Gerresheim : Dauerbaustelle wird zum Ärgernis

Seit mehr als einem Jahr wird an einem Neubau am Steinweg in Gerresheim nicht mehr gearbeitet. Eine Scheune, die laut Baugenehmigung hätte stehenbleiben müssen, wurde abgerissen. Seitdem ist der Bauherr auf Tauchstation.

Das Restaurant Alter Steinweg 9 war eine urige Adresse in Gerresheim, wo man noch im besten Sinne gut bürgerlich speisen konnte. Das ist lange her, das letzte Bier wurde vor rund fünf Jahren gezapft. Das Grundstück wurde verkauft, einige Zeit passierte nichts, bis der neue Eigentümer das Haus abreißen ließ. Es wurde mit einem Neubau begonnen - so weit, so gut.

Im Oktober 2015 wurde die Baustelle plötzlich stillgelegt, einige Monate später wurden sämtliche Baugeräte abgeholt, seit einem Jahr tut sich am Steinweg 9 nichts mehr. Niemand weiß das besser als Edith von Born, sie wohnt ein Haus weiter und schaut direkt auf die Baustelle. "Es ist das absolute Chaos", sagt sie. "Nicht nur, dass dieser unfertige Neubau auf Dauer nicht gerade schön anzuschauen ist, alles droht doch zu verfallen und zu vergammeln. Und beim Veedelszug in Gerresheim haben haufenweise Männer dort ihre Notdurft verrichtet. Das kann doch kein Dauerzustand sein", ärgert sich von Born.

Sie hat die Baustelle auch deswegen über längere Zeit beobachtet, weil sie Fotos vom Baufortschritt gemacht hat. "Die wollte ich später dem Bauherrn überlassen, ich dachte, das wäre vielleicht eine nette Idee." Aber den hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Die Gerresheimerin hat sich mit dem "Fall" näher beschäftigt und eine konkrete Vermutung, was vorgefallen ist: "Der Bauunternehmer hat etwas abgerissen, was er nicht hätte abreißen dürfen - eine Scheune im rückwärtigen Teil des Grundstückes, da war bestimmt eine saftige Strafe fällig. Dann haben sich wohl Bauherr und Bauunternehmer gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben, seitdem ist hier Schicht im Schacht." Nachbar Heinz Schmitz kann die Schilderungen von Edith von Born nur bestätigen: "Jeden Tag bleiben Gerresheimer stehen und schütteln den Kopf, weil hier nichts passiert. Der Steinweg ist eine wirklich schöne und gepflegte Straße, aber diese Baustelle ist wirklich ein Dauerärgernis."

Wie jetzt eine Anfrage der Grünen in nicht-öffentlicher Sitzung der Bezirksvertretung 7 ergab, liegt Edith von Born mit ihren Vermutungen, was der Grund für die Stilllegung der Baustelle sein könnte, ziemlich nahe an der Wahrheit. Demnach habe die Bauaufsicht 2015 den Neubau eines Wohnhauses mit Einliegerwohnung und einer Doppelgarage genehmigt. Die Bebaubarkeit des Grundstücks sei im Vorfeld mit dem Antragsteller auch eingehend besprochen worden. Hierbei sei deutlich gemacht worden, dass eine rückwärtige Bebauung nur denkbar ist, wenn die Scheune stehenbleibt. "Diese wurde jedoch abgerissen", heißt es von der Verwaltung. Stattdessen seien von der Baugenehmigung abweichende Neubaumaßnahmen durchgeführt worden, so dass im September 2015 die Bauarbeiten stillgelegt werden mussten.

Nach der Stilllegung seien dem Antragsteller seitens des Bauaufsichtsamtes und des Stadtplanungsamtes mehrere Vorschläge unterbreitet worden, um eine tragbare Lösung zu finden. "Der Antragsteller hat aber bis heute nicht signalisiert, dass er einen der Vorschläge umsetzen möchte. Neue Planungen hat er nicht eingereicht", heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Ob und wann der Bauherr sein Vorhaben weiter verfolgt, sei der Stadt nicht bekannt. Sie habe auch keine rechtliche Handhabe, den Bauherrn zu zwingen, tätig zu werden. Von möglichen Strafzahlungen ist nicht die Rede, auch über einen möglichen privat geführten Rechtsstreit habe die Verwaltung keine Erkenntnisse.

(RP)
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