Gerresheim: Der perfekte Hochzeitstanz

Gerresheim: Der perfekte Hochzeitstanz

Tanzlehrerin Alexandra Ritter studiert mit Paaren individuelle Choreographien für den großen Tag ein. Das und alles, was sie sonst noch macht, tat sie bisher in der Löwenburg. Am 1. Mai wechselt sie in den Kulturbahnhof in Gerresheim.

Wer heiratet, muss an vieles denken: an die Ringe, die Torte, die Einladungskarten, das Buffet, an das perfekte Hochzeitskleid und, und, und... Dann ist die Zeremonie vollzogen, die Gäste wechseln von der Kirche in eine hippe Feier-Location. Plötzlich setzt die Musik ein, und hunderte Augenpaare sind auf das Brautpaar gerichtet - der Hochzeitstanz. Wer nicht Jahre später noch an einen womöglich ziemlich peinlichen Auftritt erinnert werden möchte, sollte sich vorbereiten. Und vielleicht zusammen mit Alexandra Ritter eine individuell auf die eigenen Wünsche abgestimmte Choreographie einstudieren.

"Das ist in der Tat zu meinem Kerngeschäft geworden", sagt die Tanzlehrerin, die auch Zumba oder Salsa, Walzer oder Samba und vieles mehr anbietet. Aber mit dem Hochzeitstanz, vermittelt in Privatstunden, hat sie offenbar eine kleine Marktlücke entdeckt. "Ich höre mir genau an, was die Paare sich vorstellen, zu welchem Lied sie tanzen wollen, passe das Lerntempo an und nehme ihnen zu Beginn erst einmal die größte Angst: Keiner soll sich beim Hochzeitstanz nachher blöd vorkommen, weil er sich verbiegen muss. Das gilt vor allem für den Bräutigam, während die Braut das meist sehr euphorisch angeht", erzählt die 34-Jährige. Sie schaut sich genau an, welche Bewegungsabläufe zu welchem Körper passen und stimmt so ihre Choreographie ab. Drei- bis viermal plus Generalprobe, dann sollte der Tanz sitzen.

Das kommt bei den hochzeitswilligen Pärchen an. "Gerade Düsseldorf scheint da ein gutes Pflaster zu sein, die Paare sind anspruchsvoll, sie wollen ihren Song und am Ende des Tages ihren Tanz, der dazu passt", erzählt die Gerresheimerin, die neben dem klassischen Walzer auch schon Choreographien zu Metallica oder Karnevalsliedern kreiert hat. Immer beliebter: ein Medley aus ganz unterschiedlichen Stilrichtungen - zum Beispiel Walzer, Macarena, Moonwalk und noch ein bisschen YMCA. Auch zu türkischen, griechischen oder italienischen Hochzeiten musste sie sich schon passende Elemente einfallen lassen. "Da kann ich natürlich nicht so ohne weiteres auf Einstudiertes zurückgreifen und muss selbst erst mal schauen, was passen könnte", sagt Ritter.

Sie muss sich dem Zeitgeist anpassen, und der spricht sich eindeutig gegen die klassischen Tanzstunden in der Gruppe einmal wöchentlich in einem großen Saal aus. "Dazu haben die Leute keine Zeit und offenbar ebenso keine Lust mehr", sagt Alexandra Ritter, die bereits seit 14 Jahren als Tanzlehrerin arbeitet. Und daran hat auch die allseits präsente Tanzsendung bei einem privaten Fernsehsender nichts geändert. "Das hat eher das Gegenteil bewirkt, gerade bei Männern, die vielfach auf keinen Fall so aussehen wollen wie die Tänzer in der Show", weiß die Expertin zu berichten.

Da kommt es ihr fast schon gelegen, dass der 400 Quadratmeter große Tanzsaal in der alten Löwenburg an der Ludenberger Straße womöglich bald in Wohnungen umgebaut werden soll, es gibt zumindest eine entsprechende Bauvoranfrage. "Gerade für meine Einzelstunden war die Räumlichkeit nicht unbedingt optimal, eine entsprechend romantische Atmosphäre kommt da kaum auf." Ersatz hat sie schon gefunden. Zwei Räume im Kulturbahnhof Gerresheim, ein größerer und ein kleinerer, seien ideal für ihre Bedürfnisse. Am Maifeiertag lädt sie zum Tag der offenen Tür ein.

Dann werden Interessierte sehen, dass die 34-Jährige noch weit mehr auf dem Kasten hat. "Zumba ist mein zweites großes Standbein. Allerdings steht bei mir immer der Tanz im Vordergrund und nicht wie in Fitness-Studios das Workout." Das finden zumindest schon mal 60 Frauen ziemlich klasse, auf so viele Mitglieder kann die Tanz-Pädagogin zählen. Zumba Gold ist die sanfte Version, die sich besonders für übergewichtige Frauen eignet. "Denen wird ja oft sonst nur geraten, sie sollten ins Wasser gehen", erzählt Ritter. Das dritte Standbein der gebürtigen Österreicherin bilden Videoclip-Choreographien. "Zu einem bestimmten Lied wird ein in sich abgeschlossener Tanz einstudiert, den die Schüler dann später auch eigenständig beherrschen sollen", erklärt Ritter. Da der Kulturbahnhof in Gerresheim am Wochenende oft als Location für Festivitäten vermietet ist, hat sich die Tanzpädagogin zudem im Poststadion an der Dreherstraße ein Ausweichquartier gesucht. Dort finden spezielle Kurse für Adipositas-Patienten statt - Standbein Nummer vier.

Nummer fünf wird in ihrem Portfolio zwar immer noch aufgeführt, aber immer seltener nachgefragt: der klassische Paartanz - Standard oder Latein, Tango, Rumba, Quickstepp, Foxtrott, Cha Cha Cha. "Standard ist ja fast schon so etwas wie ein Unwort geworden", wundert sich die Tanzlehrerin. Das gilt für den Hochzeitstanz zum Glück nicht, und dazu hat Alexandra Ritter ohnehin eine ganz besondere Beziehung: Sie heiratet diesen Sommer selbst.

(RP)