Einkaufen in Düsseldorf-Gerresheim: Händler auf der Heyestraße schlagen Alarm

Einkaufen in Düsseldorf-Gerresheim : Händler auf der Heyestraße schlagen Alarm

Die Unfallkasse zieht weg, an der Hagener Straße werden die alten Häuser abgerissen und die Menschen umquartiert. Auch die Sparkasse schließt. Die Geschäftsleute an der Heyestraße in Düsseldorf-Gerresheim beklagen schon jetzt massive Umsatzeinbußen.

Es ist ein schleichender Prozess, aber längst spürbar für die Geschäftsleute an der Heyestraße im „unteren Gerresheim“. „Die Heyestraße verwahrlost zunehmend. Weil der Süden in den Köpfen vieler Gerresheimer nicht mehr existiert.“ Das sagt Joachim Loos, und er muss es wissen. Der Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins „WIR – Gemeinschaft Heye Siedlung“ pflegt einen engen Kontakt zu den Einzelhändlern und kennt deren Sorgen.

In der Bezirksvertretung 7 erhielt Loos jetzt Rederecht, um über die Probleme an der Heyestraße zu berichten. Angestoßen hatte das die CDU, die angesichts der geschilderten Zustände und der besorgniserregenden Umsatzeinbußen der Betroffenen, einen Sachstandsbericht zur aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Situation im Gerresheimer Süden, erstellt von der zuständigen Fachverwaltung, beantragt hatte – inklusive Lösungsansätze. Eine Forderung, der sich niemand in dem Gremium verschließen wollte.

„Einigen Geschäftsleuten geht es richtig dreckig, sie leben von der Hand in den Mund“, berichtet Loos. Die Gründe dafür seien vielfältig: die lange Sperrung der Straße wegen der Kanalbauarbeiten, das vergebliche Warten auf das Glasmacherviertel, aber auch die allgemeine Verwahrlosung („Es gibt zu viele Spielhallen“) der Straße. Im Neubaugebiet Quellenbusch habe zudem ein neuer Discounter aufgemacht und ziehe weitere Kunden ab. „Schon jetzt haben die Pizzerien im Schnitt zehn Essen weniger am Tag als noch vor einigen Jahren. Das sind 1600 Euro Verlust im Monat“, rechnet Loos vor. Bis zu 70 Kunden weniger am Tag würden auf die Heyestraße kommen, weiß er aus Gesprächen mit den Geschäftsleuten.

Und es komme mit Sicherheit noch dicker: Die Unfallkasse NRW zieht im nächsten Jahr mit 300 Mitarbeitern aus Gerresheim weg nach Oberbilk, die Sparkasse will ihre Filiale schließen, und an der Hagener Straße werden die alten Häuser 2022 fast komplett abgerissen. „Aber schon jetzt ziehen die Menschen dort weg, wenn sie etwas Besseres finden. Und bis dann mal die Neubauten stehen, ist es vermutlich zu spät“, glaubt Loos, der den aktuellen Leerstand auf bislang „nur“ fünf Geschäfte beziffert.

Wie lässt sich gegensteuern? Auch Loos kennt nicht die Lösung, hat aber auf jeden Fall schon mal die IHK gewonnen, sich 2019 mit der Thematik zu befassen. Sönke Willms-Heyng (FDP) sieht in den ewigen Aufschiebungen beim Glasmacherviertel einen Ansatz: „Wir müssen schauen, wo da die Bremsklötze.“ Rainer Klöpper (CDU), der zudem von zwei bevorstehenden Schließungen alteingesessener Gaststätten an der Heyestraße weiß, meint: „Klein-Italien muss unbedingt erhalten bleiben. Dafür müssen Verwaltung, Politik, Anlieger und Geschäftsleute an einen Tisch.“ Maria Icking (Grüne) appelliert, auch die Bewohner einzubeziehen, „trotz des unbefriedigenden Zustandes hängen nämlich sehr viele Menschen an der Heyestraße“. Während Julian Deterding (FDP) Hoffnung in den Umbau des alten Bunkers in Wohnungen setzt, sieht Eva Mörger (Grüne) auch in dem inakzeptablen Zustand des S-Bahnhofes einen Zusammenhang.

Joachim Loos hofft jedenfalls auch darauf, dass Oberbürgermeister Thomas Geisel die Problematik erkennt: „Er hat doch versprochen, sich um die Stadtteile zu kümmern. Vielleicht wäre ein Förderprogramm wie Garath 2.0 auch etwas für uns. Wann sind wir mal an der Reihe?“, fragt er. Allerdings glaubt Loos, dass die Probleme zum Teil auch hausgemacht seien: „In den Sommerferien hatten vier Pizzerien an der Heyestraße geschlossen. Die eine, die offen war, hat ein Bomben-Geschäft gemacht. Aber kann man sich da nicht besser untereinander absprechen?“

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