Senioren in Düsseldorf : Mehr Verständnis für Menschen mit Demenz

In Gerresheim versucht ein „Runder Tisch“ mit unterschiedlichen Akteuren einen ganzen Stadtteil für das Thema zu sensibilisieren.

Frau Müller steht in der Bäckerei, und der Name ihres Lieblingsbrotes fällt ihr doch einfach nicht ein. Peinlich sind ihr solche Situationen. Und völlig überflüssig, findet Christian Bleck. Der Professor für Soziale Arbeit an der Hochschule Düsseldorf hat erforscht, was Menschen mit Demenz brauchen, um sich in ihrem Stadtteil wohler zu fühlen und besser zurechtzufinden. Seine Erkenntnisse nutzt ein Pilotprojekt der Diakonie, um für mehr Verständnis und Akzeptanz zu werben.

Welche Orte sind Ihnen angenehm? Welche Angebote im Stadtteil nutzen Sie? Solche Fragen hat Christian Bleck Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen für sein „sozialräumliches Forschungsprojekt“ gestellt. Ergebnis: eine Pause auf einer Café-Terrasse oder einer Sitzbank an einer Einkaufsstraße sind besonders beliebt, „weil man dabei am öffentlichen Leben teilnehmen kann, ohne das Gefühl zu haben, beobachtet zu werden“. Als Barrieren würden dagegen zu schnelle Ampelschaltungen und hohe Bordsteinkanten empfunden. Auch öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, würde bei Menschen mit Demenz eher Unsicherheit auslösen.

Einen kompletten Stadtteil für das Thema zu sensibilisieren, hat sich der „Runde Tisch Gerresheim“ vorgenommen, den die Diakonie als Pilotprojekt initiiert. Dieser Arbeitskreis organisiert Schulungen für Angehörige, aber auch für Geschäftsleute und plant Aktionen gemeinsam mit Partnern. „Manchmal braucht es nur einen Anstoß, um etwas zu verändern“, weiß Christian Bleck. „Wenn zum Beispiel ein Gottesdienst kürzer ist als üblich, wird auch Menschen mit Demenz, die vielleicht nicht so lange stillsitzen können, die Teilnahme ermöglicht.“

Und wenn Frau Müller heute zu ihrem Bäcker kommt, dann wird sie gleich gefragt, ob sie vielleicht wieder das leckere Dinkelbrot haben möchte. Fazit des Wissenschaftlers: „Die Menschen im Stadtteil sind aufmerksamer geworden.“

Die Ergebnisse seiner Forschung stellt Christian Bleck bei einer öffentlichen Veranstaltung des Demenzforschungs-Netzwerks vor: am Dienstag, 29. Oktober, ab 16 Uhr im Haus der Universität am Schadowplatz.

Der „Runde Tisch Gerresheim“, der einen Kreis unterschiedlicher Akteure aus Gerresheim und darüber hinaus umfasst, kommt vier Mal im Jahr zusammen. Das am „Runden Tisch“ beteiligte Zentrum plus der Diakonie in Gerresheim bietet darüber hinaus eine Demenz-Beratung für Angehörige an, die an jedem ersten, zweiten und dritten Dienstag im Monat von 14.30 bis 16.30 Uhr im Haus am Wallgraben 34 stattfindet. Zeitgleich findet das Café „VergissMeinNicht“ für Angehörige und Betroffene statt. Infos unter Telefon 29 65 28.

Mehr von RP ONLINE