Gerresheim : Deutschunterricht mit "Momo"

Schüler der Ferdinand-Heye-Schule, darunter viele Flüchtlingskinder, proben gemeinsam an einem Musical, dem die Buchvorlage "Momo" von Michael Ende zugrunde liegt. Am 20. Januar ist die Aufführung.

In der Ferdinand-Heye-Grundschule werden derzeit rund 170 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren unterrichtet. Eine große Zahl, nämlich 45 von ihnen, sind so genannte Seiteneinsteiger, kommen also aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien. Sie sprechen wenig oder gar kein Deutsch und werden in kleinen Gruppen besonders gefördert. Sicher ein wichtiger Grund, warum das Schulamt Stephanie Siebert, Projektleiterin beim Verein "music4everybody", gerade diese Schule empfahl.

Sie war im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst auf der Suche nach einer passenden Schule für ein von der Bundesregierung gefördertes Integrationsprojekt. Ihr Verein möchte zur künstlerischen Bildung junger Menschen beitragen und bietet dazu unterschiedliche Projekte an, Inklusion und Integration spielen dabei immer eine große Rolle.

Seit September proben Siebert und weitere im Verein engagierte Künstler nun gemeinsam mit insgesamt 52 Schülern und Schülerinnen, davon ungefähr die Hälfte mit Fluchthintergrund, für eine Werkstattaufführung des Musicals "Momo". Unterstützt werden sie dabei von der Initiative "Ehrenamt - Integrationsdienste" der Malteser.

Die Kinder üben jeden Mittwoch, übrigens in ihrer Freizeit, anderthalb Stunden lang in vier verschiedenen Arbeitsgruppen, und zwar Gesang, Tanz, Schauspiel und Bühnenbild. "Bei der Gruppe, die sich ums Bühnenbild kümmert, können beispielsweise auch die Kinder mitmachen, die noch gar nicht Deutsch sprechen", erklärt Schulleiterin Janine Fritzemeier-Kollath. Aber auch die Texte, die in der Schauspielgruppe gesprochen würden, sollten möglichst so einfach sein, ergänzt Wiebke Prüss-Aras, dass sie auch von Kindern mit nur geringen Deutschkenntnissen verstanden werden könnten. Die Lehrerin ist für den Unterricht der Seiteneinsteiger zuständig, kennt deren Fähigkeiten gut und hat Stephanie Siebert und ihr Team bei der Zusammenstellung der Gruppen unterstützt. Gerade die Flüchtlingskinder, so Prüss-Aras, seien ganz besonders begeistert von diesem Projekt und mit großem Spaß dabei. Manche freuten sich schon Tage vorher auf die nächste Probe. Sicher liege das auch daran, dass sich die deutsche Sprache mit Musik, also beim Singen und Tanzen, viel leichter und spielerischer lernen lasse als im normalen Unterricht.

Zudem helfen sich die Kinder gegenseitig, denn die deutschen Schülerinnen und Schüler überhnehmen Patenschaften für die zugewanderten Kinder. So sei im Laufe der letzten Wochen eine tolle Kooperation zwischen den Kindern entstanden, berichtet Fritzemeier-Kollath. Und Freundschaften.

Inzwischen steigt die Aufregung bei Kindern, Lehrern und Eltern gleichermaßen, denn der Aufführungstermin am 20. Januar rückt immer näher - einiges muss bis dahin noch vorbereitet werden. Bisher haben die vier Gruppen immer getrennt gesungen, geschauspielert, getanzt und die Bühnendekoration gebaut. Erst bei der Generalprobe werden die Gruppen zusammengeführt und alle Kinder proben gemeinsam die Musicalausschnitte, die sie in ihrer jeweiligen Gruppe für die Aufführung einstudiert haben. Projektleiterin Stephanie Siebert ist aber ganz sicher, dass alles gut klappen wird, denn "wenn die Kinder erstmal auf der Bühne und im Rampenlicht stehen, wachsen sie meistens über sich hinaus." Und was könnte die Darsteller mehr motivieren, als für Freunde und Familie ein Musical aufzuführen.

(RP)
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