, Grafen, Herzögen und Fürsten. Erneut? „In der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts war Theophanu, die Enkelin des damaligen Kaisers Otto II, Schwester des Kölner Erzbischofs Hermann II und der späteren polnischen Königin Richeza Äbtissin des Gerresheimer Damenstifts“, so Stegt.

Der Gerresheim-Gelehrte, der im Hauptberuf Geschichts- und Deutschlehrer ist, verwob eloquent und geschickt detailgetreue Informationen aus allen Jahrhunderten der Existenz des Düsseldorfer Stadtteils. „1909 stellte Gerresheim den Antrag, nach Düsseldorf eingemeindet zu werden. Zuerst wollte Düsseldorf nicht, aber ließ sich dann doch erweichen“, so Stegt.

International bekannt wurde Gerresheim durch Industrialisierung mit der Glashütte und als Zentrum der Drahtstifte-Industrie. „Die Drahtstiftefabrik Dreher, die bis 1932 produzierte, exportierte bis nach Kanada und Australien“, sagt Stegt. Er verschwieg auch nicht, dass 1738 in Gerresheim der letzte Hexenprozess geführt wurde und Helena Mechthild Curtens und Agnes Olmans verbrannt wurden.

Für Lokalpatrioten ist die Gerresheim-Führung eine Pflichtveranstaltung. Die Teilnehmer tauchen ganz tief in die Anfangszeit Gerresheims ein. So gehört ein Blick auf die in Seide eingeschlagenen Gebeine Gerrichs mit zur Führung und auch das älteste Hochkreuz nördlich der Alpen wird besichtigt. „Der Korpus des Kreuzes in St. Margareta ist aus einer Eiche geschnitzt, die im Jahr 950 gefällt wurde“, erläutert Stegt. Die Reaktion bei den Führungsteilnehmern war ein gerauntes „Der Mann weiß ja alles über Gerresheim“.

Termin Die nächste Führung „Geschichte(n) aus 1150 Jahren Gerresheim“ mit Peter Stegt gibt es am 10. Oktober ab 14 Uhr. Treffpunkt ist am Eingang zur Basilika am Gerricusplatz. Anmeldung per Mail an stegt@web.de.