Streit um Bäume : Bezirkspolitiker kämpfen für Bäume

Nach dem Konflikt um das Ed-Sheeran-Konzert verlagert sich der politische Streit um den Erhalt von Bäumen auch in die Bezirksvertretungen. Im Stadtbezirk 7 haben CDU und Grüne jetzt gemeinsam ein Bauvorhaben vorläufig gekippt.

Dass für ein Neubauvorhaben schon mal Bäume fallen müssen, ist nicht ungewöhnlich. Doch seit dem wochenlangen Streit im Rathaus um das Konzert von Ed Sheeran in Düsseldorf scheinen auch die Mitglieder in den Bezirksvertretungen neu sensibilisiert für das Thema.

In der Bezirksvertretung 7 ging es um die Bauvoranfrage eines Investors, der an der Klotzbahn in Gerresheim ein Doppelhaus, drei Reihenhäuser und vier Garagen errichten will. Dafür müsste aber nicht nur der bestehende Bungalow abgerissen werden, auch 16 schützenswerte alte Bäume stünden den Neubauten im Weg. Und wie bei Ed Sheeran formierte sich in dem Stadtteilgremium eine Allianz aus CDU und Grünen, die das Bauvorhaben wegen der zu fällenden Bäume grundsätzlich ablehnte.

Maria Icking (Grüne) fragte sich, warum der Investor nicht dort seine Gebäude errichtet, wo jetzt der Bungalow steht. Andrea Marienfeld vom Bauaufsichtsamt erklärte, die Stadt könne einem Projektentwickler keine Vorschriften machen, wo er bauen soll, sondern ihm nur mitteilen, ob sein Vorhaben mit geltendem Baurecht vereinbar sei.

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„Das sind große edle Bäume, das würde richtig wehtun“, sagte Rainer Klöpper (CDU), und Parteikollege Ingolf Rayermann meinte: „Es galt mal als gesetzt, dass Bauvorhaben von der Verwaltung kritisch gesehen werden, wenn schützenswerte Bäume auf dem Spiel stehen. Dieser Grundsatz hat sich anscheinend im Nirvana aufgelöst.“ Doch auch wenn Bezirksbürgermeister Karsten Kunert einwarf, das Gartenamt stünde nicht unbedingt im Verdacht, ständig mit der Kettensäge durch die Gegend zu laufen – die Prognose, dass 16 Bäume einfach „umfallen“ würden, wenn ein Haus abgerissen werde, machte die Politiker erst recht stutzig.

„Wir müssen nicht immer Ja und Amen zu allem sagen“, sagte Hanno Bremer (CDU). Und Rayermann fügte hinzu, man könne den Investor in die Fraktionen einladen und versuchen, so die Kuh vom Eis zu bekommen. Und da sich die SPD bei der Abstimmung enthielt, setzte der seltene Fall ein, dass die Bezirksvertretung einer Bauvoranfrage die Zustimmung komplett verweigerte.

In der Bezirksvertretung 2 war man ein bisschen wohlwollender, obwohl vor der Abstimmung eine lange Diskussion entfachte. Auf einem Grundstück an der Friedrich-Springorum-Straße in Düsseltal soll ein Einfamilienhaus gebaut werden, das wegen Befreiungen in der Bebauungstiefe und der Baulinie den Stadtteilpolitikern vorgelegt wurde. Das alte Haus ist bereits abgebrochen worden, „auf dem Grundstück sah alles planiert aus“, meinte Annelies Böcker (CDU), stellvertretende Bezirksbürgermeisterin, die sich um die vier satzungsgeschützten Bäume sorgte. Schnell machte sich das Gerücht breit, dass die Bäume weg sind, „was passiert, wenn wir dafür keine Befreiung erteilen?“, fragte Tobias Reichelt von den Grünen. Dass die Fällung der Bäume überhaupt nicht zur Abstimmung stand, „sie einfach zur Information in der Beschlussvorlage aufgeführt sind“, wie Bezirksverwaltungsstellenleiter Gerhard Aschendorf erklärte, interessierte einige Politiker nicht.

„Hier werden Fakten geschaffen“, meinte Brigitte Reich (Grüne), „man zieht uns über den Tisch, das müssen wir rügen“, schloss sich Böcker an. Am Ende beschlossen die Bezirksvertreter mit einer Gegenstimme von den Linken die Vorlage, erteilten die nötigen Befreiungen. Und aus dem Zuschauerraum murmelte der Eigentümer, der kein Rederecht hatte in der Sitzung: „Die Bäume stehen doch noch alle.“