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Bürgerhilfe kleidet Senioren in Düsseldorf ein

Gut gemacht : Bürgerhilfe kleidet Senioren ein

Aktion wird erstmals auf ältere Menschen, die bedürftig sind, ausgedehnt.

Seit vielen Jahren führt die Bürgerhilfe Gerresheim eine Kindereinkleidung für bedürftige Familien durch. 140 Minderjährige waren es allein im vergangenen Jahr, die sich zum 30-jährigen Bestehen des gemeinnützigen Vereins bei Kaufhof an der Schadowstraße mit einem warmen Mantel oder einem anderen Kleidungsstück eindecken konnten, das sich die Eltern unter normalen Umständen nie hätten leisten können. Jetzt wurde der Kreis der Adressaten für die Spendenaktion erweitert: Erstmals durften sich zehn ältere Menschen, die mit einer knappen Rente auskommen müssen, neu einkleiden.

„Es war an der Zeit, diese Aktion auszudehnen. Die Altersarmut ist allgegenwärtig, auch bei uns in Gerresheim“, begründet Hans Küster, Vorsitzender der Bürgerhilfe, diesen Schritt. 150 Euro durfte jeder Betroffene ausgeben, und er profitierte zusätzlich von bis zu 30 Prozent Rabatt, die Kaufhof gewährte. „Das war unser Überschuss aus dem vergangenen Jahr, den wir an Spenden eingenommen hatten“, erklärt Küster, der sich gut vorstellen kann, wie es für einen Menschen ist, der mit wenig Geld auskommen muss, sich endlich mal etwas leisten zu können. „Und das ohne jedes Reinquatschen“, betont er. Die infrage kommenden Senioren wurden ihm über die Diakonie vermittelt. Was ihn etwas traurig stimmt: „Wir hatten mindestens doppelt so viele Anfragen. Aber die, die in diesem Jahr nicht an der Reihe waren, werden im nächsten Jahr bedacht. Denn eine Wiederholung wird es auf jeden Fall geben.“

Petra Wienß, Leiterin des Zentrum plus der Diakonie in Gerresheim, kennt das Phänomen der Altersarmut aus der Praxis nur zu gut: „Das Geld wird knapper, gerade bei Frauen, oft sind es Witwen.“ In der Einrichtung am Wallgraben kostet eine Tasse Kaffee einen Euro, „und das ist einigen schon zu viel“. Doch in Gerresheim gebe es eine große Hilfsbereitschaft und eine gute Vernetzung, so dass niemand zurückgelassen werde. „Geld soll bei unseren Angeboten keine Rolle spielen. Wer plötzlich nicht mehr kommt, den rufen wir an, schreiben ihm eine Karte, oder eine Vertrauensperson macht Hausbesuche. Das geht dann auch so unauffällig, dass niemand sich bloßgestellt fühlen muss“, erklärt Wienß. Umso mehr freut sie sich nun, dass die alten Menschen endlich mal nicht gezwungen sind, sich in der Kleiderkammer nach Passendem umsehen zu müssen, sondern sich einen Herzenswunsch erfüllen dürfen. „Hier geht es ja nicht um Luxusartikel, sondern um das Allernötigste“, betont Wienß.

Dass einer der Auserkorenen nicht zu dem Termin erschien, wundert Hans Küster nicht wirklich. „Ich sehe immer, wie er jeden Abend rund um die Hatzfeldstraße Pfandflaschen aus Containern sammelt. Wahrscheinlich weiß er gar nicht, wie er alleine in die Innenstadt kommen soll.“